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Cinetech-Kinos planen Autokino am Gronauer Bahnhof

Blockbuster in der Sicherheitszelle

Gronau

Das gute alte Autokino lebt – und das wollen Dominik Paffrath und sein Team von den Cinetech-Kinos auch beweisen. Der Antrag bei der Stadt ist gestellt, eine Genehmigung aber noch nicht erteilt. Derweil wird aber der Platz für die Vorstellungen – eine Paffrath-eigene Fläche direkt am Bahnhof - schon mal hergerichtet.

Klaus Wiedau

Bis zum 3. Mai wird das Autokino noch in Ahaus angeboten. Dann plant der Betreiber den Umzug nach Gronau. Foto: Susanne Menzel Foto:

In den 1980er-Jahren waren sie für viele junge Menschen der Inbegriff der großen Freiheit. Autokinos. Zum ersten Mal allein mit der großen Liebe im eigenen (oder in Papas) Auto. Über die Leinwand vor der Windschutzscheibe flimmerten die filmischen Highlights ihrer Zeit, waren aber für die Betrachter in den Autos oft Nebensache. Dass das Autokino nicht tot ist, wird in diesen Tagen an vielen Orten sichtbar. Corona macht auch erfinderisch. In der Region hat es vor einigen Wochen bereits in Rheine die Premiere gegeben. In Ahaus hat am Dienstag der Vorverkauf begonnen. Und in Gronau?

Dominik Paffrath

„Wir sind in den Planungen dafür in Gronau“, bestätigt Dominik Paffrath, Inhaber der Cintech-Kinos in Rheine, Emsdetten, Ahaus und Gronau. Die erforderlichen Unterlagen hat er vor einigen Tagen bei der Stadt Gronau eingereicht, „aber wir haben noch keine Genehmigung“. Auf dem Paffrath-eigenen Gelände unweit des Bahnhofes (direkt an der Unterführung) laufen derweil aber schon die Vorbereitungen. „Die weitgehend zugewachsene Fläche wird gerade vorbereitet und soll in neuem Glanz erstrahlen“, so Paffrath. Rund 150 Pkw werden – unter Einhaltung der Sicherheitsanforderungen im Zuge der Corona-Krise – dort in einem Auto-Kino Platz finden.

Filme auf dem 14 Meter breiten Air-Screen

Die Filme sollen – wenn es mit der Genehmigung klappt – auf einem 14 Meter breiten Air-Screen präsentiert werden, der auf einem Lkw-Sattelauflieger stehen wird, um den Gästen eine gute Sicht zu ermöglichen. Dadurch habe die Konstruktion ne­ben der beachtlichen Breite auch eine gute Höhe von rund 9,50 Meter. Paffrath über die Ausmaße: „Das ist schon ein ganz schöner Trümmer.“ Und auch die Technik, die verwendet wird, ist eine ganz Besondern: „Wir sind weit und breit der einzige Anbieter, der mit einer digitalen 4k-Projektion arbeitet“, macht Paffrath deutlich. Anders als bei einer LED-Wand, die zwar tagsüber besser nutzbar ist, auf der Bilder aber nur in geringerer Qualität gezeigt werden können, „sind wir in der Lage, aktuelle Kinofilme zu zeigen. Wir setzen auf aktuellen Kinotechnik und können damit auch aktuellen Kino-Content präsentierten.“ Daneben schließt Paffrath nicht aus, dass auch der eine oder andere Filmklassiker ins Programm eingestreut werden soll.

Domink Paffrath

Die Premiere in Rheine in den vergangenen Wochen hat gezeigt, dass das Auto-Kino in Zeiten von Corona eine Renaissance erlebt. „Die Vorstellungen waren ausverkauft“, so Paffrath. Lediglich ein Vorstellungstag habe im wahrsten Sinne des Wortes abgeblasen werden müssen, weil der Wind zu stark gewesen sei. Bis 45 km/h Windstärken könne der Air-Screen betrieben werden, danach sei die Gefahr zu groß.

Vom 23. April bis zum 3. Mai soll das Auto-Kino in Ahaus (BBS-Parkplatz an der Fürstenkämpe) für Abwechslung im Corona-Alltag sorgen, danach würde Paffrath gern in Gronau starten – die genauen Termine stehen noch nicht fest. In Ahaus ist der Vorverkauf am Dienstag angelaufen.

Das Paffrath-Gelände am Bahnhof wird derzeit hergerichtet. Foto: Klaus Wiedau

Der Ton zum Film kommt aus dem Radio-Lautsprecher

Für die Besucher gilt: Pro Fahrzeug sind zwei Personen oder eine Familie (Eltern und maximal drei Familienmitglieder des gleichen Haushalts; Kinder im Alter bis 14 Jahren) zugelassen. An den Einfahrten erfolge eine Sichtkontrolle. Deshalb sei bei den Kindern auch die Altersbegrenzung nötig. Die Fahrzeuge werden jeweils mit Abstand zueinander aufgestellt, die Kinobesucher dürfen nicht aussteigen. Verdeck und Fenster müssen geschlossen bleiben. Der Ton zum Film kommt über UKW aus dem Autoradio. „Die sitzen damit sozusagen in ihrer eigenen Sicherheitszelle“, so Paffrath. „Ich halte das für sicher.“ Einen offenen Verkauf von Popcorn oder anderen Snacks werde es nicht geben. Aber: Im Zuge des Vorverkaufs – eine Abendkasse gibt es nicht – sei es möglich, Popcorn oder Nachos mit zu bestellen. „Die werden dann bei der Einfahrt in geschlossener Verpackung an die Besucher übergeben“, so Paffrath.

Die Stadtverwaltung machte auf Anfrage deutlich, dass der Antrag von Dominik Paffrath aktuell geprüft werde. „Ich gehe davon aus, dass wir bis Ende der Woche eine Entscheidung haben“, so Gabi Könemann, persönliche Referentin des Bürgermeisters. Denn: Für ein Autokino sei eine ordnungsrechtliche Ausnahmegenehmigung von den im Zusammenhang mit Corona geltenden Bestimmungen erforderlich. Zu beachten seien bei der Prüfung ordnungsrechtliche Fragen – vor allem auch mit Blick auf die Sicherheitsanforderungen in der Corona-Krise. Daneben gehe es um bauordnungsrechtliche Fragestellungen – „also etwa um Zu- und Abfahrten, Beleuchtung und anderes“, so Könemann.

Sie zeigte sich indes zuversichtlich, dass Filme auch in Gronau im Autokino über die Leinwand flimmern werden. „Wir stehen dem Vorhaben grundsätzlich positiv gegenüber und würden begrüßen, wenn es klappt.“

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