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Krankheitswelle

Kinderärzte machen über die Feiertage Extra-Schichten

Dortmund/Münster

Corona, Grippe, RSV – gleich drei Viren bereiten Kindern und Jugendlichen zurzeit Extra-Stress. Nun machen 65 Ärztinnen und Ärzte mit ihren Teams Überstunden, um Patienten in Westfalen-Lippe zu Weihnachten und in den Tagen danach behandeln zu können.

65 Mediziner in Westfalen-Lippe greifen den Notdienst-Praxen in den nächsten Tagen unter die Arme. Foto: Imago

In den nächsten Tagen werden 65 Haus- und Kinderärzte mit ihren Teams ihre Praxen öffnen, um kranken Kindern besser helfen zu können. Das hat die Kassenärztliche Vereinigung Westfalen-Lippe (KVWL) angekündigt. Sie hätten sich kurzfristig dazu bereit erklärt, ab Heiligabend bis Mitte Januar zu arbeiten. Beteiligt sind Praxen überall in Westfalen-Lippe.

Dr. Dirk Spelmeyer, Vorstandsvorsitzender der KVWL, sagt: „Damit bilden wir ein imposantes Bollwerk vor den Kinderkliniken, wo die Situation derzeit wirklich dramatisch ist.“ Dafür würden die Mitarbeitenden in den Praxen trotz ihrer bisher schon „extremen Arbeitsbelastung“ statt Geschenken ihre Praxistüren öffnen.

Drei Infektionswellen kreuzen sich

An den Weihnachtstagen ist das Angebot allerdings auf die Zeiten von 8 bis 12 Uhr beschränkt. Der Sprecher der KVWL, Stefan Kuster, erklärt: „Für uns war die Freiwilligkeit entscheidend.“ Die Vereinigung habe niemanden, der ohnehin schon am Limit ist, dienstverpflichten wollen, sagt er. Das zusätzliche Angebot solle den regulären Notfalldienst ergänzen und entlasten. Nach seinen Worten ist das Patientenaufkommen lokal unterschiedlich. Die Ärzte seien zunächst dort eingesprungen, wo das Patientenaufkommen in den vergangenen Tagen und Wochen besonders hoch war.

Dass von 676 Kinderärztinnen und -ärzten und 5153 Hausärztinnen und Hausärzten nur 65 zusätzlich ihre Praxen öffnen, erklärt Kuster damit, dass es sich um ein Zusatzangebot zum regulären Kinder-Notfalldienst handele. „Es geht hier also nicht um einen ergänzenden ,normalen‘ Praxisbetrieb“, erklärte er auf Nachfrage.

Eltern müssen mit Wartezeiten rechnen

Laut KVWL ist in den vergangenen Wochen die Zahl der Patienten in den Kinder- und Jugendarztpraxen deutlich gestiegen, insbesondere im Notfalldienst. Dort habe sich die Patientenzahl im Vergleich zu früheren Grippesaisons phasenweise verdoppelt. Der Grund: Zurzeit würden sich drei Infektionswellen kreuzen: Die Corona-Pandemie ist noch nicht vorbei, Influenza und RSV kommen hinzu. „Dessen müssen sich die Menschen bewusst sein“, sagt der Präsident der Ärztekammer Westfalen-Lippe (ÄKWL), Hans-Albert Gehle.

Die KVWL hat nach eigenen Angaben die Personalkapazitäten an den 23 Standorten in Westfalen-Lippe erhöht, um die Kinder und Jugendlichen versorgen zu können. Dabei habe sie an einigen Standorten zusätzlichen Raum für Hilfesuchende geschaffen, um die Ansteckungsgefahr zu verringern.

Laut KVWL bieten die Praxen– nach heutigem Stand - bis zum 11. Januar 120 zusätzliche Sprechstunden an. Jeder Patient werde behandelt, allerdings müssten Eltern weiterhin mit Wartezeiten rechnen. „Wir appellieren zudem, nur bei tatsächlichen Notfällen die Notfallpraxen aufzusuchen“, bittet Dr. Volker Schrage, stellvertretender Vorstandsvorsitzender der KVWL.

Pflegekräfte am Limit

Nach Gehles Worten sind die Kolleginnen und Kollegen in den Kliniken und den Praxen mit ihren Mitarbeitern oder den Pflegekräften am Limit, oft schon darüber hinaus. Deshalb forderte er dazu auf, „weiter gegenseitig Rücksicht zu nehmen, auch in einer Zeit, in der die Menschen zusammenkommen möchten, um das Weihnachtsfest oder den Jahreswechsel zu feiern.“ Es gelte weiterhin, sich selbst und andere zu schützen.

Kindernotdienst per Videosprechstunde

Gehle rät dringend dazu, bei Bedarf eine Schutzmaske zu tragen, Abstand zu halten oder sich vor einem Besuch in Alten- und Pflegeheimen oder Krankenhäusern zu testen, um so besonders vulnerable Gruppen zu schützen“. Das biete die beste Möglichkeit, um die aktuellen Ansteckungswellen einzudämmen und das Gesundheitssystem zu entlasten. Krankheitsbedingter Personalmangel in den Kliniken und Arztpraxen sowie Lieferengpässe bei Arzneimitteln würden das medizinische Versorgungsproblem zusätzlich verschärften.

Welche Praxen sich zusätzlich am Kinder-Notfalldienst beteiligen, lässt sich unter folgender Adresse herausfinden: www.kvwl.de/erweiterter_kindernotfalldienst.

Eltern, die eine telefonischen Nachfrage haben, wählen am besten die Nummer 116 117. Dazu rät der Chefarzt der Klinik für Kinder und Jugendliche, St. Franziskus Hospital, in Ahlen.

Video in Kooperation mit dem WDR

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