Handwerkern geht das Baumaterial aus

Preise ändern sich fast täglich

Alstätte

Thomas Terhaar baut mit seinen Eltern in Alstätte ein Haus. Genau genommen würde er gerne bauen. Denn die Baustelle ruht zum großen Teil seit einigen Wochen. „Wir haben im Juni 2020 angefangen“, sagt er. Aktuell hänge der Bau in der Nöttenkampstraße gut viereinhalb bis fünf Monate hinter dem Zeitplan.

Von Stephan Rape

Thomas Terhaar vor seinem Neubau in Alstätte. Fast fünf Monate Verzögerung hat die Baustelle mittlerweile, weil benötigte Baustoffe nicht geliefert werden können. Foto: Stephan Rape

Das Problem: Es mangelt an Baustoffen.

Malermeister Helmut Witte deutet auf die Fassade: Das Wärmedämmverbundsystem ist momentan nicht lieferbar. Material, das normalerweise binnen weniger Tage nach Bestellung an der Baustelle eintrifft, lässt aktuell seit Wochen auf sich warten. „Vier, sechs oder acht Wochen Lieferzeit sind im Moment keine Seltenheit“, erklärt Helmut Witte. Das gleiche gelte für Fensterbänke.

Kein Einzelfall. Beim Pressegespräch der Kreishandwerkerschaft Borken berichten alle Vertreter der Innungen für Metall, Tischler, Sanitär-, Heizungs- und Klimatechnik, Maler sowie Elektrotechnik von ähnlichen Zuständen: Rohstoffe sind nicht oder nur in sehr geringen Mengen lieferbar. Und die Liste der knappen Güter ist lang: Holz, Dämmmaterial, Fassadenfarbe, Lacke, Styropor, elektronische Fühler und Steuergeräte, Kunststoffrohre und Leitungen. Das, was noch geliefert werden kann, wird aktuell extrem teuer.

400 Prozent Preissteigerung

Preise, die die Handwerksbetriebe an ihre Kunden weitergeben müssen. „Beim Alublech haben sich die Tagespreise verdoppelt“, sagt Thoms Lansing, Obermeister der Metall-Innung Ahaus. Ralf Sparwel, Obermeister der Innung für Sanitär-, Heizungs- und Klimatechnik Ahaus, berichtet von Preissteigerungen von 10, 20 oder gar 30 Prozent.

In anderen Bereichen ist sogar von 400 Prozent Preissteigerung die Rede. „So etwas habe ich in den vergangenen 30 Jahren nicht erlebt“, erklärt er. Die Gründe sind vielschichtig. Ein großer Teil geht aufs Konto der Pandemie: Einerseits hat die Industrie in den vergangenen Monaten die Produktion heruntergefahren.

Gleichzeitig boomen Baubranche und auch Heimwerker investieren mehr Geld als üblich in ihr Wohnumfeld: „Statt in den Urlaub zu fahren“, sagt Ralf Sparwel.

Beim Holz werde viel ins Ausland – etwa die USA oder Asien – exportiert. Dazu komme die Spekulation: Manche Lieferanten würden versuchen, die aktuelle Situation auszunutzen.

Betriebe ziehen die Notbremse

Einige Betriebe haben im Moment die Notbremse gezogen. So wie Michael Nienhaus von der Bauunternehmung Hilbring und Nienhaus: „Ich mache im Moment keine neuen Kalkulationen“, sagt er. An Aufträgen habe er noch ein paar Monate Vorlauf, könne also weiter arbeiten. Neue Aufträge nehme er gerade nicht an. „Weil ich sie einfach nicht verlässlich kalkulieren kann“, sagt er. Beinahe täglich würden sich die Preise ändern.

Thomas Terhaar bestätigt das: Vor einigen Wochen hat er einen Holzbalken für die Terrassenüberdachung bestellt. „Der Händler hat mir gesagt, dass der innerhalb von zwei Wochen doppelt so teuer wurde“, sagt er. Bisher ist die Verzögerung für ihn und seine Familie weder finanziell noch zeitlich ein Problem. Trotzdem soll es ja endlich weitergehen.

Finanzierung funktioniert nicht mehr

„Ich kenne zwei Bauherren, die hier ihr Haus bauen wollten, das Grundstück aber zurückgegeben haben, weil die Finanzierung durch die gestiegenen Baustoffpreise nicht mehr funktionierte“, weiß Helmut Witte, dass nicht jeder die Sache so entspannt sehen kann wie Thomas Terhaar.

Aber auch die Handwerker könnten eben nicht für „plus-minus-null“ arbeiten oder sogar draufzahlen. „Das funktioniert bei ein oder zwei Kunden, aber nicht dauerhaft“, macht Helmut Witte deutlich.

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