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Corona-Beschränkungen

Reitstall statt Kirche – kreative Weihnachts-Lösungen in Münster

Münsterland

Was schon beim ersten Corona-Weihnachten gelebte Praxis war, wird jetzt erneut gute Dienst leisten: Pfarrgemeinden setzen für ihre Weihnachtsgottesdienste auf große Raumlösungen, Abstand und Maske. Aber wie genau soll das gehen? Ein Beispiel aus Münster-Handorf.

Von Johannes Loy

Schon im ersten Corona-Jahr 2020 nutzte Foto: Helmut Etzkorn/Johannes Loy

Gerade noch hat Jürgen Streuer, Pfarrer der St.-Petronilla-Gemeinde an der östlichen Peripherie Münsters, mit der kleinen Gläubigenschar in der Dyckburg-Kirche die vierte Adventskerze angezündet. Nun blickt er auf die bevorstehenden Festtage. Streuer gibt die Richtung für das zweite Corona-Weihnachten vor: „Ich möchte einerseits alle zur Impfung motivieren, andererseits aber auch niemanden von Gottesdiensten ausschließen.“

Was schon beim ersten Corona-Weihnachten gelebte Praxis war, wird jetzt erneut gute Dienst leisten. Streuer und sein engagiertes Team setzen in der ursprünglich aus drei Gemeinden (Handorf, Gelmer, Dyckburg) bestehenden Pfarrei auf große Raumlösungen, Abstand und Maske. Das bedeutet, dass die Reithalle des Westfälischen Pferdezentrums an der Sudmühlenstraße sich wieder zum Schauplatz für Gottesdienste und Krippenfeier mit Sicherheitsabstand und frischer Luft über den Köpfen wandelt. Krippenfeier und Familienmette mit Krippenspiel am Nachmittag des Heiligen Abends sowie zwei abendliche Christmetten sind so möglich.

Pfarrer Jürgen Streuer Foto: Loy

Kostenlose Corona-Tests im Pfarrzentrum

Schon am Morgen des 24. Dezember werden für Gottesdienstbesucher wie für die rund 70 Mitgestalter sogar kostenlose Corona-Tests im Handorfer Pfarrzentrum angeboten. Wer den Heiligen Abend eher in Stille feiern möchte, findet in den drei Kirchen St. Petronilla in Handorf, St. Josef in Gelmer und St. Mariä-Himmelfahrt Dyckburg bei leise eingespielter Musik auch Raum zum Gebet bis um 23 Uhr. Zwischen Handorf und Dyckburg im Boniburger Wald befindet sich außerdem der beliebte Krippenweg.

Gottesdienste im Pferdezentrum

Auch am Ersten und Zweiten Weihnachtsfeiertag wird das Pferdezentrum als Ausweichquartier für Gottesdienstraum herhalten, parallel zu je drei Gottesdiensten in den drei Gemeindekirchen, die aber mit ihren teilweise gesperrten Bänken eben nur zwischen 30 und 50 Besucherinnen und Besucher zulassen. In der Reithalle ist hingegen Platz für maximal 350 bis 400 Gläubige, die nach Haushalten getrennt Platz nehmen. „Beim Betreten der Reithalle und der Kirchen zu allen Gottesdiensten ist eine medizinische Maske zu tragen. Halten Sie die notwendigen Abstände zwischen den verschiedenen Haushalten ein!“, heißt es auf der Netz-Seite der Pfarrei, die rund 6000 Mitglieder zählt. Davon nehmen normalerweise etwa zehn Prozent regelmäßig an den Sonntagsgottesdiensten teil. Für alle Gottesdienste ist eine Anmeldung bis zum 23. Dezember um 12 Uhr im Pfarrbüro nötig. Damit jeder auch seinen sicheren Platz findet.

„Wir versuchen, das Pfarrleben lebendig zu halten“

Jürgen Streuer hat, wie alle, die sich beruflich vor allem um Mitmenschen kümmern, ein anstrengendes Coronajahr hinter sich. „Die Distanz wird immer größer. Viele Menschen leiden darunter“, sagt der leitende Pfarrer. „Trotzdem versuchen wir, das Pfarrleben lebendig zu halten, gerade für die Jugendlichen und für alle, die Begegnung suchen. Das, was geht, wollen wir ermöglichen. Natürlich ist das mit viel Aufwand verbunden, und das ermüdet.“ Streuer bemerkt auch, dass die Menschen dünnhäutiger werden. „Wenn etwas schief läuft, kriegt man das deutlich zurückgemeldet“, sagt er. Dabei müssen die Seelsorger selber psychisch mit dieser Ausnahmesituation klarkommen. Vier Gemeindemitglieder hat Streuer 2021 durch Corona verloren, er hat sie bis in den Tod begleitet. Besonders tragisch: Auch der Organist der Gemeinde, Michael Austenfeld (43), wurde Mitte des Jahres trotz erster Impfung schwer krank und starb. An der Universitätsklinik, wo Streuer zugleich als Krankenseelsorger tätig ist, spürt er auf seiner Krankenstation die Belastung der Patienten, die aufgrund der Pandemie kaum Besuch empfangen dürfen und sich daher einsam und verlassen fühlen.

Zukunft Gottesdienst-Streaming?

Wie wird das alles weitergehen? „Ich wünsche mir, dass jene, die vor Corona regelmäßig an Gemeindeleben und Gottesdienst teilnahmen, auch wieder zurückkehren. Aber ich sehe das realistisch. Manche sagen, es gehe ja auch mit TV und Streaming.“ Auf der anderen Seite spürte Jürgen Streuer bei gut besuchen Open-Air-Gottesdiensten, „dass da bei vielen Menschen eine Sehnsucht nach Gemeinschaft vorhanden ist“.

So wie in St. Petronilla bemühen sich viele Helferinnen und Helfer im Münsterland, dass das Licht der Weihnacht die dunkle Nacht der Corona-Zeit überstrahlt.

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