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Corona-Virus verhindert Start in die Freibad-Saison

„Ein absolutes Novum für uns alle“

Gronau

Die gähnende Lehre wird wohl vorerst bleiben, auch wenn der Edelstahl des Beckens noch so in der Aprilsonne blitzt. Der Rasen ist gemäht, die Außenanlagen sind tipp-topp in Schuss. „Wir sind eigentlich startklar“, sagt Stefan Busch, Pressesprecher der Stadtwerke, und lässt dabei den Blick über das leere Parkfreibad schweifen.

Klaus Wiedau

Bis auf eine finale Reinigung und das Wasser ist alles im Parkfreibad tipp-topp vorbereitet für die neue Saison. Ob und wann es losgeht, wissen (v.l.) Dagmar Rohe, Lea Derksen und Petra Schaaf vom Bäderteam indes nicht. Foto: Klaus Wiedau

Der Edelstahl des Beckens blitzt in der Aprilsonne. Der Rasen ist gemäht, die Außenanlagen sind tipp-topp in Schuss. „Wir sind eigentlich startklar“, sagt Stefan Busch, Pressesprecher der Stadtwerke, und lässt dabei den Blick über das leere Parkfreibad schweifen. Die gähnende Leere, die er sieht, wird sich in kommenden Wochen wohl nicht ändern. „Wir werden nach den aktuellen Corona-Beschlüssen das Bad nicht zum 1. Mai öffnen dürfen.“ Kein Jazzkonzert zur Eröffnung, kein traditionelles Anschwimmen — stattdessen ist das zwölfköpfige Bäderteam der Stadtwerke ab dieser Woche in Kurzarbeit. Und wie es weitergeht, „das steht in den Sternen“, so Busch.

Stefan Busch, Pressesprecher der Stadtwerke Gronau

Entsprechend gedämpft ist die Stimmung beim Ortstermin im Bad: Stadtwerke-Geschäftsführer Dr. Wilhelm Drepper, Marion Brüning (Centerleiterin Handel und Vertrieb) sowie Bäderteam-Leiter Konstantin Weber stehen vor einer ungewohnten Situation: „Das ist ein absolutes Novum für uns alle“, beschreibt Busch die Lage. „Wir gehen derzeit schon davon aus, dass wir das Bad zu einem späteren Zeitpunkt im Jahr vielleicht öffnen können. Aber wie sich das dann ausgestaltet, muss sich noch zeigen.“

Sicher ist, dass im Falle einer Öffnung nichts so sein wird wie sonst. „An guten Tagen haben wir 2500 bis 3000 Badegäste, an schlechten immerhin 200 bis 400 Stammbesucher“, macht Weber die Dimensionen im Normalbetrieb deutlich. 2020 aber „wird der Badbetrieb nicht so sein, wie man ihn kennt“, ist sich Marion Brüning sicher. Weniger Besucher, zeitliche Einschränkungen für den Badbesuch über ein Ticketsystem – das könnten einige der notwendigen Maßnahmen sein. Vor allem: Der Badbesuch würde sich ganz sicher immer auch nur auf das reine Schwimmen beschränken – das gesellige Miteinander auf der Liegewiese, das chillen am Beckenrand oder im Wasser wären vermutlich tabu. Weil gerade diese Kontakte die Ausbreitung des Virus begünstigen.

Bäderteam-Leiter Konstantin Weber

„Durch das gechlorte Wasser selbst wäre übrigens keine Übertragung des Virus möglich“, sagt Bäderteam-Leiter Konstantin Weber und verweist auf entsprechende Aussagen des Umweltbundesamts und des Robert-Koch-Instituts. Verbunden wäre die Badöffnung in Zeiten der Corona-Krise für die Stadtwerke als Betreiber mit besonderen Vorsichtsregeln — etwa einem Schichtdienst des Bäderteams, um im Fall einer Infektion einen Komplettausfall zu verhindern. Wegen strengerer Auflagen wären sicher mehr Aufsichtspersonal, Security-Kräfte, konkrete Regelungen für die Einhaltung der Abstände zwischen den Besuchern nötig. Ein Corona-Notbetrieb sozusagen. „Aber besser als nichts“, so Dr. Wilhelm Drepper, der sich ausmalen kann, wie sich in den kommenden – möglicherweise heißen – Sommermonaten die Menschen nach einem Freibadbesuch sehnen werden.

Neuland für alle

„Wir machen uns Gedanken, wie das alles gehen könnte, aber wir wissen nicht, was kommt,“ beschreibt Brüning das Dilemma, in dem die Stadtwerke als Träger der Gronauer Bäder stecken. Ein Konzept, das für diesen Fall mal eben aus der Schublade gezogen werden kann, gibt es nicht. Und an Konzepten zu arbeiten, deren Rahmenbedingungen nicht bekannt sind, ist schwierig bis unmöglich. Busch: „Diese Situation ist Neuland für uns alle.“

Neuerungen im Eper Bültenbad

Auch im Eper Bültenbad laufen seit längerem die Vorbereitungen für die Eröffnung, die eigentlich für den 1. Juni geplant war/ist. Und es sind nicht nur die „normalen“ Vorbereitungen, denn im Eper Bad laufen Umbauarbeiten. „Unter erschwerten Bedingungen“, wie Bäderteamleiter Konstantin Weber betont. Freuen dürfen sich die Besucher – wenn das Bad denn öffnet – auf einen neuen Wasserspielplatz, neu gestaltete Grünanlagen, ein neues Rondell mit Doppelliegen — und überhaupt auf mehr Einzel-Liegen. Die Zahl wurde verdoppelt, weil sie in der Vergangenheit sehr gefragt waren. Einziger Wermutstropfen: „Die Liegen kommen aus Italien“, sagt Weber und nennt damit den Grund, warum sie wie andere Ausrüstungsgegenstände noch nicht da sind. Aber im Moment werden sie ja auch noch nicht gebraucht. . .

Für April und Mai werden Kunden, die das Bäder-Abo abgeschlossen haben, keine Beiträge abgebucht, wie Brüning sagt. „Wenn wir unter Notbedingungen öffnen, müssen wir dazu neue Überlegungen anstellen“, ist auch hier das weitere Vorgehen ungewiss. Für eingefleischte Schwimmer ist das nur ein schwacher Trost – und sicher keine Entschädigung für die entgehenden Schwimmfreuden.

Stadtwerke-Geschäftsführer Dr. Wilhelm Drepper

Die weitere allgemeine Entwicklung im Bäderbereich gilt es jetzt abzuwarten. Drepper ist vorsichtig optimistisch: „Hinter den Kulissen laufen Bemühungen des Bäderverbands, um mit der Politik über einen Stufenplan für die Bäderöffnung ins Gespräch zu kommen“, sagt er. Sollte es dazu Regelungen geben, würden sie durch die Stadtwerke auf die Gronauer Situation bezogen konkretisiert. Das würde auch vom Aufsichtsrat mitgetragen, so Drepper.

Bis dahin wird der Edelstahl des Beckens weiter einsam in der Sonne blitzen und das Wasser im Becken – die Befüllung war aus technischen Gründen erforderlich, die Umwälzung läuft derzeit auf Sparflamme – auf Gäste warten. „Wir brauchen eine Woche Vorlauf vor einer Eröffnung“, macht Bäderteamleiter Weber deutlich. Denn: Der Vorlauf sei für die abschließende Reinigung und das Aufheizen bzw. chloren des Wassers – in Gronau immerhin 2200 Kubikmeter (Epe: 1900) nötig. Dann könnte es losgehen. . .

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