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Das Geheimnis der niederländischen Autokennzeichen

Das Königshaus hat AA

Gronau

Deutsche Autokennzeichen bieten durch ihre Kombinationsmöglichkeiten von Buchstaben und Ziffern viele Möglichkeiten, dem Golf, Astra oder Focus etwas Individualität zu verpassen. Wer den Vornamen Boris trägt, wird sich ein Wunschkennzeichen BOR-IS aussuchen. Im Nachbarkreis Steinfurt ist die Kombinaton ST-AU sehr beliebt. (Auch der Autor dieser Zeilen nutzt übrigens die Möglichkeit, seinen Nachnamen aufs Nummernschild zu prägen. Nach dem Motto „Nur wo BOR-CK draufsteht, ist auch Borck drin“.)

Martin Borck

Anhand der Ziffern-/Buchstabenfolge lässt sich erkennen, dass die Autos links und in der Mitte schon 2008 zugelassen war, während das rechte frühestens 2013 auf den niederländischen Straßen unterwegs war. Foto: Martin Borck

Die Niederländer haben diese Möglichkeiten nicht. Ihre gelben Nummernschilder geben nicht einmal einen Hinweis auf die regionale Herkunft. Dafür aber auf etwas anderes: und zwar den Zeitraum, in dem das Auto zugelassen worden ist.

Die niederländischen Autokennzeichen haben seit dem Jahr 1951 sechs Zeichen (Buchstaben bzw. Ziffern) plus zwei Querstriche, heute außerdem das Nationalitätenzeichen NL mit dem Europasymbol, dem Sternenkranz). Bei Zweit- oder Drittausfertigungen des Kennzeichens steht zusätzlich über dem ersten Querstrich eine kleine Ziffer.

Die Abfolge der Buchstaben und Ziffern ist nicht so willkürlich, wie man auf den ersten Blick meinen könnte. Zurzeit erhalten Autos ausschließlich Kennzeichen mit der Kombination zwei Buchstaben – drei Ziffern – ein Buchstabe, also XX-999-X. Das war nicht immer so, und wird (siehe Infokasten) auch nicht mehr lange so bleiben: Im Laufe dieses Jahres – der genaue Zeitpunkt wird vorher nicht bekanntgegeben – wechselt die Kombination auf X-999-XX. Der niederländische Straßenverkehrsbehörde, der Dienst Wegverkeer (RDW), rechnet damit, dass die Serie mit dieser Kombination drei bis fünf Jahre verwendet wird.

Um Verwechslungen auszuschließen, werden einige Buchstaben nicht verwendet – auch um dreibuchstabige (Schimpf-)Wörter und unerwünschte Abkürzungen zu vermeiden.

1978 wurden die bis dahin noch fast schwarzen Nummernschilder (mit weißen Zeichen) nicht mehr ausgegeben. An ihre Stelle traten die reflektierenden gelben Schilder. Die schwarz-weißen sind derzeit nur noch an Oldtimern zu finden.

Doch es existieren auch andersfarbige Kennzeichen in den Niederlanden: weiße zum Beispiel für Anhänger bis 750 Kilo, Fahrradträger und ähnliches. Hellgrüne Kennzeichen werden für Händlerfahrzeuge ausgegeben. Taxis und andere Fahrdienste haben ein blaues Schild mit schwarzen Buchstaben und Ziffern.

Kennzeichen und Fahrzeug bilden eine lebenslange Einheit. Der RDW registriert alle Nummern und bietet einen besonderen Service: Auf seiner Homepage kann sich jeder Interessent über die wesentlichen Fahrzeugdaten informieren. Dazu braucht man lediglich das Kennzeichen des jeweiligen Autos einzugeben. Die Informationen umfassen die Daten, die auch im Fahrzeugschein aufgeführt sind, aber auch, ob es als gestohlen gemeldet worden ist oder ihm (z.B. wegen technischer Mängel) die Zulassung entzogen wurde, und ob es Auffälligkeiten beim Kilometerstand gibt, der bei der letzten technischen Untersuchung notiert wurde. Die Halterdaten unterliegen dagegen dem Datenschutz.

Die Niederlande waren 1898 übrigens die dritte Nation, die Autokennzeichen einführten, nach Frankreich (1893) und Deutschland (1896). Zunächst wurde einfach ab 1 durchnummeriert (wobei die „Narrenzahl“ 11 überschlagen wurde, wie auf der Internetseite des RWD zu lesen ist). Ab 1906 waren die Provinzen für die Kennzeichenvergabe zuständig. Die Nummern in Overijssel begannen damals alle mit einem E.

1951 wurde das heutige, System landesweit eingeführt. Wobei Ausnahmen die Regel bestätigen: Diplomatenfahrzeuge und Militärfahrzeuge haben Sonderkennzeichen, deren Daten man nicht eruieren kann. Und wer einem Auto mit dem Kennzeichen AA, gefolgt von nur zwei oder drei Ziffern begegnet, hat es mit einem Fahrzeug zu tun, das auf das Königshaus zugelassen ist.

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