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Gronauer Unternehmen engagieren sich in Überschwemmungsregion 

Direkt für schnelle Hilfe sorgen

Gronau

Die Überschwemmungskatastrophe im Süden NRWs ist noch lange nicht überwunden. Damit es schneller voran geht, will sich eine Gruppe von Gronauern aktiv vor Ort einbringen. Um das machen zu können brauchen sie im Vorfeld noch Unterstützung.

Von Guido Kratzke

Johann Grobbe, Heiko Klaas, Marion und Harald Bessler sowie Thomas Gerwens hoffen darauf, dass weitere Gronauer Gewerbetreibende und Bürger dem Aufruf folgen und die Hilfsaktion unterstützen werden. Im großen Werkstatt-Truck ist ausreichend Platz vorhanden, um dringend benötigtes Material mit in die Überschwemmungsregion zu transportieren. Foto: Guido Kratzke

Die Bilder der Überschwemmungskatastrophe im Süden Nordrhein-Westfalens haben eigentlich niemanden unberührt gelassen. Auch Harald Bessler nicht. Der Inhaber eines Gronauer Fachbetriebes für Instandhaltung, Erweiterung oder Neueinrichtung industrieller Anlagen war geschockt von der Bildern der Schäden, die die Naturgewalten angerichtet haben. Und nachdem er in einem Interview vermittelt bekommen hatte, wie es beispielsweise den Winzern vor Ort ergangen ist, da war für ihn klar: Ich will helfen. Doch das war nicht ganz einfach.

Mehrere Anläufe

„Ich habe zunächst versucht, die Verwaltung in Ahrweiler zu erreichen um unsere Hilfe anzubieten“, erklärt er seine Vorgehensweise. Sein Unternehmen verfügt über eine komplett ausgestattete mobile Werkstatt, die sich in einem 20 Meter langem Sattelzug befindet. Damit kann er autark vor Ort mit seinem Team arbeiten. „Nachdem ich dort niemanden erreichen konnte, habe ich mich an den Krisenstab für die Region gewand.“ Der Ansprechpartner wirkte begeistert, erklärte, man sammle die Hilfsangebote und werde sich melden. Doch die Rückmeldung blieb aus.

Bessler war überzeugt davon, vor Ort helfen zu können, hatte auch schon Partner gefunden, die ihn und die Menschen in der Krisenregion unterstützen wollten – aber eine Anforderung blieb aus. „Dann hab ich mich direkt an die Winzergenossenschaft gewandt“, blickt er ein paar Tage zurück. Er stieß auf offene Ohren, wurde gleich in eine What´s-App-Gruppe aufgenommen, die rund 100 Betriebe miteinander verbindet. „Und als ich dort die Winzer aufgefordert habe, mir Bilder zu schicken, was in ihren Betrieben zerstört wurde und wieder repariert werden muss, wurde ich mit Bildern überschüttet.“ Sein Telefon stand nicht mehr still.

Zwischenzeitlich hatte er Kontakt zu Thomas Gerwens aufgenommen – nicht nur um Spenden anzufragen, sondern auch abzuklären, was von den benötigten Artikeln verfügbar ist. „Wir benötigen vor Ort zum Beispiel Schläuche in verschiedenen Größen, da diese durch die Überflutungen beschädigt oder total verschmutzt worden sind“, nennt Bessler nur ein Beispiel. „Jetzt brauchen wir die Unterstützung der Gronauer.“

Am Sonntag starten

Am kommenden Sonntag will sich Bessler mit einem Team auf den Weg in die Schadensregion machen. Mit ihm wird Johann Grobbe für fünf bis sieben Tage ehrenamtlich arbeiten. Der Lkw-Schlossermeister im Ruhestand wird sich vor Ort um die abgesoffenen Traktoren und defekte Dieselaggregate kümmern. Zugesagt haben auch zwei Mitarbeiter einer Bosch-Tochter, die sich um den Maschinenbau kümmern werden, dazu Besslers Werkstattmeister als Fachkraft, der die Werkstatt für Zerspanungsarbeiten und Wellendrehen nutzen wird. „Wir suchen noch einen Elektriker, der sich ehrenamtlich um die Haustechnik kümmern will“, hoffen sie noch auf tatkräftige Unterstützung.

Verpflegung kein Problem

Keine Probleme wird die Arbeitsgruppe vor Ort mit der Verpflegung haben. „Als wir von dem Einsatz gehört haben, da stand für uns sofort fest: das unterstützen wir“, erklärt Heiko Klaas von K+K. Da sich in dem Werkstatt-Truck auch eine kleine Küche befindet, soll ausreichend Proviant für eine Woche eingepackt werden. „Ähnlich wie für eine Woche auf dem Campingplatz wenn man sich komplett selbst versorgen will.“ Vor allem sind aber Produkte für die schnelle Küche gefragt wie beispielsweise Konserven. „Wir wollen schließlich vor Ort keine unnötige Zeit verschwenden“, ergänzt Bessler.

Sach- statt Geldspenden

Gesammelt werden sollen keine Geldspenden sondern ausschließlich die benötigten Bauteile aber auch Haushaltsgeräte und ähnliches. Auch auf die lokalen Installationsbetriebe hoffen die Organisatoren. Benötigt werden Fittinge und einige wenige Rohrleitungen aus Kuper und Edelstahl. „Wenn jeder eine kleine Kiste gibt, dann können wir vor Ort Großes erreichen“, so Bessler. Schließlich gehe es nicht um Neuinstallationen sondern lediglich um Ausbesserungsarbeiten. „Und die müssen schnell erfolgen“, blickt Klaas in den Kalender. Schließlich stehe bei den Winzern in Kürze die Ernte an.

Feldbetten benötigt

Leihweise werden für acht Helfer aktuell auch noch Feldbetten benötigt, die in einer kleinen Halle aufgebaut werden sollen.

Erste Unterstützer

Es haben sich bereits erste Unterstützer gefunden, die sich entweder aktiv einbringen oder über ihre Kundenkonten in einer festen Höhe den Einkauf der benötigten Hilfsmittel finanzieren. Bereits gewonnen werden konnten neben den Firmen K+K und Gerwens beispielsweise die Signal-Iduna-Agentur in Epe von Ralf Holtmann mit dem kompletten Team, die Firma Impex Trading, die Spedition Hövener aus Rheine, die Firma Utz aus Schüttorf, die Competenz Bildungs- und Beratungsgesellschaft aus Steinfurt sowie A+B Werkzeuge und Maschinen aus Ahaus.

Harald Bessler

„Wer Fragen hat, kann sich unter

 0171/2662455 bei mir melden – und wir klären dann alles ab“, erläutert Bessler und hofft auf viele Unterstützer. „Auch nach einer Woche werden wir dort nicht fertig sein“, gibt es sich keiner falschen Illusion hin. „Aber wir können dafür sorgen, dass die Betriebe wieder eine Basis erhalten.“ Und sich vor allem nicht allein gelassen vorkommen.

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