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Der trockene Sommer und die Folgen

Der Goorbach als Beispiel

Gronau

Der Sommer ist zu Ende. Die Wetterfrösche sind sich einig: Er war zu trocken. Das hat auch der Goorbach wieder zu spüren bekommen. Im dritten Jahr in Folge ist das Fließgewässer komplett trockengefallen. Und auch jetzt, zum Herbstanfang, ziehen oder stehen nur einzelne Rinnsale in dem breiten Bachbett zwischen Ochtruper Straße und Kaiserstiege.

Frank Zimmermann

Der Goorbach im August nahe der Kaiserstiege. Das breite Bachbett ist weitestgehend trocken. Foto: Artur Zimmermann

Ökosystem aus dem Gleichgewicht

Einer, den das ärgert, ist Arthur Zimmermann. Der Angler und Naturschützer ist überzeugt: „Dieses Phänomen war seit Jahrzehnten unbekannt. Selbst in heißen Sommern hatte der Goorbach immer noch einen überlebenswichtigen Niedrigwasserstand. Doch seit 2018 ist dieses Ökosystem sichtbar aus dem Gleichgewicht.“ Einen Grund sieht er beim Grundwasser: „In der Vergangenheit konnte der Goorbach seinen Wasserstand in der niederschlagsarmen Zeit aus dem Grundwasser beziehen. Dieser Grundwasserspiegel ist in den letzten Jahren aber immer mehr gesunken.“ Und das liege neben ausbleibenden Niederschlägen im Sommer auch an der schnellen Ableitung des Regenwassers durch ungesteuerte Drainagen, die in der Landwirtschaft eingesetzt werden. Zimmermanns Lösungsansatz: gesteuerte Drainagen. Anders als bei einer herkömmlichen Drainage, durch die das Wasser kontinuierlich abgeführt wird, kann es bei einer gesteuerten Drainage zurückgehalten werden. Eine gute Idee?

Artur Zimmermann

Ja, findet der Biologe Christoph Rückriem, Mitarbeiter der Biologischen Station Zwillbrock. Er ist überzeugt, dass der Klimawandel zunehmend für Wetterextreme sorge. Starkregenereignisse einerseits, lange trockene Phasen andererseits. Mit einer geregelten Entwässerung könne man diesen Extremen besser begegnen. Und das sei – auch da ist er sich mit Arthur Zimmermann einig – nicht zuletzt für die Landwirte von Vorteil. Zimmermann formuliert es mit Humor: „Landwirte bauen keine Algen an. Für konventionelle Nutzpflanzen ist ein Wassermanagement unbedingt nötig.“ Er fragt sich aber auch: „Wie lange wollen die Verantwortlichen noch warten?“

Der Goorbach etwas südlich der Kaiserstiege im September. Wasser? Weitestgehend Fehlanzeige. Foto: Frank Zimmermann

Christoph Rückriem findet, der Goorbach sei ein schönes Beispiel dafür, wie in der Natur alles zusammenhängt. Und er weiß, dass es nicht leicht ist, umzusteuern, wenn man über Jahrzehnte in die Entwässerung der landwirtschaftlichen Flächen investiert hat. Aber er ist optimistisch: „Das ist wie mit der Aktivierungsenergie in der Chemie. Wir brauchen anfangs viel Energie, um das System in eine andere Richtung zu steuern. Aber wenn das einmal geschafft ist, geht vieles leichter. Und auch die Kosten sind dann im Vergleich zu den jetzigen Kosten gar nicht unbedingt höher.“

Christoph Rückriem, Biologe

Noch mal weg vom großen Ganzen zurück zum Naturschutzgebiet Goorbach. Was die Gefährdung dieses Ökosystems angeht, sagt der Christoph Rückriem: „Gewässer sind unterschiedlich besiedelt, es gibt immer Profiteure und Opfer.“ Und dann seien da noch die Arten, denen es „egal“ sei, ob der Goorbach Wasser führe oder nicht, etwa viele Wasser-Insekten, die mobil genug sind, trockengefallene Bereiche schnell wieder zu besiedeln.

Und die Opfer? „Langsame Arten wie Bachmuscheln sterben am ehesten aus“, sagt der Biologe. Außerdem seien Fischarten am stärksten betroffen, die die Oberläufe von Fließgewässern mit kälterem, sauerstoffreicherem Wasser als Lebensraum und/oder Laichgrund brauchen.

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