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Als Statist bei „Game of Thrones“

Einer von den Guten

Epe/Belfast

Stefan Haget aus Epe hat als Statist bei „Game of Thrones“ mitgewirkt. Und der US-amerikanische TV-Sender HBO landete mit der Verfilmung der Romanvorlage „Das Lied von Eis und Feuer“ von George R. R. Martin einen echten Coup.

Christiane Nitsche

Immer im Hintergrund, aber nicht minder wichtig sind die Statisten bei „Game of Thrones“. Im Screenshot einer Szene aus Staffel sechs ist Stefan Haget markiert rechts am Bildrand zu sehen. Foto: Screenshot

Der Aufwand ist bombastisch: bis zu 600 Statisten, 25 Drehtage, 86 Stunden reines Filmmaterial für eine Sequenz von 40 Minuten. „Es ist wohl wirklich die größte TV-Serie aller Zeiten“, sagt Stefan Haget über „Game of Thrones“. „Inklusive Crew waren da bis zu 900 Leute am Set.“ Mittendrin: Stefan Haget aus Epe.

Der 24-Jährige studiert Mathe und Englisch in Dortmund und will Lehrer werden. Aktuell absolviert er das erste Semester im Masterstudiengang. Im Rahmen seines Studiums war er 2014 in Belfast. „Da wurde damals die fünfte Staffel gedreht“, erinnert er sich. „Und viele der Statisten wohnten im selben Hostel wie ich.“ Er sei gefragt worden, ob er nicht Lust hätte mitzumachen. Sein Vollbart sei da „nicht ganz unhilfreich“ gewesen, bekennt er lachend.

„Ich bin ein großer Fan“

Die Frage war eher eine rhetorische. „Ich bin ein großer Fan“, erzählt Haget. Das gelte für fast alle Statisten, die sich für die opulenten Monumentalszenen immer wieder in Fantasierüstungen, ins Kriegsgetümmel und in den Dreck warfen – für denkbar kleines Entgelt. „Manchmal steht man den ganzen Tag im Regen und im Matsch und liegt in einer Gruppe im Dreck.“

Sein Vollbart war „nicht ganz unhilfreich“, glaubt Stefan Haget. Foto: Christiane Nitsche

Mal gut, mal böse

Bogenschütze war er – „einer von den Guten“, wie er lachend erzählt. Aber auch bei den Bösen lief er mal mit. „Dragon Unit“ hieß das Team, dem er zugeordnet war. „Wolf Unit“ ein weiteres. Jeweils erkennbar an den Team-Jacken, die auf dem Set halfen, den Überblick zu behalten. Die Jacken durfte er behalten.

„Man macht es nicht für Geld“, sagt Haget. „Das lohnt sich nicht.“ Es gebe eine Aufwandsentschädigung, mehr nicht. Kosten für Flug und Hostel würden auch nicht erstattet. Selbst Ruhm und Ehre halten sich in überschaubaren Grenzen.

„Uns wurde immer gesagt: Ihr seid der Hintergrund.“ Wer versuche, sich in den Vordergrund zu drängen, werde gnadenlos rausgeschnitten. „Man kann da nicht eine Rolle in Hollywood erwarten“, lacht Haget. Die Produktionsfirma appelliere da eher an den Fangeist.

Buch-Adaption

Mit Erfolg: Der US-amerikanische TV-Sender HBO landete mit der Verfilmung der Romanvorlage „Das Lied von Eis und Feuer“ von George R. R. Martin einen echten Coup. Die TV-Adaption schickt sich an, die Welt-Bestsellererfolge der Buchreihe noch zu toppen. Während die sechste Staffel bereits läuft, ist das Buch dazu noch nicht erschienen.

Auch Haget hat sein Interesse von den Büchern zur TV-Serie gewandt, obwohl er die Romane sogar im Original liest. „Sie sind sehr komplex“, sagt er. „Es ist schwierig zu folgen, wenn man die Bilder nicht vor Augen hat.“ Aber: „Wenn man sich einmal reingekämpft hat, fesselt es.“ Einziger Wermutstropfen: „Man darf sich keine Lieblingscharaktere suchen.“ Denn George R. R. Martin konfrontiert seine oft noch kindlichen, jungen Figuren mit teils drastischen Gewalt- und Sexszenen – und lässt immer wieder Hauptcharaktere über die Klinge springen.

Eine Szene aus Staffel 5: Kit Harington als Jon Schnee, Stephen Dillane als Stannis Baratheon und Liam Cunningham als Davos Seaworth. Foto: Sky

Kenner sagen "GoT"

In der Geschichte des durchaus erfolgsgewohnten Senders („The Wire“, „The Sopranos“, „True Detective“, „Sex and the City“) gilt „GoT“, wie die Serie in Kennerkreisen genannt wird, als die bisher erfolgreichste. Allein zwölf Emmys heimste die Serie 2015 ein, Peter Dinklage bekam für seine Verkörperung des Tyrion Lannister 2012 den Golden Globe, und wiederholt wird die Stunt-Crew mit Preisen überhäuft.

Siebte Staffel mit Verspätung

Fans der Fantasy-Serie «Game of Thrones» werden sich im kommenden Jahr etwas gedulden müssen. Die Folgen der siebten Staffel der preisgekrönten Serie starten 2017 nicht wie gewohnt im Frühjahr, sondern erst im Sommer.

Der Dreh als Praktikum

Für Stefan Haget sieht der Lohn anders aus. „Ich konnte die Arbeit dort für mein Studium als außerschulisches Praktikum anerkennen lassen“, erzählt er. „So hat es sich auf jeden Fall gelohnt.“ Außerdem sei er durch die Erfahrung vor Ort mit vielen Briten unterschiedlicher Herkunft in Sachen Akzent jetzt mit allen Wassern gewaschen. Ob Iren, Schotten oder Waliser: „Da kann mich nichts mehr schocken.“

Missen möchte er die Erfahrung auf keinen Fall. „Das war eine schöne Sache“, sagt er. Doch er ist Realist. „Groß umwerfen würde ich dafür nicht etwas.“ Allerdings könne es sein, dass im September wieder eine Anfrage von der Produktionsfirma kommt. „Vielleicht mache ich dann bei der nächsten Staffel noch einmal mit.“

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