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Debatte um Homöopathie

Konter auf die Kügelchen-Kritik

Münster

Eine Gruppe aus ­Ärzten, Ethikern, Juristen und Philosophen mit dem Namen „Münsteraner Kreis“ will durchsetzen, dass Mediziner nicht mehr die Zu­satzbezeichnung „Homöopathie“ tragen dürfen. Homöopathische Ärzte wehren sich nun gegen die Attacke. Ein Streitgespräch.

Stefan Werding

Schulmedizin oder Homöopathie: Die Befürworter beider Richtungen führen zurzeit einen erbitterten Streit. Foto: Colourbox.de

Der Präsident der Ärztekammer Westfalen-Lippe, Theodor Windhorst, lehnt die alternative Medizin zwar ebenfalls ab („Ich bin der Meinung, man muss die Homöopathie von Patienten weghalten.“), meint aber ­anders als der Münsteraner Kreis: Wenn schon Homöopathie, dann wenigstens in den Händen von approbierten Ärzten.

Theodor Windhorst. Präsident der Ärztekammer Westfalen-Lippe

Im Gespräch mit unserer Zeitung meinte er: „Wir dürfen die Homöopathie nicht in die Hände von Scharlatanen geben.“ Wenn ausgebildete Mediziner homöopathisch arbeiten, würde das zumindest mit einem ärzt­lichen Hintergrund geschehen. „Da hat man immer noch jemanden, der den Rest der Medizin im Blick hat – anders als Heilpraktiker“, sagte er. Zusätzlich hofft Windhorst auf eine Regelung, dass Krankenkassen homöopathische Behandlungen nicht länger bezahlen, „weil sonst der Eindruck vermittelt wird, dass das ein super therapeutisches Mittel“ ist.

Dr. Theodor Windthorst, Praesident der Aerztekammer Westfalen-Lippe. Foto: Matthias Ahlke

Trotzdem hat die Homöopathie in der Weiterbildungsordnung der Ärztekammer einen festen Platz. In ihr wird zum Beispiel geregelt, dass sich Fachärzte in sechs Monaten, in einem 100-stündigen Fallseminar mit Supervision oder in einem 160-Stunden-Kurs die Zusatzbezeichnung „Homöopathie“ aneignen können. Genau das möchten die Kritiker rund um die münsterische Medizinethikerin Bettina Schöne-Seifert beenden. Darum wollen sie während des Ärztetags in Erfurt vom 8. bis 11. Mai die Weiter­bildungsordnung so ändern, dass die Zusatzbezeichnung nicht mehr vergeben wird.

„Münsteraner Kreis“ spricht von esoterischer Heils­lehre

Der Münsteraner Kreis hält die Homöopathie für wirkungslos und bezeichnet sie als „esoterische Heils­lehre“. Die Arzneien würden so stark verdünnt, dass der Wirkstoff oft überhaupt nicht mehr nachweisbar sei. Unwirksame Verfahren seien aber unethisch. Sonst könnte man Ärzten nach entsprechender Weiterbildung auch eine Zusatzbezeichnung „Gesundbeten“ zubilligen, zitiert die dpa die münsterischen Kritiker. Es gebe Hunderte Studien zur Homöopathie, sie alle hielten ernsthaften wissenschaftlichen Anforderungen an die statistische Beweisführung und Wiederholbarkeit aber nicht stand. Mit einer solchen Zusatz­bezeichnung für Ärzte werde das Patientenvertrauen untergraben. Denn der Titel gebe der homöopathischen Lehre den Anstrich wissenschaft­licher Seriosität.

Andreas Holling, Allgemeinmediziner, Mitglied der Vereinigung homöopathischer Ärztinnen und Ärzte

Andreas Holling gehört zur Vereinigung homöopathischer Ärztinnen und Ärzte in Münster und dem Münsterland. Er ist Arzt für Allgemeinmedizin mit der Zusatzbezeichnung „Homöopathie“. Er sagt: „Wir fühlen uns durch die Vorstöße existenziell bedroht und sehr ins Abseits gestellt.“ Laut Vereinigung führen in der Bundesrepublik zurzeit rund 7000 Ärzte die Zusatz­bezeichnung „Homöopathie“.

Homöopathie-Kritiker zu „wissenschaftsgläubig“

Die Kritik gegen die Homöopathie sei „altbekannt“, die Forderungen sehr radikal, die Haltung dahinter sehr „wissenschaftsgläubig“. Einen Dialog gebe es nicht, dafür eine Atmosphäre, in der sich homöopathische Ärzte entwertet fühlten. „Uns stört, dass wir mit Studien beweisen können, dass die Homöopathie wirkt, und sie von den Kritikern trotzdem stereotyp nicht anerkannt wird“, sagt Holling. In der Medizin gebe es schließlich auch Dinge, die funktionieren, und keiner wisse, warum.

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