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Niederlande wollen Kriminellen den Wind aus den Segeln nehmen

Experiment: Legaler Cannabis-Anbau

Enschede/Losser

Die Gemeinde Losser hat sich um die Teilnahme beworben, und auch in Enschede gibt es Interesse an dem Experiment: dem legalen Cannabisanbau. Er soll die niederländischen Kommunen aus einer rechtlichen Zwickmühle befreien.

Martin Borck

Der Anbau von Cannabis soll in den Niederlanden aus der Illegalität geholt werden. Losser will an einem Experiment teilnehmen. Foto: Frey/dpa

Derzeit werden der Besitz und Verkauf von Cannabisprodukten in den Niederlanden bis zu bestimmten Mengen geduldet – der Anbau dagegen ist nicht erlaubt. Die Koffie­shops, in denen man Haschisch, Marihuana, „Wiet“ und „Gras“ kaufen und konsumieren kann, sind auf die Produkte aus illegalem Cannabisanbau angewiesen. Somit unterstützen sie und die Konsumenten letztendlich kriminelle Kreise.

Cannabis-Anbau in großem Stil

Der Cannabis-Anbau erfolgt in großem Stil: In angemieteten Hallen und Wohnungen oder auf abgelegenen Höfen werden oft riesige Plantagen mit mehreren tausend Pflanzen angelegt. Immer wieder werden derartige Plantagen entdeckt. Der Strom für die Wärmelampen wird meist illegal abgezapft. Die Personen, die die Plantagen bewirtschaften, sind meist kleine Fische. Im Hintergrund ziehen kriminelle Organisationen die Strippen.

Experiment in zehn Kommunen

Die Kommunen, die Koffieshops tolerieren, bringt diese Situation – geduldeter Handel mit illegal hergestellten Produkten – schon lange in Erklärungsnot. Das Problem war auch Thema bei den Koalitionsverhandlungen in den Niederlanden. Ergebnis: Es wird ein Gesetz vorbereitet, das den rechtlichen Rahmen für Experimente mit legalem Anbau von Cannabis bildet. „Die Experimente sollen in bis zu zehn mittelgroßen Kommunen durchgeführt werden“, heißt es im Koalitionsvertrag. Das „Wiet“ soll sozusagen dekriminalisiert an die Koffieshops geliefert werden. Die Regierung will jedes der Experimente einzeln und unabhängig voneinander auswerten.

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Das legale Cannabis könnte für Koffieshop-Betreiber eine Alternative darstellen. Doch ob die Experimente Auswirkungen auf den illegalen Anbau haben, ist eher fraglich. Die Polizei Twente schätzt, dass über 80 Prozent des in Twente angebauten Cannabis für den „Export“ bestimmt sind und über die Grenze geschmuggelt werden.

Bis zu fünf Pflanzen für den Eigengebrauch erlaubt

Eine andere Möglichkeit, den Cannabisanbau aus der Illegalität zu holen, wäre eine Erlaubnis, „Gras“ für den Eigengebrauch anzubauen. Auch das ist derzeit ein rechtlicher Graubereich. Wer nicht mehr als fünf Pflanzen besitzt und keine Hilfsmittel wie Wärmelampen benutzt, macht sich nicht strafbar. Die Polizei kann zwar dennoch die Pflanzen beschlagnahmen, die Züchter allerdings nicht strafrechtlich verfolgen.

Der Rat von Losser hat mehrheitlich die Region Twente als Experimentierfeld vorgeschlagen, um die Probleme mit illegalen Plantagen in den Griff zu bekommen. Und das, obwohl die Gemeinde selbst keinen Koffieshop beherbergt. Auch in Enschede gibt es Bestrebungen, sich dem Vorstoß anzuschließen.

Läden für Hanfprodukte eröffnet

Die Zeitung Twentsche Courant Tubantia berichtet über zwei Unternehmer, die in der Innenstadt einen Laden für Hanfprodukte eröffnen. In ihrer „Cannatheek“ wollen sie zunächst nur Hanferzeugnisse anbieten, die kein THC enthalten. (THC ist der rauschauslösende Wirkstoff.) Nahrungsergänzungsstoffe auf Hanfbasis gehören dazu. Außerdem bietet der Laden die Möglichkeit, Cannabisprodukte auf ihre Qualität zu testen. Die beiden Unternehmer hoffen darauf, dass sie künftig auch THC-haltige Produkte für medizinischen Anwendungen verkaufen dürfen. Das ist derzeit Apotheken vorbehalten.

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