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Schulen in Ahaus sollen Hygieneartikel für die Menstruation verteilen

Immer noch ein Tabuthema

Ahaus

Wenn bei einer Frau oder einem Mädchen die Menstruation einsetzt und die Betroffene hat gerade keine Binde oder einen Tampon zur Hand, ist Improvisation gefordert. Denn anders als Toilettenpapier sind Hygieneartikel für die Menstruation auf öffentlichen Toiletten bislang nicht vorhanden. Das soll sich in Ahaus ändern, zumindest auf Schultoiletten.

Von Stephan Rape

Tampons oder Binden sollen in Zukunft – zumindest in den weiterführenden Schulen in Ahaus – auf den Toiletten ausgelegt werden. Ein entsprechender Pilotversuch soll demnächst starten. Foto: dpa

Toilettenpapier ist auf den Toiletten in den öffentlichen Gebäuden selbstverständlich vorhanden. Hygieneartikel für die Menstruation, also Binden oder Tampons, nicht. Das soll sich ändern. Möglichst schnell. „Binden oder Tampons sind genau wie Toilettenpapier notwendige Hygieneartikel“, erklärte Marion Löhring (Grüne) am Dienstagabend im Ausschuss für internationale Beziehungen, Gleichstellung und Integration.

Marion Löhring, Grüne

Ihre Fraktion hatte das Thema auf die Tagesordnung gebracht. Die Stadt solle in öffentlichen Gebäuden dafür sorgen, dass die Hygieneartikel in den Toiletten ausliegen. „Ich möchte einfach, dass die Periode keine Einschränkung im Alltag mehr bedeutet“, erklärte Marion Löhring.

Bürgermeisterin Karola Voß sah den Vorschlag zunächst kritisch. „Natürlich ist das ein wichtiges Thema, aber mir ist eine hohe Eigenverantwortung der Menschen wichtig“, sagte sie. Ihre persönliche Meinung sei, dass es besser sei, die Menschen zur Selbstständigkeit zu führen. Daher würde sie diese Artikel nicht grundsätzlich zur Verfügung stellen wollen. „Das bekommen Mädchen und Frauen auch so gut hin“, sagte sie.

Was tun bei Zweckentfremdung?

Auch Thomas Vortkamp (CDU) mochte sich mit der Idee erst einmal nicht anfreunden. Seine Erfahrungen würden zeigen, dass es sich bei dem Thema Menstruation heute längst um kein Tabuthema mehr handele. Es sei längst aus dem Dunkel herausgeholt.

Davon unabhängig blieben für ihn allerdings viele Fragen rund um die Idee offen. „Wie machen es andere? Welche öffentlichen Gebäude sind überhaupt gemeint? Wie steht es um Mitnahmeeffekte oder die Zweckentfremdung der Artikel“, fragte er in den Raum.

Hanne Lange (UWG), Realschullehrerin in Ahaus, widersprach da vehement: „Die Gesellschaft ist in dieser Hinsicht nicht freizügiger geworden“, sagte sie. Das erlebe sie als Lehrerin in Ahaus hautnah mit. Ausdrücklich befürwortete sie, in den Toiletten der Schulen Tampons oder Binden auszulegen.

Wie das im Detail gelöst werden solle, könne man immer noch sehen. „Da würden sich sicherlich auch einige Lehrerinnen oder Lehrer finden, die sich darum kümmern würden. Ich wäre dazu jedenfalls bereit“, sagte sie. Auch könne bei Kindern in der fünften bis achten Klasse kaum Eigenverantwortung so weit vorausgesetzt werden.

Pilotprojekt an Schulen

Die städtische Gleichstellungsbeauftragte Sybille Großmann stärkte ihr den Rücken: „Ich bin seit 25 Jahren Gleichstellungsbeauftragte und kann sagen, dass es sich bei der Menstruation immer noch um ein Tabuthema handelt“, machte sie deutlich.

Sie befürwortete die Verteilung ausdrücklich. Finanziell sei das kaum ein Thema, wie sie mit Blick auf andere Städte erklärte. Marion Löhring präzisierte: ihre Priorität liege auf den Schulen. Man könne das Ganze ja auch erst einmal als Pilotprojekt vielleicht für zwei Jahre einführen.

Gerade für junge Mädchen sei die einsetzende Periode immer noch oft ein Tabuthema. Durch die Bereitstellung der Hygieneartikel – zumindest in den Schulen – lasse sich die Situation entscheidend verbessern. Davon ließ sich auch Klaus Lambers (SPD) überzeugen. Auch wenn noch Detailfragen offen seien, stehe er einem Pilotprojekt positiv gegenüber.

Auch Thomas Vortkamp stellte schließlich klar, dass Fragenstellen ja keine Ablehnung sei. „Wir sind uns viel einiger, als Sie glauben“, erklärte er in Richtung der anderen Fraktionen. Aber es gebe eben einfach noch Details, die noch geklärt werden müssen.

Schließlich ein einstimmiger Beschluss: Die Verwaltung soll nun Kontakt mit den Schulen und dem Jugendwerk aufnehmen, um die offenen Detailfragen zu klären. Sobald die geklärt sind, soll die Pilotphase starten.

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