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Aktion für Flutopfer

Kinder der Buterlandschule spenden Sponsorenlauferlös an Schule in Dernau

Gronau/Dernau

Die Jahrhundertflut aus dem Sommer 2021 ist Geschichte - könnte man meinen. Doch private Initiativen und Kontakte arbeiten weiter. So konnten jetzt die Schülerinnen und Schüler der Buterlandschule in Gronau nach über einem Jahr ihre „erlaufenen“ Spenden vom Sponsorenlauf in Dernau überreichen.

Von Christiane Nitsche-Costa

Schulleiter Ralph Stollorz möchte die Spende aus Gronau gerne für die Schulhofgestaltung verwenden. Mit ihm freuen sich Eva Mengelkamp und die Klassensprecher der 4B, Mila (9) und Mattis (9). Foto: Chr. Nitsche-Costa

Vor ein paar Tagen erst haben sie Einweihung gefeiert. Endlich. Die St.-Martin-Schule in Dernau hat einen neuen Standort, oben am Weinberg, in sicherem Abstand zur Ahr. Und obschon es „nur“ eine Container-Schule ist und vieles noch fehlt, fühlen sich alle wohl. Die Lage ist idyllisch, die Klassen sind klein. „Traumhaft“, findet auch Eva Mengelkamp.

Die Vorsitzende des Förderkreises der Gronauer Buterlandschule hat sich auf den Weg nach Dernau gemacht, um Schulleiter Ralph Stollorz einen Scheck zu überreichen: 7993,25 Euro. „Das ist ganz schön viel“, staunt Lena, die siebenjährige Tochter von Eva Mengelkamp. Sie ist mit verantwortlich dafür, dass die Opfer der Jahrhundertflut, die am 14. Juli 2021 das Ahrtal heimsuchte, nicht vergessen sind.

Mit einem Sponsorenlauf hatten die Schülerinnen und Schüler der Buterlandschule nach der Flut Geld gesammelt, um einer betroffenen Schule zu helfen. Die Idee: von Grundschule zu Grundschule direkt und ohne Umwege Gutes tun. Zehn bis zwölf Runden zu – je nach Klasse – 400 oder 800 Metern liefen die Kinder. Lena: „Es war ein bisschen anstrengend, aber auch cool.“

Über die Berichterstattung zum Blog „Eine Geschichte vom Helfen“ (WN vom 6. September 2021) entstand der Kontakt nach Dernau. „Es hat eine Weile gedauert, bis wir die passende Schule gefunden hatten und bis es konkreter wurde“, erklärt Eva Mengelkamp.

Geld gesammelt mittels Sponsorenlauf

Nicht ohne Grund: Die St.-Martin-Schule im Ortskern von Dernau war so stark beschädigt, dass bis heute unklar ist, ob das Gebäude erhalten werden kann. Ein ganzes Schuljahr lang war die Schule auf drei Ortschaften verteilt ausgelagert worden. Ralph Stollorz musste nebenbei die Geschicke einer Ahrweiler Grundschule mit lenken, weil dort infolge der Flut die Schulleitung länger erkrankt war.

Hinzu kam die Belastung durch weite Wege, weil auch die Straßen nicht mehr die alten waren. Nicht zu vergessen die Dramen, die sich teilweise in den Familien abgespielt hatten, über die aber heute niemand mehr so recht sprechen mag.

Spricht man mit den Kindern, hört man erstaunlich sachliche Berichte. „Wir wollten da eigentlich umziehen“, erinnert sich etwa Mattis. Der Neunjährige ist stellvertretender Klassensprecher der 4B. Das Haus, in das seine Familie einziehen wollte, war direkt betroffen. „Wir sind dann erst letzte Weihnachten umgezogen.“ Die gleichaltrige Mila lebt mit ihrer Familie weiter oben im Tal. „Wir waren zum Glück nicht betroffen“, erklärt sie. Bloß die Oma habe es erwischt. 90 Prozent der Häuser in Dernau waren mehr oder weniger stark in Mitleidenschaft gezogen worden. Einige wurden bereits abgerissen, an anderen wird nach wie vor renoviert. Überall im Ort hört man Sägen und Hämmer arbeiten.

Der Blick geht nach vorne. „Aufgeben ist keine Option“, heißt die Parole, die kunterbunt und kunstvoll an einem leerstehenden Haus gegenüber der Schule steht. Überall sieht man Dankes-Botschaften, auf Transparenten, in Graffiti, auf handgeschriebenen Zetteln in Fenstern und auf Hauswänden. So wie am Aussichtspunkt, den man passiert, wenn man von Westen her anreist.

Hier stand Ralph Stollorz am Morgen des 15. Juli. Er war extra früh losgefahren, um in seiner Schule nach dem Rechten zu sehen, nur um festzustellen: „Da brauche ich gar nicht weiterzufahren.“ Noch heute sieht man das Ausmaß der Zerstörung – soviel Brachfläche liegt am Ufer der inzwischen wieder beschaulich dahinplätschernden Ahr.

Weite Fahrwege zu Übergangsunterkünften

Manche haben den Ort für immer verlassen. Aber: „Die meisten kommen wieder“, hat Ralph Stollorz festgestellt. Vielfach hätten die Eltern seiner Schützlinge weite Fahrwege aus ihren Übergangsunterkünften in Bonn und anderswo auf sich genommen, um die Kinder weiterhin an ihre alte Schule und in die gewohnte Umgebung zu bringen.

Darum seien die Räume in der Containerschule auch so angelegt, „dass wir noch wachsen können“. 96 Schüler hat er aktuell, in sieben Klassen. Was Eva Mengelkamp auch „traumhaft“ findet: In Rheinland-Pfalz werden ab 25 Kindern automatisch zwei Klassen gebildet. Ganze 14 Schüler hat etwa die 4B, wo Mila und Mattis stellvertretend für ihre Schule den Spendenscheck in Empfang nehmen.

„Die Kinder haben schon Wunschzettel geschrieben“, lacht Stollorz. Davon kann sich auch der Besuch überzeugen. Wie aus der Pistole geschossen kommen die Wünsche, die die Kinder mit der Spende verbinden: „ein Waschbecken, ein Klettergerüst, eine Rutsche, eine Schaukel, ein Sandkasten“. Gerade bei der Schulhofgestaltung gebe es Bedarf, bestätigt Stollorz. Daher werde das Geld wohl dort eingesetzt. Natürlich werde er berichten und Fotos schicken.

Wer sich selbst ein Bild machen mag, kann das übrigens mit einem lohnenden Ausflug verbinden. Die Schule nebst Kindergarten liegt gleich neben der Dokumentationsstätte Regierungsbunker, wo an ein ehemaliges Außenlager des KZ Buchenwald und den Bergbau im Ort erinnert wird. Einen Teil der Fläche hat der örtliche Synagogenverein zur Verfügung gestellt. Drumherum die Weinberge und nur wenige Meter entfernt das historische Klostergut Marienthal, wo ein Burggarten mit Gastronomie und Weinverkauf zur Rast einladen. „Man muss das Ganze auch als Chance begreifen“, sagt Ralph Stollorz.

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