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Tante Gertrud bei den Landfrauen

Wenn sie welkt und er verduftet

Alstätte

Die Landfrauen hatten am Dienstag zu einem Frühstück mit anschließendem Unterhaltungsprogramm in die Festscheune der Haarmühle eingeladen. Mehr als 70 Frauen folgten der Einladung. Sie alle waren gespannt auf den Auftritt von Tante Gertrud.

Monika Haget

Tante Gertrud begeisterte die Landfrauen mit reichlich Situationskomik. Foto: Monika Haget

Die Landfrauen hatten am Dienstag zu einem Frühstück mit anschließendem Unterhaltungsprogramm in die Festscheune der Haarmühle eingeladen. Mehr als 70 Frauen folgten der Einladung.

Sie alle waren gespannt auf den Auftritt von Tante Gertrud. Wie sich herausstellte, hatte keine von ihnen zuvor eine Vorstellung der Situationskünstlerin erlebt. Mit ihrem Temperament und ihrer Komik begeisterte diese jedoch sogleich ihr Publikum, das sich immer wieder zu Beifallsstürmen hinreißen ließ.

Zu Beginn erzählte Tante Gertrud, dass sie aus Limburg an der Lahn stamme, „der Stadt mit dem Bischof“. Der habe sich eine Doppelbadewanne in seinen Prunkbau einbauen lassen. „Die wollte er eigentlich mit mir einweihen, doch dann musste er leider weggehen.“ Auch sie habe Limburg verlassen müssen, weil die Stadt an der Aktion „Unsere Stadt soll schöner werden“ teilnehmen wolle, habe ihr der Bürgermeister erklärt. Da sei sie ins Münsterland gezogen. „Hier weiß man meine Schönheit zu schätzen.“

Von ihrem Mann Theo habe sie sich getrennt, erzählte Gertrud. Sie habe alles versucht, um ihn zu halten, wollte ihn sogar noch einmal so richtig verführen. Deshalb habe sie sich in einem Fachgeschäft nach Reizwäsche erkundigt. „Dort hat man mir lange Polyesterunterhosen empfohlen, da würde mir ganz heiß“, sagte sie und lüpfte dabei ihren Rock, gepaart mit einer umwerfenden Mimik, so dass die Gäste schier aus dem Häuschen waren vor Lachen. Dann erklärte sie den staunenden Anwesenden den Begriff „Blumenhochzeit“: „Die Braut ist verwelkt und der Bräutigam verduftet.“

Nach über einer Stunde voller Komik und Wortwitz verwandelte sich Tante Gertrud plötzlich in Andrea, wie die Künstlerin im wahren Leben heißt. Sie stamme aus einer Zirkusfamilie, ihr Vater habe lange im Zirkus Sarrasani gearbeitet, sagte sie. Sie habe noch acht Geschwister und sei in einem Zirkuswagen geboren worden. Bis auf einen – „das schwarze Schaf der Familie ist Arzt geworden“ – hätten alle eine künstlerische Laufbahn eingeschlagen.

Dann ließ „Andrea“ die Gäste an ihrem persönlichen Schicksal teilhaben. Nach dem Tod ihres Mannes habe die Show weitergehen müssen. Dabei habe sie sich an dem Lied von Katja Ebstein „Theater, Theater“ orientiert, indem es heißt: „Sie sind König, Bettler, Clown im Rampenlicht, doch wie`s tief in ihnen aussieht, sieht man nicht.“ Nachdem sie das Lied vorgetragen hatte, meinte die Künstlerin: „So kann ich sie jetzt nicht gehen lassen, mit dieser nachdenklichen Stimmung.“ Flugs zog sie sich eine blonde Perücke über und gab „Atemlos“ zum Besten, dabei forderte sie die Landfrauen zum Mitsingen auf, was diese sich nicht zweimal sagen ließen. Mit großem Applaus wurden Andrea und Tante Gertrud gleichzeitig verabschiedet.

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