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Durchsuchungen und Festnahmen

Razzia wegen gefälschter Kfz-Bescheinigungen: 150 Fälle

Gronau/Rosendahl/Ahaus

Für Besitzer alter Autos ist die nächste Hauptuntersuchung oft ein heikler Moment. Ein Fälscherring machte sich das wohl zunutze und bot gegen Geld positive Prüfbescheinigungen. Nach einer großen Razzia droht jetzt auch Hunderten Kunden juristischer Ärger.

Ein Mitarbeiter vom TÜV Nord klebt im Rahmen einer Hauptuntersuchung eine TÜV-Plakette auf ein Nummernschild. Eine Gruppe von Männern soll Hauptuntersuchungsdokumente im großen Stil gefälscht und verkauft haben, sodass auch verkehrsunsichere Fahrzeuge weiter am Straßenverkehr teilnehmen konnten.  Foto: picture alliance/dpa | Julian Stratenschulte

Im Rahmen eines länderübergreifenden Großeinsatzes der Polizei gegen einen Fälscherring gab es am Dienstag auch im Münsterland Durchsuchungen – und eine Festnahme. Das geht aus einer gemeinsamen Mitteilung der Polizei Borken und der Staatsanwaltschaft Münster hervor.

Demnach gingen dem Großeinsatz in mehreren Bundesländern und in den Niederlanden Ermittlungen voraus, die die Direktion Verkehr der Kreispolizeibehörde Borken führte. Die Ermittlungen richteten sich laut Mitteilung gegen ein überregional agierendes Netzwerk, welches im Verdacht steht, seit mehreren Jahren banden- und gewerbsmäßig gefälschte Urkunden in Sachen Kraftfahrzeug-Hauptuntersuchung herzustellen und zu vertreiben.

Die Tatverdächtigen sollen nach bisherigen Kenntnissen der Polizei dazu gefälschte Stempel der Prüforganisationen KÜS und Dekra eingesetzt haben, um gegen Bezahlung gefälschte Prüfberichte zu erstellen. Die entsprechenden Plaketten lieferten die Tatverdächtigen entweder mit oder die Fahrzeughalter erhielten diese nach Vorlage der gefälschten Prüfberichte durch die Behörden.

Polizei ermittelt in rund 150 Fällen

Konkret wird nach Angaben der Polizei in rund 150 Fällen ab dem Jahr 2020 ermittelt. Auf Antrag der Staatsanwaltschaft Münster ordnete das zuständige Gericht Durchsuchungen der Wohn- und Geschäftsgebäude der sieben Beschuldigten an. Gegen die beiden Hauptbeschuldigten, einen 36 Jahre alten Mann aus Essen und einen 45 Jahre alten Mann aus Rosendahl, erließ das Amtsgericht Münster auf Antrag der Staatsanwaltschaft zudem Untersuchungshaftbefehle.

Mit einem Großaufgebot, insgesamt waren mehr als 200 Einsatzkräfte der Polizei beteiligt, wurden die Durchsuchungsbeschlüsse am Dienstagmorgen umgesetzt und die Haftbefehle vollstreckt. Die beiden Festgenommenen sollen einem Haftrichter vorgeführt werden, der dann über die Anordnung der Untersuchungshaft entscheiden wird.

Durchsuchungen auch im Münsterland

Bei den Durchsuchungen wurden umfangreiche Beweismittel gefunden und sichergestellt, teilte die Polizei nach dem Einsatz mit.

Die Polizei durchsuchte bei der Aktion nach eigenen Angaben insgesamt 17 Objekte, neun davon in Essen. Zwei Durchsuchungen fanden in Gronau und jeweils eine in Ahaus-Ottenstein, Berlin, Mülheim a.d.R, Rodgau, Rosendahl und Overdinkel (NL) statt.

Die Durchsuchungsbeschlüsse richteten sich neben den beiden Hauptverdächtigen gegen zwei Männer aus Essen im Alter von 29 und 31 Jahren, zwei Männer aus Gronau im Alter von 31 und 39 Jahren und einen 34-Jährigen aus Ahaus.

Auch gegen „Endkunden“ wird ermittelt

Der Hauptbeschuldigte aus Essen steht der Polizei zufolge im Verdacht, die Fälschungen durchgeführt zu haben. Die übrigen Beschuldigten stehen im Verdacht, im unterschiedlichen Ausmaß als Vermittler zwischen „Endkunden“ und dem Fälscher tätig gewesen zu sein. Die Ermittlungen, auch gegen die zahlreichen „Endkunden“, dauern an.

„Intensive Ermittlungen haben den Verdacht bestätigt, dass durch kriminelles Handeln Hauptuntersuchungsdokumente im großen Stil gefälscht wurden und somit verkehrsunsichere Fahrzeuge weiter am Straßenverkehr teilnehmen konnten. Dem haben wir mit der heutigen länderübergreifenden Aktion einen Riegel vorgeschoben“, so Polizeioberrat Frank Schulz, der als Leiter der Borkener Direktion Verkehr den Gesamteinsatz führte.

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