Neuer Roman von Herbert Beckmann

Klare Sache ist nicht klar

Alstätte

Die Sache scheint klar wie Kloßbrühe: Jonas Zöller hat seine Freundin Franzi im Badezimmer ihrer gemeinsamen Wohnung erschlagen. Wer sonst soll es gewesen sein? Er war allein mit ihr Zuhause. Ihr blutgetränkter Bademantel liegt auf dem Bett. Das ist die Ausgangslage im neuen Buch des gebürtigen Alstätters Herbert Beckmann, „Nacht vor meinen Augen“.

Martin Borck

Herbert Beckmann Foto: S. Mechnich

Jonas‘ Behauptung, er habe tief und fest geschlafen, halten die ermittelnden Kommissare für unglaubhaft. Und, wenn er ehrlich ist: Jonas ist sich selbst bald nicht sicher. Durch ein traumatisches Ereignis bedingt, hat er immer wieder Aussetzer, seine „Schwindel“. Und Zeugen sagen aus, er habe sich beim Fest am Abend der Mordnacht einen heftigen Streit mit ihr geliefert. Jonas aber kann sich partout nicht erinnern, was er auf seinen Alkoholkonsum zurückführt. Er trinkt normalerweise nicht, weil er Alkohol nicht verträgt.

Jonas selbst hat drei Männer in Verdacht, die Tat begangen zu haben. Als sich abzeichnet, dass er in U-Haft muss, beschließt er, unterzutauchen und selbst gegen die drei zu ermitteln. Dabei trifft er eine Entscheidung, die fatal werden soll . . .

Herbert Beckmanns Kriminalroman entwickelt sich schließlich zu einem Psycho-Thriller. Den Leser zieht er geschickt auf Zöllers Seite, indem er ihn als Ich-Erzähler auftreten lässt und der Personnage damit eine hohe Glaubwürdigkeit verleiht. Er wird sich doch wohl nicht selbst belügen, oder etwa doch?

Der Roman spielt im Berlin der Jetztzeit. Er bietet einen Blick in das Leben eines typischen Großstadt-Pärchens. Dazu bedient er sich gezwungenermaßen einiger Rückblenden. Denn gleich nach dem Prolog ist die eine Hälfte des Pärchens tot. Und die Person, die für diesen Mord verantwortlich ist, macht keine halben Sachen . . .

Spannung also bis zum Schluss, wenn sich das „Psycho“ von Psychothriller auf irre Weise Bahn bricht . . .

Martin Borck

Zum Thema

Herbert Beckmann: Nacht vor meinen Augen, Gmeiner-Verlag, 227 Seiten, zwölf Euro

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