Watte lüllen oder Nase kitzeln

Lolli-Tests sind in Grund- und Förderschulen etabliert – aber umstritten

Horstmar/Greven

Eine Klasse lutscht auf einem Wattebäuschen herum. Das Verfahren ist obligatorisch, offensichtlich umstritten – aber inzwischen ganz gut eingespielt.

Von Gunnar A. Pier

Oliver, Tim, Leo und Emil aus der 2b und ihre Protestnote: Die Horstmarer Grundschüler bevorzugen den Schnelltest. Foto: Gunnar A. Pier

Oliver, Tim, Leo und Emil aus der 2b haben eine handgeschriebene Protestnote verfasst. Auf zwei hellblauen Würfelblock-Zetteln machen sie ihrem Unmut Luft: „Ich wünsche mir das wir keine Lollitest mer machen müssen“, steht auf einem, „Ich mochte Nasentest in meiner Klase haben 2b“ auf dem anderen. Doch die vier haben kein Wahl, die Schule selbst hat es auch nicht: Zweimal pro Woche wird jeder Schüler in NRW getestet. Das Lollitest-Verfahren ist obligatorisch, offensichtlich nicht ganz unumstritten – aber inzwischen ganz gut eingespielt.

Als die Schüler nach dem Corona-Lockdown zurück in die Schulen kamen, stand zunächst regelmäßig der Nasen-Schnelltest an, den die meisten auch aus den Schnelltestzentren kennen. „Das hat ziemlich viel Zeit gekostet“, erinnert sich Claudia Geldermann, die die Astrid-Lindgren-Grundschule in Horstmar kommissarisch leitet. Am ersten Tag, als die Lehrer noch zur Hand gehen mussten, hat es zwei Schulstunden gedauert, bis alle Schüler getestet waren. „Aber das hat sich eingespielt.“ Bald war das, was Schüler gerne „Popeltest“ nennen, Routine.

NRW-Schulministerium

Holpriger Start

Dann kam die neue Technik. „Die Handhabung des Lolli-Tests ist einfach und kind- bzw. altersgerecht“, hatte das NRW-Schulministerium zur Einführung in allen Grund- und Förderschulen am 10. Mai versprochen. Die Schüler müssen 30 Sekunden auf einem speziellen Wattestäbchen herumlutschen, das dem Nasenpopler ganz ähnlich ist. Dann kommen alle „Lollis“ in ein Döschen und werden in ein Labor gebracht.

Der Start war holprig. „Das Material war nicht da“, erinnert sich Claudia Geldermann. Und die Schulverwaltungen mussten sich erstmal ein eigenes System mit neuen Abläufen und selbst gestrickten Formularen ausdenken, damit alles funktioniert. Also wurde in Horstmar noch eine Woche länger auf alte Weise getestet, bevor das große Lutschen begann. Denn: Watte lüllen oder Nase kitzeln – das ist das eine. Auch für die Auswertung gibt es wesentliche Unterschiede.

Kurier holt Lollis ab

Während die Schnelltest-Resultate nach einer Viertelstunde vor den Kindern auf der Schulbank liegen, werden die „Lollis“ per Kurier abgeholt und in ein Labor etwa in Düsseldorf gebracht. Am nächsten Morgen gleich nach dem Aufwachen ruft Schulleiterin Claudia Geldermann die Ergebnisse per Smartphone-App ab.

Ist ein positiver Befund darunter, geht’s los: Sie muss die ganze Klasse alarmieren. Denn weil die Tests klassenweise analysiert werden, ist nicht klar, welcher Schüler positiv ist – also müssen alle zuhause bleiben und alle Familien einen Pooltest machen. Wieder wird im Labor ausgewertet. Erst wenn klar ist, welcher Schüler positiv ist, dürfen alle anderen wieder ins Gebäude. Das ist, wenn’s funktioniert, wieder am nächsten Morgen nach dem Aufwachen klar.

Spekulationen über Testergebnisse

Doch leider harkt es mitunter, und es machen Geschichten die Runde von Schulklassen, die noch einen weiteren Tag zu Hause bleiben mussten, weil die neuerlichen Testergebnisse nicht überkamen.

Mit derlei Problemen hatten Oliver, Tim, Leo und Emil aus der 2b bisher nichts zu tun: An ihrer Schule gab es noch keinen positiven Befund. Und so sind ihre Pro­bleme etwas einfacherer Art: „Da muss man ein Wattebäuschchen anlüllen – das ist eklig“, findet Oliver. „Das löst sich immer ab“, ergänzt Klassenkamerad Emil. Dabei wendet sich die protestierenden Vier gar nicht generell gegen das Testen und versichern, dass sie gegen die Nasentests nie etwas hatten. „Das Kitzeln war manchmal sogar lustig“, findet Emil.

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