Keine Corona-Pause für den Platzwart im Fortuna-Sportpark

„Die Bundesliga kann kommen“

Gronau

Egon Schmerbeck hat längst das Rentenalter erreicht. Und mit 78 Jahren darf man sich schon mal Gedanken über noch mehr Freizeit machen. Doch seine Aufgabe als Platzwart im Fortuna-Sportpark will er noch lange nicht an den Nagel hängen. „Mindestens noch zwei Jahre, wenn es die Gesundheit zulässt, möchte ich das hier machen“, sagt er.

 Von Stefan Hoof

Fortunas Platzwart Egon Schmerbeck (r.) und Florian Niehues vom Bauhof arbeiten Hand in Hand im Fortuna-Sportpark. Foto: Stefan Hoof

Seit Donnerstag ist Schluss mit dem herrlichen Wetter. Wasser bekommen die Plätze im Fortuna-Sportpark nun reichlich, nicht nur durch den Einsatz der Rasensprenger.

Für Egon Schmerbeck (78) macht das keinen großen Unterschied. Er ist ohnehin jeden Tag auf der Anlage, bei Regen ebenso wie bei Sonnenschein.

„Ich bin immer hier. Es gibt immer was zu tun“, erklärt der Platzwart: „Was gemacht werden muss, wird auch gemacht.“

Egon Schmerbeck

Zwischenzeitlich war es sehr ruhig geworden auf der Sportanlage an der Gronauer Laubstiege. Nahezu von heute auf morgen musste im März der Spiel- und Trainingsbetrieb wegen der Pandemie eingestellt werden. Aber der Platzwart blieb seinem Tagesablauf treu. „Ich habe keine Pause gehabt. Warum auch? Das Gras wächst, das Unkraut verbreitet sich auch.“ Zudem schaut Schmerbeck regelmäßig im Vereinsheim, besonders auch in den Kabinen nach dem Rechten. Die Linien auf den Spielfeldern muss er jedoch zurzeit nicht ziehen.

In den ersten Wochen des Lock-downs bekam Schmerbeck kaum jemanden zu sehen im Sportpark, abgesehen von den Mitarbeitern des Bauhofs. „Gute Leute, die machen das prima“, lobt Schmerbeck. Häufig fährt Florian Niehues vor, wenn die Plätze gemäht oder die Rasensprenger umgesetzt werden müssen. „Wir helfen uns gegenseitig“, betonen beide.

Das Resultat der guten Arbeit kann sich sehen lassen. Das Hauptfeld im Fortuna-Sportpark präsentiert sich in einem hervorragenden Zustand, ein Rasenplatz wie ein Teppich. „Die Bundesliga kann kommen“, scherzt Schmerbeck, „so gut waren die Plätze noch nie.“

Eine mühselige Arbeit: Egon Schmerbeck sticht fein säuberlich den Rand am Hauptspielfeld ab. Foto: Stefan Hoof

Und sauber und gepflegt erscheint auch alles. Keine Frage: Der Job liegt Egon Schmerbeck am Herzen. Ganz besonders hat der Platzwart den Hauptplatz im Auge. Stück für Stück sticht er fein säuberlich den Rasen an den Rändern ab. Eine mühselige, eine intensive Arbeit. „Da nehme ich mir jeden Tag eine Seite vor. Zweimal im Jahr muss das gemacht werden.“

Die Tageszeitung ist unverzichtbar

Zwischendurch gönnt sich Egon Schmerbeck eine Pause, genießt die Ruhe dann ebenso wie den Kaffee am Morgen und die lokale Tageszeitung. „Die muss ich jeden Tag lesen, aber meistens schon zu Hause.“

Oft schaut dann auch Berni Ströing noch vorbei: „Der kommt jeden Tag, packt auch mit an, wenn es sein muss.“ Und das Urgestein der Fußballer von Vorwärts Gronau, noch ein paar Jahre älter als Schmerbeck, wirft natürlich auch einen Blick in die Zeitung.

Jetzt hofft Schmerbeck darauf, dass es nach den Sommerferien wieder losgeht: „Der Sport muss wieder beginnen.“

Immerhin, lebhafter ist es schon in den letzten Wochen seit Mitte Mai geworden. Der Schulsport ist zurück im Sportpark, das Sportabzeichenteam und die Leichtathleten auch.

Aber die Fußballer, die fehlen. Während in den ersten drei Ligen schon wieder um Punkte gespielt wird, müssen sich die Amateure, aber auch die Schüler und Jugendlichen weiterhin in Geduld üben: kein Training, keine Spiele. Nebenbei bemerkt: Die Geisterspiele in der Bundesliga sind für Fortunas Platzwart, der es mit Dortmund, Hamburg und Gladbach hält, kein Ersatz: „Keine Stimmung, keine Spannung. Das finde ich uninteressant.“

1. Mannschaft liegt ihm am Herzen

Am Herzen liegt ihm die 1. Mannschaft, das Herzstück, das Aushängeschild des Vereins. Wobei sich Schmerbeck, der selbst viele Jahre als Spieler, später als Trainer am Ball war, aber für jedes Ergebnis jeder Mannschaft der Blau-Schwarzen interessiert. „Ich bin ja schließlich der Platzwart des Vereins und nicht nur der 1. Mannschaft. Jeder kann zu mir kommen.“

Das war schon zu Zeiten von Arminia Gronau so, das ist heute nicht anders.

Neun Jahre gibt es nun Fortuna Gronau, der Platzwart hat damals, wie er frank und frei bekennt, lange gezögert, ob er von der Arminia-Anlage an der alten B 54 mit zur Laubstiege wechseln sollte: „Ich bin erst im letzten Moment auf diesen Zug aufgesprungen.“

Bereut hat er es aber nicht, er zieht auch keinen Vergleich zwischen Arminia und Fortuna. Wäre er unzufrieden, hätte er längst Abschied genommen.

Immerhin hat Egon Schmerbeck, früher bei der BSG beschäftigt, schon lange das Rentenalter erreicht. Und mit 78 Jahren darf man sich schon mal Gedanken über noch mehr Freizeit machen. „Mindestens noch zwei Jahre, wenn es die Gesundheit zulässt, möchte ich das hier machen“, denkt der Platzwart im Moment nicht ans Aufhören. Warum sollte er auch? Er liebt die Kameradschaft, schätzt die Freundschaften. „Und ich glaube, die wissen meine Arbeit hier zu schätzen. Da stänkert keiner.“

So wird Egon Schmerbeck auch morgen wieder zu Harke, Spaten und Unkrautmesser greifen. Er genießt die Arbeit an der frischen Luft, er liebt den Job des Platzwartes. Und er freut sich täglich über den saftig grünen Rasen im Stadion.

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