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Ansturm auf Apotheken

Kostenlose Abgabe: Lange Schlangen für FFP2-Masken

Münsterland

Ein Apotheker, die nicht mit Namen genannt werden will, spricht von einer „Massenhysterie“. Anlass: Drei kostenlose FFP2-Masken. Kunden standen zum Teil schon um 7.30 Uhr in der Schlange. Ein Apotheker aus Ahlen spricht von Fünferreihen, in denen die Interessenten standen.

agh/ed/fs/jac/werd

Einige Kunden hatten am Dienstag Pech. Nicht alle Apotheken im Münsterland hatten für Risikopatienten die versprochenen FFP2-Masken parat. Das begründet Dr. Nina Grunsky, Sprecherin des Apotheker-Verbandes Westfalen-Lippe, damit, dass sie die Masken in wenigen Tage organisieren mussten. „Bundesweit müssen 80 Millionen Masken beschafft werden“, sagte sie auf Anfrage unserer Zeitung. Bundesweit haben rund 27 Millionen Menschen Anspruch auf jeweils drei Masken. Da sei es nicht möglich gewesen, gleich alle Kunden am ersten Tag zu versorgen.

Viele Apotheken würden noch auf ihre Lieferung warten. Sie bestätigt aber, dass nicht alle Kunden Masken bekommen haben: „Ich habe Rückmeldungen, dass einige Apotheken noch keine Masken haben.“ In einem Fall habe der Hersteller die Lieferung abgesagt. „Dass die ein oder andere Apotheke nicht entsprechend beliefert worden ist, kann ich mir schon vorstellen.“

Fälschungssichere Coupons

Noch am Montagabend hatte der Apothekerverband Westfalen-Lippe darauf hingewiesen, dass die Schutzmasken-Verordnung offiziell erst im Laufe des Dienstags in Kraft trat. Ab Januar sollen Risikopatienten weitere Masken bekommen. Dafür sollen sie zwei fälschungssichere Coupons für jeweils sechs Masken von ihrer Krankenkasse bekommen.

  • In Ahlen standen schon um 7.30 Uhr die ersten Kunden vor der Barbara-Apotheke. In einer Filiale standen sie nach den Worten von Apotheker Matthias Bußmann in Fünferreihen. Entsprechend schnell waren die ersten 5000 Masken vergeben.
  • In Dülmen ärgert sich Apotheker Dr. Wolfgang Graute über einige Kollegen. „Es gibt tatsächlich Apotheken, die heute, am ersten Ausgabetag, keine Masken zur Verfügung stellen können. Dafür habe ich überhaupt kein Verständnis.“ Das Wichtigste sei doch, „dass wir alle gemeinsam diese Pandemie überwinden.“
  • In Greven muss Manfred Albrecht „mehrere Dutzend“ Patienten enttäuschen. „Ich habe 10.000 Stück bestellt. Sie sollen im Laufe der Woche eintreffen.“ Alle Kunden kommen auf eine Liste und werden informiert – und bei Bedarf beliefert –, wenn die Lieferung ankommt. Seine Kollegin Ilse Mentrup bittet die Grevener, nicht von einer zur anderen Apotheke zu wandern, um sich mehrfach einzudecken. „Wir haben überhaupt keine Handhabe, das zu regeln“, bedauert sie. „Wir gehen von der Ehrlichkeit der Patienten aus.“ Und Apotheker Christoph Brautlecht erklärt, dass die Aktion noch zwei Wochen laufe. „Niemand müsse Angst haben, dass er keine Masken abbekommt.“
  • Nach den Worten von Elke Balkau, Apothekerin in Tecklenburg, „stemmen die Apotheken die Maskenausgabe zusätzlich zur täglichen Versorgung der Patienten mit Arzneimitteln. Im Durchschnitt kommen nun 1500 Patienten zusätzlich in eine Apotheke“.
  • Dr. Stephan Barrmeyer, Sprecher der Apotheker im Kreis Coesfeld, kritisiert: „Die Masken-Ausgabe ist absolut chaotisch angelaufen. Wir kommen kaum noch dazu, die Menschen mit Arzneimitteln zu versorgen.“
  • Faridoon Mataei-Vortmeyer in Warendorf ist noch am Montagabend nach Düsseldorf gefahren, um selbst eine Lieferung abzuholen.

Die Apotheken bekommen die Masken nicht vom Staat gestellt, sondern müssen sie selbst organisieren. Abgerechnet wird in diesem Dezember nicht jede einzelne Maske, sondern über eine individuelle Pauschale. Die Apotheken bekommen vom Staat also Geld – unabhängig davon, wie viele Masken sie ausgeben. Wie viel, hängt ab von den rezeptpflichtigen Arzneimitteln, die sie im dritten Quartal dieses Jahres abgegeben haben.

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