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Euregio-Empfang: Dritte Berkelkompanie erhält den People-to-People-Preis

Die Freiheit bewahren

Gronau

75 Jahre herrschen Frieden und Freiheit in weiten Teilen Europas. Die allermeisten Bewohner der Euregio kennen keinen anderen Zustand. Darin verbirgt sich aber eine Gefahr.

Martin Borck

Die Gewinner des People-to-People-Preises. die dritte Berkelkompanie, mit der Laudatorin, Bürgermeisterin Annette Bronsvoort (r.) aus Ost Gelre. Foto: Martin Borck

75 Jahre herrschen Frieden und Freiheit in weiten Teilen Europas. Die allermeisten Bewohner der Euregio kennen keinen anderen Zustand. Darin verbirgt sich aber eine Gefahr: Frieden und Freiheit scheinen selbstverständlich. Insofern sei das Erinnern an die Gräueltaten im Zweiten Weltkrieg, die Vernichtungslager, aber auch an Flucht und Vertreibung wichtig. Darin waren sich die Teilnehmer eines Podiumsgesprächs am Freitagnachmittag einig. Es fand im Rahmen des Euregio-Neujahrsempfangs in der Bürgerhalle Gronau statt.

Esther Ruesen (Stadtmuseum und VVV Doetinchem), Rianne Driessen (Hengelo), Mark Boumans (Bürgermeister Doetinchem), Thomas Waschki (Bocholt), Alexandra Arens (Aalten) und Christian Vedder (Bürgermeister Südlohn) sprachen unter Moderation von Sina Kuipers über die Bedeutung des Jubiläums „75 Jahre Freiheit“.

Persönliche Erfahrungen wie Besuche in Auschwitz, Gespräche mit (Groß-)Eltern über das im Krieg Erlebte und Erlittene prägen das Bild, das die Diskussionsteilnehmer von der Zeit haben.

Dass es vor gar nicht langer Zeit durchaus noch Ressentiments gab, machte Esther Ruesen deutlich: Sie habe sich als Jugendliche in den Niederlanden fast dafür rechtfertigen müssen, dass sie Deutsche nett gefunden habe.

Christian Vedder hatte von seinem Vater die Ansage mitbekommen: „Seht zu dass nie wieder ein Krieg passiert“, sagte der Südlohner. Dem fühle er sich verpflichtet. Für ihn sei es ein bewegender Moment gewesen, als er zum ersten Mal an der Befreiungsfeier in Winterswijk teilgenommen habe.

Die Erinnerung wachhalten sei wichtig, so auch Alexandra Arens, die über in Schulprojekt berichtete, in dem Schüler Zeitzeugen interviewt hatten. Wichtig sei, Kontakt über die Grenze zu initiieren und zu halten, fanden Thomas Waschki und Rianne Driessen. „Es ist doch am schönsten, einander kennenzulernen, Verständnis füreinander zu schaffen“, sagte Driessen. Auf diese Art und Weise lasse man auch das reine Schwarz-Weiß-Denken hinter sich, fand Boumans.

In der Euregio sei man schon recht weit: „Wir dürfen uns über das, was uns verbindet, freuen.“ Auch die EU habe viel erreicht. „Das müssen wir wertschätzen“, fand Driessen.

Ein Projekt, das die grenzüberschreitende Partnerschaft fördert, ist die „Dritte Berkelkompanie“. Sie wurde mit dem People-to-People-Preis der Euregio ausgezeichnet. Die Kompanie initiiert und unterstützt Pläne, die mit der Berkel und dem Berkeltal zusammenhängen. In jeder Gemeinde von der Quelle in Billerbeck bis zur Mündung in die Ijssel in Zutphen gibt es Menschen, die sich der Idee verschrieben haben. „Der Fluss war früher ein wichtiger Transportweg“, erinnerte die Bürgermeisterin von Oost Gelre, Annette Bronsvoort in ihrer Laudatio. Heute finde alljährlich eine Berkelkonferenz statt, es gebe gemeinsame Konzepte und Projekte wie eine Radroute von Billerbeck bis Zutphen.

Die Kompanie hatte zwei Vorgänger, die sich auf die Handelsbeziehungen konzentrierten. In dieser Tradition des „Berkelns“, wie die Kompanie ihrer Aktivitäten bezeichnet, sieht sich die Nachfolgerin. Sprecher Thomas Bücking aus Coesfeld lobte die unglaubliche offene Atmosphäre, die bei den Treffen herrsche „Das ist gelebte grenzüberschreitende Zusammenarbeit.“ Auch ein Teil des Prozesses, Frieden und Freiheit auch für die Zukunft zu bewahren . . .

► Bei der Wahl des Euregio-Vorstands wurden Rob Welten (Bürgermeister von Haaksbergen) als Vorsitzender und Joost van Oostrum (Bürgermeister Berkelland) und Jürgen Coße (Abgeordneter Kreistag Steinfurt) als Stellvertreter wiedergewählt. Ein Schwerpunktthema der Arbeit in diesem Jahr wird der Komplex Wasser und Umwelt sein, kündigten Rob Welten und Geschäftsführer Christoph Almering an.

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