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Ramona und Stephan Tillmann erhalten für Innovation Mehlwurmfarm Landwirtschafts-Förderpreis

„Ein echtes Leuchtturmprojekt“

Epe

Einst wurden sie für ihr Vorhaben belächelt, jetzt heimsten sie sogar eine Auszeichnung ein: Die Eheleute Ramona und Stephan Tillmann haben jetzt für die Umsetzung ihrer Innovation Mehlwurmfarm den Preis für die Landwirtschaft des Kreises Borken erhalten. Vertreter des Trägervereins sind am Donnerstag zum Hof gekommen, um den Preisträgern zu gratulieren und sich im Rahmen einer Führung Einblick in die Betriebsabläufe zu verschaffen.

Von Ralph Schippers

Gruppenbild: Die Fördervereins- und Stadtvertreter gratulierten der Familie Tillmann zur Auszeichnung mit dem Landwirtschaftspreis. Es schloss sich eine Führung durch das Herzstück der Farm an (kl. Bild): In der Reproduktion werden alle Stadien des Lebenszyklus des schwarzen Mehlkäfers abgebildet. In den Verkauf kommt die Larvenform. Foto: rs

Als sich Ramona und Stephan Tillmann 2019 entschlossen, ihre Geschäftsidee „Mehlwurmfarm mit Larven des Schwarzkäfers“ in die Tat umzusetzen, war das mit hohen Hürden verbunden. Wie sich das nötige Fachwissen aneignen? Die wenigen Betriebe, die diese landwirtschaftliche Produktinnovation betrieben, blockten ab. Hinzu kam eine gehörige Portion Skepsis im Umfeld. „Viele haben uns belächelt, haben unser Vorhaben als spinnert abgetan“, erinnert sich der Hofbesitzer. Doch die Tillmanns ließen sich nicht entmutigen. Nicht nur, aber sicher auch für dieses Durchhaltevermögen und ihre gezeigte, beispielhafte Innovationsbereitschaft in einer von großen Umbrüchen gekennzeichneten Wirtschaftsbereich sind sie im März mit dem „Förderpreis für die Landwirtschaft“ ausgezeichnet worden. Der wird alle zwei Jahre vom Förderverein für die Landwirtschaft im Kreis Borken vergeben, der durch die Landwirtschaftskammer, den landwirtschaftlichen Kreisverband und die Sparkasse Westmünsterland getragen wird. Vertreter aller drei Institutionen waren im Nachgang am Donnerstag auf dem Hof der Tillmanns im Kottigerhook zu Gast, um den Preisträgern nochmals zu gratulieren und sich den Zuchtbetrieb in der Praxis zeigen zu lassen.

„Wir fühlen uns sehr geehrt und sind auch ein wenig stolz auf das Erreichte“, sagte Hausherr Stephan Tillmann zur Begrüßung der Gäste, zu denen als lokale Vertreter auch Bürgermeister Rainer Doetkotte und WTG-Geschäftsführerin Katharina Vater zählten. Die Nachfrage sei stetig steigend, die Produktion werde räumlich entsprechend angepasst, berichtete er. Mittlerweile beschäftige man drei 450-Euro-Kräfte, im kommenden Monat komme eine Vollzeitkraft hinzu. Tillmann ist selbst überrascht: „Da, wo wir heute stehen, hätten wir uns noch vor einem Jahr kaum träumen lassen.“

800 Kilogramm Mehlwürmer im Monat

Der Eper Landwirt erinnerte an einige Meilensteine auf dem Weg zum heutigen Vermarktungserfolg, der aus Verkäufen über den zu Jahresanfang eingerichteten Online-Shop gespeist wird. Der verfahrenstechnische Durchbruch sei die Beteiligung an einem wissenschaftlichen Forschungsprojekt mit der Uni Karlsruhe gewesen, später dann in der Vermarktung die erteilte Zertifizierung als offizielles Einzelfuttermittel durch das Landesamt für Natur, Umwelt und Verbraucherschutz (LANUV).

Abnehmer der Mehlwürmer seien Zoos, Tierparks (auch der Gronauer), Auffangstationen für Wildtiere, aber auch Vogelzüchter deutschlandweit. Bis zu 800 Kilogramm würden mittlerweile monatlich in den zur Verfügung stehenden rund 1500 Zuchtbehältnissen. Angefangen habe man mit drei. Dennoch sei die Mehlwurmproduktion weiterhin nur das Nebengeschäft im Vollerwerbsbetrieb. „Die Ferkelaufzucht bleibt unser Hauptstandbein“, stellt Tillmann heraus.

Jürgen Büngeler, Vorstand der Sparkasse Westmünsterland und Fördervereins-Vorsitzender, bezeichnete die Mehlwurmfarm als echten Leuchtturm. Man zeichne mit dem Förderpreis, der im Fall der Tillmanns mit einem Preisgeld in Höhe von 1500 Euro verbunden ist, herausragende Innovationen im Bereich der Landwirtschaft aus. Auch Bürgermeister Rainer Doetkotte gratulierte den Preisträgern. Sie hätten sich mit einer pfiffigen Idee auf den Weg in die Zukunft gemacht.

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