Sozio-kulturelles Begegnungszentrum in der Gronauer Innenstadt

Café Grenzenlos hat eröffnet

Gronau

Es sollte das Nachfolger-Projekt für das Glashaus werden. Jetzt hat das Café Grenzenlos im Stadtzentrum geöffnet und schickt sich an, den Vorgänger zu überflügeln. Zur Eröffnung gab es ein Überraschungsgeschenk der Hauseigentümer.

Christiane Nitsche

Dagmar Wigbels (Mitte) überraschte alle mit der Nachricht, dass das Café die Räume noch mindestens zwei Monate länger nutzen kann. Die Band „Combo Complett“ unterhielt die Anwesenden mit eingängiger Folk-Musik. Foto: Christiane Nitsche

Vorläufig ist es ein Experiment. Aber wenn die Resonanz weiter so bleibt wie zur Eröffnung des Café Grenzenlos am Samstag in der Schweringstraße, hat die neue Begegnungsstätte im Herzen der Stadt gute Chancen, zur Dauereinrichtung zu werden: Voll besetzte Tische, reichlich Applaus für Konzept und Akteure; umtriebige Geselligkeit, umrahmt von Kunst und Musik – und nicht zuletzt ein Eröffnungsgeschenk durch die Hauseigentümer Theo und Dagmar Wigbels, mit dem niemand rechnen konnte. „Ich wünsche mir den Erfolg dieses Projekts“, erklärte Dagmar Wigbels. „Daher möchte ich diese Räumlichkeiten für weitere zwei Monate zur Verfügung stellen.“

Bis Ende März hatte die ursprüngliche Vereinbarung gegolten, mit der die Eigentümer den Rahmen für eine neue sozio-kulturelle Begegnungsstätte im Zentrum geschaffen hatten. Nun haben die Initiatoren des Cafés rund um Erich Schwartze, Marlies Imping und Gaby Drees und ihr etwa 30 Köpfe zählendes Helferteam Zeit, das Projekt zu etablieren, „sodass wir ab heute ein Vierteljahr lang gut abschätzen können, ob die Bürger der Stadt genauso begeistert sind wie alle Helfer, Herr Schwartze und ich“, erklärte Dagmar Wigbels.

Akademiker, Hartz-IV-Empfänger und Migranten

„Wir wollen ein deutsch-niederländisches Begegnungszentrum werden“, erklärte Erich Schwartze stellvertretend für die Initiatoren, die das Projekt auf den Weg gebracht hatten. „Nur in der Begegnung lernt man Menschen wirklich kennen“, sagte er. In Zeiten, in denen Mitbürger allzu oft durch Hörensagen beurteilt würden und so „Abneigungen, Ablehnung und manchmal sogar Hass“ entstehe, setzten die Initiatoren des Cafés auf Solidarität, Nächstenliebe, Toleranz und Respekt.

Im Gespräch mit den WN machte Schwartze klar, dass eine Beteiligung durch extrem rechte Gruppen ausgeschlossen sei: „Wir haben hier Akademiker, Hartz-IV-Empfänger und Migranten – alle Gruppen“, sagte er. „Bloß die ‚Braunen‘, die wollen wir nicht.“

Die Mitfeiernden machten es sich gemütlich. Foto: Christiane Nitsche

Es gehe aber um noch mehr. „Wir hoffen, damit auch einen Beitrag zur dringend erforderlichen Belebung unserer Innenstadt leisten zu können“, so Schwartze. Wigbels bekräftigte dies. Für die Eigentümerfamilie sei nicht allein die Wiederbelebung der Immobilie wichtig. Sie brachte Veränderungen durch Um-, Aus- und Zuzüge in den Gebäuden in Schul-, Pumpen- und Schweringstraße in einen Zusammenhang. Dabei wies sie ausdrücklich auf die gegenüberliegende Buchhandlung, als Nachmieter der Geba die Kinder- und Jugendbetreuung „Geduldsfaden“ sowie die Ausstellungsflächen der Chance am Kurt-Schumacher-Platz hin. „Ich freue mich, weil nun regelmäßig Familien, Kinder und Jugendliche den Weg in die Schweringstraße finden und so automatisch für mehr Leben sorgen.“

Bürgermeister Rainer Doetkotte wünschte dem Café, „dass bestenfalls immer so viel los sein wird und dass beim Feierabend nichts mehr hier drin steht.“ Damit verwies er auf einen wesentlichen Teil des Konzepts: Möblierung und Einrichtung des Cafés werden durch die gemeinnützige Chance und ihr Sozialkaufhaus gestellt – und sind käuflich, genau wie die ausgestellten Werke Gronauer Künstler.

Bürgermeister Rainer Doetkotte

Doetkotte: „Das ist eine Begegnungsstätte, die es so bisher nicht gibt.“ Er freue sich über den Ansatz, „nicht zu fragen, was die Stadt für uns tun kann, sondern: Was können wir für die Stadt tun.“ Er hoffe auf weiterhin viele helfende Hände, um das Projekt am Leben zu halten. Er appellierte an die Gronauer: „Seien Sie da, seien Sie Gast und helfen Sie vielleicht mit.“

Zu einem Appell nutzte auch Chance-Geschäftsführerin Ira von Borczyskowski ihr Grußwort. Sie ließ noch einmal den Geist des Glashaus-Projekts aufleben, das mit seinem Angebot für viele auch ein Ruheort gewesen sei. „Das wurde hier fortgeführt“, sagte sie, „sodass es mittlerweile mehr ist als das Glashaus.“ Indes sei es so, dass es noch an Kaffee- und Teelöffeln mangele. Man möge also doch bitte „Löffel abgeben“.

Täglich außer Montag geöffnet

► Das Café ist täglich außer montags von 9.30 bis 17.30 Uhr geöffnet. Infos zu Veranstaltungen, Ausstellungen und Anfragen für geschlossene Gesellschaften: ✆ 0170 7024692 (Marlies Imping) oder per E-Mail an schwartze@gmx.net.

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