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Großvater bis zur Ohnmacht gewürgt

24-Jähriger kommt in geschlossene Psychiatrie

Münster/Gronau

Ein 24-jähriger Gronauer soll seinen Großvater bis zur Bewusstlosigkeit gewürgt haben. Das Landgericht entschied am Mittwoch im Sicherungsverfahren, dass er in einer geschlossenen Psychiatrie untergebracht werden soll. Der ursprüngliche Vorwurf der Staatsanwaltschaft lautete „versuchter Mord“.

Klaus Möllers

Das Landgericht in Münster Foto:

Er war getrieben vom Gedanken, dass ihn eine Gruppe Menschen verfolge. Sie würden ihn abhören und beobachten, am Ende womöglich entführen und umbringen. Auch Leute aus seinem engsten Umfeld würden zu diesem „Clan“ gehören. Zuweilen mochte sich der Mann nicht einmal mehr in der eigenen Wohnung umziehen.

Aus seiner Angst heraus hat ein 24 Jahre alter Gronauer Straftaten begangen und unter anderem seinen Großvater schwer gewürgt. Das Landgericht traf am Mittwoch in dem Sicherungsverfahren um ihn die Entscheidung.

Er soll in der geschlossenen Psychiatrie untergebracht werden, um sich wegen seiner schizophrenen Psychose weiter behandeln zu lassen.

Der Mann war zur Tatzeit schuldunfähig, weil schwer krank – deshalb könne er auch nicht dafür verurteilt werden, erklärte die Vorsitzende Richterin. Die Strafkammer orientierte sich in ihrer Entscheidung unter anderem an dem Gutachten einer Psychiaterin, die den Mann mehrmals in der Forensik Lippstadt-Eickelborn sprach und untersuchte. Dort ist er seit September vorläufig untergebracht.

In seinem Wahn würgte der 24-Jährige seinen Großvater

Der Opa hatte am fraglichen Tag seinen Enkel zum Lukas-Krankenhaus (Psychiatrie) gefahren, weil der wegen seiner Ausraster die Wohnung verloren hatte und gesundheitlich in schlechtem Zustand war. In seinem Wahn würgte der 24-Jährige den Senioren. Ein Arzt hielt den 24-Jährigen schließlich davon ab.

Die Absicht, „ihn zu töten“, habe anfänglich bestanden, so die Richterin. „Aus der Angst heraus, der Großvater als Teil des Clans würde ihn an das Lukas-Krankenhaus ausliefern. Das war für Sie eine existenzielle Sache“, sagte die Richterin zu dem Gronauer. Der 24-Jährige habe nach dem Eingreifen des Arztes aber von dem Opa abgelassen. Dieser habe zwar Schürfwunden, aber keine schwerwiegenden Verletzungen erlitten.

„Versuchter Mord“ war der ursprüngliche Vorwurf der Staatsanwaltschaft.

„Versuchter Mord“ war der ursprüngliche Vorwurf der Staatsanwaltschaft. Sowohl sie als auch das Gericht bewerteten die Tat letztlich als vorsätzliche, also eine einfache Körperverletzung. Das Würgen sei „nicht abstrakt lebensgefährdend“ gewesen, hieß es vom Gericht.

Der Beschuldigte habe sich „in einem hoch akuten psychotischem Zustand mit Realitätsverlust befunden“, erklärte die Vorsitzende. Ähnlich, als er seine Freundin gewürgt und ein anderes Mal in seiner Nachbarschaft mit Flaschen um sich geworfen und geschrien habe „Ich bringe Euch alle um!“

Durch die Behandlung in Eickelborn habe der Gronauer mittlerweile zwar eine „Krankheitseinsicht“ entwickelt. Die sei laut der Gutachterin aber „noch brüchig“. Die Gefahr, dass es erneut zu Übergriffen oder Ausrastern komme, sei zu groß. Bei weiterer Besserung könne der 24-Jährige davon ausgehen, „in überschaubarer Zeit“, so die Richterin weiter, in die Allgemeinpsychiatrie entlassen und ambulant weiter behandelt zu werden.

Der Anwalt des Gronauers hatte eine direkte Aussetzung der Unterbringung zur Bewährung beantragt und eine ambulante Behandlung empfohlen.

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