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Blindgänger: Fünf Verdachtsfälle auf dem Gelände des ehemaligen Hertie-Kaufhauses

Evakuierung der Innenstadt droht

Gronau

Die Gronauer Innenstadt wurde in den letzten Kriegstagen bombardiert. Blindgänger liegen möglicherweise auch in dem Areal des ehemaligen Hertie-Kaufhauses. Wenn sich die Verdachtsfälle bestätigen, müssen am 4. September rund 1000 Menschen ihre Häuser verlassen.

Von Martin Borck

Das rot umrandete Gebiet wird am 4. September evakuiert werden, falls auf dem Areal des ehemaligen Hertie-Kaufhauses Blindgänger entschärft werden müssen. Mit Hilfe von Pumpen wird der Grundwasserspiegel im Bereich der Verdachtsstellen gesenkt. Foto: Stadt GronauMartin Borck

Optimal wäre es, wenn sich die Verdachtsfälle allesamt als harmlos erweisen würden. Doch das Leben ist kein Konjunktiv: Die Stadt muss sich auf alle Eventualitäten vorbereiten. Es kann also gut sein, dass am 4. September Teile der Gronauer Innenstadt gesperrt werden und etwa 1000 Menschen ihre Häuser verlassen müssen. Aber nur dann, wenn tatsächlich Blindgänger aus dem Zweiten Weltkrieg in der Grube gefunden werden, wo früher das Hertie-Kaufhaus stand.

„Bei Untersuchungen sind fünf Verdachtspunkte ermittelt worden“, erläutert Christian Jansen, beim Fachdienst Sicherheit und Ordnung zuständig für Fragen der Kampfmittelräumung. „Und diese Stellen muss man jetzt aufgraben.“

Eine Fachfirma wird im Auftrag des Kampfmittelräumdiensts am 2. und 3. September diese heiklen Arbeiten vornehmen. Bis dahin muss der hohe Grundwasserpegel in dem Bereich abgesenkt werden. Die Pumpen sind bereits installiert.

Ausgraben und nachgucken

Etwa dreieinhalb Meter tief müssen die Experten ins Erdreich eindringen, um dann an die fünf vermeintlichen Blindgänger zu gelangen, die über das ganze Areal verteilt ausgemacht wurden. Eine Luftbildauswertung hatte eine Vielzahl Hinweise auf mögliche Bomben ergeben. Im November 2018 wurden erste Sondierungen der Fläche vorgenommen. Danach wurden für eine magnetische Detektion Sonden eingebracht. Das Resultat der Auswertungen: Etliche Verdachtsstellen erwiesen sich als harmlos. Die fünf übrig gebliebenen jedoch müssen näher untersucht werden. Das bedeutet: Ausgraben und nachgucken, um was es sich handelt – eine alte Milchkanne oder tatsächlich um einen Blindgänger.

Eine Woche muss erstmal gepumpt werden. Danach werden die verdächtigen Gegenstände durch die Experten freigelegt. Sollte sich herausstellen, das es sich um Bomben handelt, muss am 4. September (Samstag) ein Gebiet rund um die Hertie-Grube evakuiert werden. An diesem Tag würden die Bomben gegebenenfalls entschärft oder – wenn es nicht anders geht – kontrolliert gesprengt werden. Der Fachdienst der Stadt, Polizei, Feuerwehr und THW haben sich auf die notwendigen Maßnahmen vorbereitet. „Der Evakuierungsradius ist in Abstimmung mit der Bezirksregierung Arnsberg festgelegt worden“, sagt Rainer Hoff, Leiter Fachdienst Sicherheit und Ordnung.

Eine große Erleichterung: Weder das St.-Antonius-Hospital noch der City-Wohnpark liegen innerhalb dieses Gebiets (Details siehe Kartenausschnitt). Im nördlichen Teil der Neustraße dürfen die Menschen in ihren Wohnungen bleiben – allerdings nicht auf die Straße.

Weder Antonius-Hospital noch City-Wohnpark in der Zone

Die Bevölkerung wird durch Sirenen und eine Benachrichtigung über die Nina-App gewarnt. Feuerwehr und THW werden kontrollieren, ob die betroffenen Wohnungen tatsächlich verlassen sind. Für die Evakuierten steht die Bürgerhalle zur Verfügung. Dass die Maßnahme nicht früher durchgeführt wurde, hing mit Corona zusammen.

Wie lange sie dauern wird? Hoff und Jansen zucken die Schultern. „Das hängt von der Art der Funde ab.“

Sie gehen aber davon aus, dass die Maßnahme im Laufe des Samstags abgeschlossen wird. Um 8 Uhr soll mit der Evakuierung begonnen werden. Die Entschärfungen sollen erfolgen, sobald sichergestellt ist, dass sich keine Menschen mehr in den Wohnungen aufhalten.

Die Verantwortlichen bitten bettlägerige Personen, sich wegen eines Krankentransports rechtzeitig unter

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