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Wer wird Millionär - was bleibt vom Geld?

Kein Cent fürs Finanzamt

Münster

Leon Windscheid aus Münster hat bei „Wer wird Millionär?“ die Million gewonnen. Aber darf er das gewonnene Geld ganz und gar behalten? Wir haben beim Finanzgericht in Münster nachgehakt. 

Stefan Werding

Günther Jauch (r.) beglückwünscht Leon Windscheid nach dessen Millionen-Gewinn bei „Wer wird Millionär?“. Der Sieger wird von dem Geld keine Steuern zahlen müssen. Foto: RTL

Der münsterische Sieger von „Wer wird Millionär“ wird für seine eine Million Euro keine Steuern zahlen müssen. Das hat Dr. Franziska Peters vom Finanzgericht in Münster auf Anfrage erklärt. Leon Winds­cheid habe nur an dieser einen Sendung teilgenommen. Das bewerten die Richter aber noch nicht als berufsmäßig. Im Kern geht es bei Besteuerung darum, ob jemand arbeitet oder nicht. Damit ergeht es dem angehenden Psychologen wie einem Lottogewinner, der seinen Gewinn nach herrschender Rechtsprechung nicht versteuern muss.

Dagegen muss ein Turnierpokerspieler, der im Fernsehen antritt, seine Gewinne versteuern. Das hat der Bundesfinanzhof entschieden. Schließlich würde ein Pokerspieler regelmäßig trainieren und Einsätze riskieren. „Das geht in Richtung selbstständige Arbeit“, erklärt Peters‘ Kollege Dr. Hans Anders.

Auch wer an Sendungen wie „Big Brother“ oder „Die Farm“ teilnimmt, muss damit rechnen, dass ein Teil des Geldes an den Staat geht. Für die Preisgelder müssen die Teilnehmer schließlich ein Bündel von Leistungen anbieten: Sie verpflichten sich dazu, sich in einem Haus aufzuhalten und an Spielen teilzunehmen oder treten Vermarktungsrechte ab. „Wer da mitmacht, vermietet salopp gesagt sein Persönlichkeitsrecht,“ sagt Franziska Peters. Der Bundesfinanzhof hat dies zu einem Aufenthalt im „Big-Brother-Haus“ entschieden. Für „Die Farm“ gibt es ein entsprechendes Urteil vom Finanzgericht Münster.

Das sei bei „Wer wird Millionär“ anders. Dort würden die Kandidaten ganz kurz vorgestellt: „Die Zuschauer erfahren zwar den Namen, den Beruf und dass der Freund oder die Freundin in Publikum sitzen.“ Aber die Kandidaten stünden nicht mit der ganzen Persönlichkeit im Rampenlicht.

Steuern zahlen muss Windscheid allerdings für die Zinsen oder Mieteinnahmen, die er bekommt, wenn er einen Teil seines Gewinns in Aktien oder Immobilien anlegen sollte.

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