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Seniorenbeirat sorgt für Bepflanzung

Der Zauberbambus auf der Bogenbrücke

Gronau

Ja, Leuchtturmprojekte können wesentlich zum Image einer Stadt beitragen. Oft sind es aber Kleinigkeiten und pfiffige Ideen, die eine Stadt liebens- und lebenswerter machen. In Gronau hat das in jüngster Zeit immer mal wieder das Stadtmarketing unter Beweis gestellt.

Frank Zimmermann

Unbepflanzt wurden die Kübel als Mülleimer genutzt. Das fand der Seniorenbeirat nicht so schön und hat deshalb einen kompetenten Menschen gesucht und gefunden, der die Kübel mit Bambus bepflanzt hat. Foto: Mathias Frings

Die Ruderboote auf den Grachten des Inselparks oder die ausleihbaren Sonnenschirme für den Wasserspielplatz seien hier als zwei Beispiele genannt.

An vielen solchen Kleinigkeiten arbeitet aber auch der Seniorenbeirat – und empfindet das nicht selten als das Bohren dicker Bretter. Und leider knirscht es dabei immer wieder zwischen der Seniorenvertretung und der Stadtverwaltung. Jüngstes Beispiel: Pflanzenkübel auf der Bogenbrücke, die verhindern sollen, dass Passanten – zum Beispiel im Rollstuhl, mit Kinderwagen oder auch Kinder selbst – die Treppe hinabstürzen. „Der Treppenabgang kommt ja doch recht unvermittelt“, hat der Seniorenbeirat schon vor über einem Jahr konstatiert und bei der Stadt um Abhilfe gebeten. Die Idee kam gut an und wurde von den zuständigen Ausschüssen (Haupt- und Finanzausschuss sowie Bauausschuss) durchgewinkt. Mit der Umsetzung habe es dann allerdings gehakt, berichtet der Vorsitzende des Seniorenbeirats, Mathias Frings.

Statik reicht angeblich nicht aus

Ein gutes halbes Jahr ging ins Land, ehe die Stadt an den entsprechenden Stellen auf der Brücke Blumenkübel aufstellte, die teilweise mit Sand gefüllt waren. Die wurden von der Bevölkerung gut aufgenommen und rasch als das genutzt, wonach sie aussahen – Mülleimer. „Nicht so schön“, fand das der Seniorenbeirat und bat um Bepflanzung der Kübel. Diese Bitte habe der Stadtbaurat mit einer ganzen Litanei von Argumenten abgelehnt: zu gefährlich (Vandalismus), zu aufwendig (kein Wasseranschluss in der Nähe, um die Pflanzen zu bewässern) und deshalb auch zu teuer. Außerdem – das sollte wohl das schwerwiegendste Argument sein – halte die Statik der Brücke bepflanzten Blumenkübeln eventuell nicht Stand.

Ominöser Zauberbambus

Dieses letzte Argument wurde auch ins Feld geführt, als die WN im Sommer über den Stand der Dinge berichteten. Die Kübel dürften nicht schwerer sein, weil dann die punktuelle Belastungsgrenze der Brücke überschritten würde, hieß es dazu im August aus dem Rathaus. Im gleichen Atemzug wurde mitgeteilt, dass eine Bepflanzung auf der Basis privaten Engagements okay sei. Hier kommt nun der ominöse Zauberbambus ins Spiel: Wenn die Stadt die Kübel bepflanzt hätte – wahrscheinlich mit Bleibäumen oder Eisenkraut – wäre die Brücke wohl unter der Last zusammengekracht. Es sei denn, die ortsbekannten Randalierer wären vorher schon vorbeigekommen und hätten die tonnenschweren Pflanzen aus dem Kübel gerupft und nach unten auf die Bahngleise geworfen. Und wäre auch das nicht passiert – machen wir uns nichts vor – dann hätte die Bewässerung und Pflege der Pflanzen ein erhebliches Loch in den Gronauer Haushalt gerissen.

Leicht, sicher und anspruchslos

Insofern ist es geradezu eine Heldentat, dass der Seniorenbeirat mit dem Gartenbauer Norbert Droste jemanden gefunden hat, der den Müll aus den Kübeln entfernt und dann den Zauberbambus eingepflanzt hat. Wieso Zauberbambus? Weil für diese Pflanze all die Argumente der Stadtverwaltung nicht gelten: Sie ist so leicht, dass sie der Statik der Brücke nichts anhaben kann, so sicher, dass Vandalen garantiert die Finger von ihr lassen, und so anspruchslos, dass die Pflege notfalls aus dem Etat des Seniorenbeirats finanziert werden kann. Oder wie sonst ließe sich erklären, dass die Stadtverwaltung gegen diese Bepflanzung nichts einzuwenden hat?

Und die Moral von der Geschicht’: Wenn man Bürgern allzu offen zeigt, dass man sie nicht ernst nimmt, droht man selbst nicht mehr ganz ernstgenommen zu werden.

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