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Protest gegen Urenco

Strommast-Besetzung an Urananreicherung in Gronau beendet

Gronau

Mit der Besetzung von zwei Strommasten in Gronau protestierten Atomkraftgegner gegen die Urananreicherungsanlage der Urenco. Die Beteiligten kritisieren, dass das angereicherte Uran auch militärisch genutzt werden könnte.

Zwei Strommasten in der Nähe des Ter-Meulen-Wegs sind von Atomkraftgegnerinnen und -gegnern besetzt worden. Foto: Martin Borck

Wie lange sie auf dem Strommasten ausharren wollen? „Bis Urenco abgeschaltet ist“, ruft eine der Aktivistinnen hinunter. Also kann man von einem längeren Aufenthalt ausgehen? „Wir sind gut vorbereitet!“ Seit Dienstagvormittag hatten Atomkraftgegner in Gronau zwei Strommasten besetzt, die der Versorgung der Urananreicherungsanlage (UAA) dienen. „Urenco aus“ steht auf einem Banner, das in der Vertikalen hängt. „Atomkraft den Boden entziehen – Urananreicherung stoppen“ auf einem anderen.

Polizei beendet Aktion

Die Polizei hat die Besetzung beendet. Polizeiangaben zufolge versuchten Beamte, mit den Besetzern in direkten Kontakt zu kommen. Einer Aufforderung, herabzusteigen, kamen die Mastbesetzer nicht nach. Spezialkräfte der Polizei sind daraufhin ebenfalls auf die beiden Strommasten gestiegen, sicherten die Personen und brachten sie herunter. Die Polizei stellte die Personalien fest und leitete Strafverfahren ein.

Hintergrund

Die UAA von der Urenco in Gronau ist wie die Brennelementefabrik in Lingen, nicht Teil des deutschen Atomausstiegs. Sie versorgt Atomanlagen weltweit mit Uran. Die Anlage produziert jährlich 6000 Tonnen Atommüll in Form von Uranhexafluorid, die die Urenco selbst jedoch als Wertstoff bezeichnet, weil das UF6 weiterverarbeitet werden kann.

Für den Betrieb der UAA werden große Strommengen (stand 2019 etwa 116 GWh) benötigt, kritisieren die Aktivisten. Zumal das Unternehmen von der EEG-Umlage befreit sei. Zu dem Strommix, der die Anlage versorgt, gehört auch Hambacher Braunkohlestrom von RWE. Die Beteiligten fordern sowohl den Ausstieg aus den Urangeschäften, als auch aus fossilen Brennstoffen. Die UAA in Gronau gehört RWE und EON.

Derzeit findet in Burgsteinfurt ein Anti-Atom-Aktionscamp statt. Dass die Aktion im zeitlichen Zusammenhang mit einem Prozess vorm Amtsgericht Steinfurt steht, ist offenbar kein Zufall. Das Verfahren gegen sechs Aktivistinnen und Aktivisten wegen Sachbeschädigung und Störung öffentlicher Betriebe im Zusammenhang mit einer einer Urantransport-Blockade wurde gegen Zahlung einer Geldauflage eingestellt. Im Oktober 2017 hatten sie sechs einen Transportzug auf dem Weg zur Urananreicherungsanlage Gronau mit einer Blockade über 15 Stunden aufgehalten.

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