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Kalle Höper und seine Original Grenzland-Musikanten dürfen endlich wieder auftreten

Blasmusik feiert eine Renaissance

Alstätte

Eigentlich stand die Blasmusik im Ernst-Mosch-Stil nicht immer ganz oben auf seiner Hitliste, gibt Karl-Heinz „Kalle“ Höper zu. Bis zu jenem Wochenende vor zwei Jahren, als ihn sein Kumpel Manfred Wermer ins österreichische Orth lockte, zum „Woodstock der Blasmusik“.

Von Bernd Schäfer

Kalle Höper ist froh, endlich wieder mit seinen Original Grenzland-Musikanten auftreten zu dürfen. Foto: privat

„Ich stehe ja jeder Stilrichtung offen“, sagt Höper, den weniger die Musikrichtung, als die Aussicht auf vier Tage Konzerte am Stück sorgten. Die Sorge stellte sich als unberechtigt heraus. „Ich war einfach nur begeistert.“ 30 000 Besucher vor der Open-Air-Bühne, darunter auch jede Menge junger Leute. „Wir haben uns umgeguckt und ich hab gesagt: ‚Manni, wir sind fast die ältesten hier‘“, lacht der 58-Jährige Berufsmusiker.

Von da an war auch er Fan der Musik, die vor allem durch Ernst Mosch und seine Original Egerländer Musikanten berühmt wurde. Der Komponist und Dirigent brachte ab den 1960er Jahren seinen ganz eigenen Stil in Polkas und Märsche – und machte ihn mit seinem Orchester berühmt: 1966 erhielt er in der New Yorker Carnegie Hall Standing Ovations und verkaufte über 40 Millionen Schallplatten.

Blasmusikalisches Woodstock-Erlebnis

Die Blasmusik erlebt gerade eine Renaissance, ist Kalle Höper überzeugt. Das würden die vielen Jugendlichen und jungen Erwachsenen zeigen, die sich in den Musikvereinen sammeln.

Das blasmusikalische Woodstock-Erlebnis ließ dem Orchesterleiter aus Alstätte keine Ruhe, gemeinsam mit Schlagzeuger Manni Wermer machte er sich daran, Musiker für eine Combo im Egerländer-Stil zu suchen. „Ich hab gute Freunde gefragt, ob sie Lust hätten, da mitzuspielen, die fragten wieder ihre Freunde und so hatten wir schnell um die 20 Musiker zusammen“, war Höper selbst ein bisschen von dem großen Interesse überrascht.

Einige von ihnen hatten bereits Erfahrungen mit der böhmischen Blasmusik gesammelt, bei den Original Grenzland-Musikanten, die Willi Hackfort in den 1970er Jahren gegründet hatte, um die es zuletzt allerdings still war. Hackfort freute sich, dass sein Orchester, das damals sogar auf eine Tournee durch Belgien ging, wieder reaktiviert wurde und übergab seinen Dirigentenstab an Kalle Höper.

Tipps von den Originalen

Nach einem ersten Konzert bei Elkemann in Graes kam die große Ernüchterung: Corona schlug zu und brachte das komplette Proben- und Konzertleben zum Stillstand. Nach einem ersten Schock und der Hektik, wie ohne Einnahmen die Rechnungen bezahlt werden sollen, kam der Profimusiker, der unter anderem auch Dozent an der Musikschule Bocholt ist, zur Ruhe. Und nutzte sie. „Ich habe viel geübt und an Arrangements gearbeitet.“ Außerdem aktivierte er Kontakte zu Bekannten, die bei den mittlerweile vom „Blasmusik-Papst“ Ernst Hutter geleiteten Egerländer Musikanten spielen und ihm Tipps gaben, wie deren ganz eigener Sound kreiert wird.

Seit einiger Zeit dürfen die Musiker aus Alstätte, Epe, Gronau, Nienborg und anderen Orten der näheren und weiteren Umgebung wieder gemeinsam an diesem Sound proben. „Das sind alles Amateure – aber richtig gute auf einem richtig guten Niveau.“ Das brauche es auch, obwohl die meist eingängigen Melodien der Stücke oft gar nicht gar nicht danach klängen. „Die Musik ist für Zuhörer einfach, aber schwer zu spielen.“

Dennoch gehöre sie nicht in einen klassischen Konzertsaal, meint der Orchesterleiter. „Sie gehört in einen Saal mit Biertischen und Geselligkeit.“

Konzert in Graes

Die gibt es am 6. und 7. November im Saal Elkemann in Graes, wenn die Original Grenzland-Musikanten zum ersten Mal nach der Zwangspause wieder auftreten und ihr abwechslungsreiches Programm präsentieren können, das von Polkas von Ernst Mosch bis zu modernen Stücken junger Komponisten reicht.

Bis dahin leitet Höper die Proben mit eiserner Hand, wie er selbst zugibt: „Wenn ich merke, dass einer nicht genug übt, werde ich sauer. Demokratie gibt‘s in einem Orchester nicht.“

Karten für die beiden Konzerte in Graes gibt es im Vorverkauf bei Ahaus Marketing und Tourismus.

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