Insolvenzverfahren droht

Bürgschaftsfonds ist für manche die letzte Rettung

Ahaus/Schöppingen...

Mit der Pandemie drohen auch Menschen in Verschuldung zu geraten, die es vorher niemals für möglich gehalten hätten. Unterstützung auf dem Weg aus der finanziellen Misere bietet der gemeinnützige Bürgschaftsfonds in den Dekanaten Ahaus und Vreden. Der Fonds unterstützt Schuldner im Kreis Borken (mit Ausnahme der Stadt Bocholt) bei Verhandlungen im Rahmen eines außergerichtlichen Vergleichs.

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Den Vorstand des Bürgschaftsfonds in den Dekanaten Ahaus und Vreden bilden (v.l.) Andreas Dawo, Gerd Hilbing und Alfons Beckmann (Vorsitzender). Foto: Caritasverband

Den Bürgschaftsfonds gibt es seit 1988. Bis Juni 2017 war Rechtspfleger Wilhelm Kappelhoff (Schöppingen) Vorsitzender. Seitdem gehören Alfons Beckmann (Vorsitzender), Andreas Dawo und Gerd Hilbing (stellvertretender Vorsitzender) zum ehrenamtlichen, dreiköpfigen Vorstand. Andreas Dawo ist unmittelbar für die Verbindung des Bürgschaftsfonds zur Schuldnerberatungsstelle des Caritasverbandes Ahaus-Vreden zuständig: Er ist Leiter der Beratungsstelle.

Gegründet wurde der Fonds, weil die Schuldnerberatung bis in die 1980er-Jahre hinein zwar vieles regeln konnte, allerdings oftmals eine außergerichtliche Verständigung zwischen Schuldner und Gläubigern nicht gelang, „weil der letzte Tausender fehlte“, erläutert Alfons Beckmann.

Die heutige Volksbank Gronau-Ahaus, die VR Bank Westmünsterland und die Sparkasse Westmünsterland erklärten sich bereit, den Fonds zu unterstützten und Geld leihweise als Darlehen oder in Form einer Bürgschaft zur Verfügung zu stellen. Der Bürgschaftsfonds verfügt nach einer Aufstockung vor einigen Jahren heute über finanzielle Mittel in Höhe von gut 90 000 Euro. Darunter sind 10 000 Euro, die ein privater Spender zur Verfügung gestellt hat.

An Darlehen werden Summen ab etwa 500 Euro vergeben. Die Höchstgrenze liegt bei 10 000 Euro. „Eine solche Summe wird aber nur im Ausnahmefall bewilligt“, berichtet Andreas Dawo. Sehr häufig werden Gelder an Alleinerziehende vergeben, denen damit ein Insolvenzverfahren erspart bleibt. „Manchmal sind es auch ehemalige Selbstständige, die beruflich Schiffbruch erlitten haben.“

Doch egal, wer aus der Not heraus den Bürgschaftsfonds in Anspruch nehmen möchte: Alle eint, dass sie zwar Gelder zusammentragen können, aber nicht so viel, um einen Vergleich mit den Gläubigern hinzubekommen.

Soweit die Vergleiche nicht alleine mit Einmalzahlungen aus dem persönlichen Umfeld des Schuldners finanziert werden können, kann der Bürgschaftsfonds mit einem rückzahlbaren Darlehen oder mit einer Bürgschaft die Vergleichssumme durch Beschluss des Bewilligungsausschusses aufstocken. „Diese Gelder stehen den Gläubigern im gerichtlichen Insolvenzverfahren nicht zur Verfügung, sodass die Zustimmungsquote der Gläubiger recht hoch ist“, erklärt Andreas Dawo und nennt ein Beispiel: „Wenn jemand 50 000 Euro Schulden hat, kann es uns gelingen, dass die Gläubiger auf 43 000 Euro verzichten. Der Schuldner kann 5000 Euro generieren, der Bürgschaftsfonds steuert die fehlenden 2000 Euro bei, um auf 7000 Euro zu kommen. Der Schuldner zahlt die 2000 Euro in Raten zurück.“ Die Alternative wäre ein normales Insolvenzverfahren.

„Dabei können Kosten von mehreren Tausend Euro anfallen und es ist vielfach so, dass für die Gläubiger ein Betrag bleibt, der geringer ist als die 7000 Euro, die der Schuldner und wir geben.“ Dawo berichtet, dass die Gläubiger Interesse hätten, über solche Vergleiche mit der Schuldnerberatungsstelle zu verhandeln. Auch von Banken erhält er Anrufe mit der Bitte um Prüfung, ob ein Fall nicht etwas für den Bürgschaftsfonds wäre.

An wen die Gelder aus dem Fonds fließen, das entscheidet der Bewilligungsausschuss. Das sechsköpfige Gremium trifft sich jährlich zu zwei bis drei Sitzungen. In den beiden vergangenen Sitzungen legte Andreas Dawo als Leiter der Caritas-Schuldnerberatungsstelle 20 Neufälle mit einer Gesamtverschuldung von 714 000 Euro für eine außergerichtliche Schuldensanierung vor. In 19 Fällen entschied der Bürgschaftsfonds in der jüngsten Sitzung positiv.

Die Vorstandsmitglieder wissen, dass Gläubiger mit ihrem Forderungsverzicht Geld verlieren. „Daher können sie zu Recht darauf vertrauen, dass die Mitarbeiter der Caritas-Schuldnerberatungsstelle die weitere Betreuung der Schuldner sicherstellen“, erklärt Alfons Beckmann.

Kontakt: Schuldnerberatungsstelle Ahaus, Wüllener Straße 80,

02561 429120, E-Mail: schuldnerberatung@caritas-ahaus-vreden.de

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