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30-jähriger Mann schlitzte Rentner fast die Halsschlagader auf

Anklage wegen schwerer räuberischer Erpressung

Gronau/Münster

Seine Gastfreundschaft gegenüber einem flüchtigen Bekannten hätte ein 65-jähriger Rentner aus Gronau im Mai dieses Jahres fast mit dem Leben bezahlt. Zwölf Zentimeter lang ist die Narbe am Hals des Opfers, die ihm ein 30-jähriger Mann aus Enschede mit einem Keramikmesser zugefügt haben soll. Nur um einen Millimeter hatte er die Halsschlagader des Gronauers verfehlt. Der Prozess gegen den Niederländer, der der besonders schweren räuberischen Erpressung angeklagt ist, begann am Donnerstag vor dem Landgericht in Münster.

Mirko Heuping

Kurz nach der Tat im Mobilheimpark am Drilandsee konnte die Polizei den 30-jährigen Tatverdächtigen Ende Mai festnehmen. Der gestand jetzt vor Gericht die Tat, auch wenn seine Erinnerungen an den Tag lückenhaft seien. Foto: Klaus Wiedau

Gleich zu Beginn zeigte der 30-Jährige Reue und gestand die Tat, auch wenn seine Erinnerungen lückenhaft seien. Er habe unter dem Einfluss von Amphetaminen gestanden, am Tattag zudem größere Mengen Alkohol konsumiert, versuchte er die Umstände zu erklären. Die Rekonstruktion des genauen Hergangs erwies sich allerdings auch anhand der Aussagen des Opfers und dessen Frau, die als Zeugin vernommen wurde, als äußerst schwierig. Denn sie widersprachen sich in wesentlichen Punkten gegenseitig.

Mittags habe der Angeklagte, den der 65-jährige Jahre zuvor kurz kennengelernt hatte, überraschend vor der Tür des Opfers im Gronauer Mobilheimpark am Dreiländersee gestanden. Nach kurzem Zögern ließ der Gronauer den Angeklagten hinein und es entwickelte sich bei Bier und Likör „ein gemütlicher Nachmittag“, wie die beiden Männer übereinstimmend berichteten. Später verabschiedete sich der Angeklagte, er wollte mit dem Taxi nach Glanerbrug zu seiner Freundin fahren.

Zwei Stunden und drei Bier später stand der 30-Jährige wieder vor der Tür des Ehepaars. Er forderte Geld – nach eigenen Angaben, um seine Mietschulden und den Drogenkonsum zu finanzieren. Dabei bedrohte er die Frau des Rentners mit einem Keramikmesser, das er sich in der Küche gegriffen hatte. Ihr Mann hat daran keine Erinnerungen. Die 67-Jährige gab dem Angeklagten 55 Euro und nutzte einen Moment der Unachtsamkeit, um aus dem Wohnmobil zu rennen. Sie sei zu den Nachbarn gerannt, um Hilfe zu holen – die hätten jedoch nicht aufgemacht. Als sie wieder in das Sichtfeld des eigenen Wohnmobils gekommen sei, habe sie ihren blutüberströmten Mann gesehen.

Dieser sagte indes aus, noch vor seiner Frau das Wohnmobil verlassen und es von außen verschlossen zu haben, als sie nachgekommen sei. Der Angeklagte sei dann durch das Küchenfenster geklettert, habe ihn in den Schwitzkasten genommen und die Kehle aufgeschnitten. Danach habe er versucht das Auto zu stehlen. Da er nicht auf Anhieb den passenden Schlüssel fand, sei er weggerannt.

„Ich wollte niemanden verletzen“, sagte der Angeklagte. Deshalb habe er sich auch kurz danach der Polizei gestellt.

Fortgesetzt wird der Prozess am kommenden Mittwoch (12. November).

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