Stefan Jürgens hat Segnungsaktion für gleichgeschlechtliche Paare mitinitialisiert

Raus aus dem Hinterzimmer

Ahaus

Dass er seinen Bischof in Münster damit nicht sonderlich glücklich macht, weiß Stefan Jürgens. War Dr. Felix Genn doch erst 2017 noch persönlich eingeschritten, als der Pfarrer einer Gemeinde in Wesel ein homosexuelles Paar segnen wollte.

Von Bernd Schäfer

In vielen deutschen Pfarreien lehnen sich Geistliche und Gläubige gegen das Segnungsverbot aus dem Vatikan auf. Foto: Jonas Wiening

Genau das wollen Jürgens und die Geistlichen von deutschlandweit 70 weiteren Gemeinden am kommenden Montag aber tun: Unter anderem in der Ahauser St.- Marien-Kirche und der Ottensteiner St.-Georg-Kirche beginnen um 20.15 Uhr Gottesdienste „für Liebende“ in der gleichgeschlechtliche – und natürlich auch heterosexuelle – Paare einen kirchlichen Segen erhalten.

Ganz öffentlich als Teil der Aktion „#liebegewinnt“, in der sich Pfarrer gegen das aus Rom verkündete Verbot ebendieser Feiern auflehnen. „Im Hinterzimmer machen wir gar nichts mehr“, sagt der Pfarrer der Ahauser, Ottensteiner und Alstätter Gemeinden.

Furcht vor Sanktionen

Zuletzt wurden die Segnungen gleichgeschlechtlicher Paare von einigen Geistlichen zwar ausgeübt, aber immer unter dem Mantel der Verschwiegenheit und der Furcht vor Sanktionen.

Damit soll jetzt Schluss sein. Zwar noch nicht mit dem ausdrücklichen Segen des Bischofs von Münster, aber immerhin ohne Angst vor Strafe haben zu müssen. „Gut findet er es wohl nicht, aber er hat gesagt, dass er es nicht ahnden wird“, hat Jürgens aus der Bistumsleitung erfahren. Tatsächlich ist der Druck aus der katholischen Basis wohl so groß geworden, dass ein Mauern der Kirchenoberen nicht länger möglich ist. „Selbst konservative Bischöfe sagen, dass es so nicht weiter gehen kann.“ Die Mehrheit der Bischöfe unterstütze dieses Anliegen sogar, „denn Gottes Segen gilt allen Menschen, ganz gleich, wie sie empfinden“.

Einen Widerspruch zum Dogma der päpstlichen Unfehlbarkeit, die die offene Auflehnung gegen die Anordnung aus Rom ja eigentlich bedeutet, sieht der Ahauser Pfarrer nicht. „Der Papst hat da schon zurückgerudert.“

Kirche kann sich nicht sperren

Irgendein Mitarbeiter des Vatikans habe das Schreiben, das eine Segnung gleichgeschlechtlicher Paare verbietet, verfasst und herausgegeben. „Und der Papst ist da selbst sehr unglücklich mit. Man stellt sich also nicht gegen ihn“, ist Jürgens überzeugt.

Die Ablehnung der Homosexualität entspreche einem Menschenbild aus grauer Vorzeit, das unter heutigen humanwissenschaftlichen Erkenntnissen nicht gehalten werden kann. „Wo Liebe und Treue sind, kann sich die Kirche nicht sperren.“

Auch in seinen Gemeinden erfahre er viel Unterstützung für die von ihm mitinitiierte Aktion „#liebegewinnt“. Gemeinsam mit einigen Ehrenamtlichen sowie Pastoralreferentin Vera Naber, Pastoralreferent Benedikt Rake und Pastor Gregor Rolfes hat Jürgens die Gottesdienste am kommenden Montagabend vorbereitet, in denen Menschen für ihre Liebe danken, über ihr Leben nachdenken und auch einen persönlichen Segen als Paar erhalten können.

Der Schritt auf homosexuelle Paare zu soll in Ahaus keine Einzelaktion bleiben: Wer in einer auf Dauer angelegten Paarbeziehung lebt und eine persönliche Segensfeier wünscht, kann sich an eine Seelsorgerin oder einen Seelsorger seines oder ihres Vertrauens wenden.