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Auswirkungen der Pandemie

Harter Schlag fürs Driland-Kolleg

Gronau

Fast auf den Tag genau 14 Monate ist es her, da wurde in NRW zum ersten Mal das verhängt, was inzwischen in aller Munde ist: Lockdown. Am Freitag den 13. März 2020 verkündet, ab dem darauffolgenden Montag blieben die Schulen zu.

Frank Zimmermann

Im Driland-Kolleg findet zurzeit Präsenzunterricht statt. Da die Kurse relativ klein sind, können die Studierenden gut Abstand halten. Foto: Driland-Kolleg

Fast auf den Tag genau 14 Monate ist es her, da wurde in NRW zum ersten Mal das verhängt, was inzwischen in aller Munde ist: Lockdown. Am Freitag den 13. März 2020 verkündet, ab dem darauffolgenden Montag blieben die Schulen zu.

„Wir hatten etwas mehr Vorlaufzeit, so etwa eine Woche“, erinnert sich Oliver Keesen, Leiter des Gronauer Driland-Kollegs. Wertvolle Zeit, die das Kollegium nutzte, eine bereits vorhandene digitale Lernplattform (abitur-online.nrw) für alle Lehrenden und Studierenden zu öffnen. „So konnten wir schnell in einen digitalen Modus gehen“, erzählt Keesen.

Digitalisierungsprozess geriet regelrecht in eine Lawine

Dass der Digitalisierungsprozess am Weiterbildungskolleg schon begonnen hatte, erwies sich in der Krisensituation als echter Vorteil. Dieser sei durch die Pandemie regelrecht „in eine Lawine geraten“, formuliert der Schulleiter es sehr plastisch. Ein noch fehlendes Videosystem wurde schnell nachgerüstet, sodass ab Anfang April die Hälfte des Unterrichts über Videokonferenzen laufen konnte, während die Studierenden aufgefordert waren, die andere Hälfte eigenverantwortlich zu absolvieren. Wie an anderen Schulen auch war die private technische Ausstattung ein wichtiges Thema für das Gelingen des Distanzunterrichts. Hier kam dem Kolleg zugute, dass die Stadt als Schulträger relativ kurzfristig vor allem Tablet-Computer angeschafft hatte, die an die Studierenden ausgeliehen werden konnten.

Oliver Keesen, Leiter des Driland-Kollegs

Trotzdem hat die Pandemie das Driland-Kolleg hart getroffen: „Nach dem ersten Lockdown waren etwa 25 Prozent der Studierenden weg“, bilanziert Oliver Keesen. Jeder Vierte! Mütter seien das zum Beispiel gewesen, deren Kinderbetreuung plötzlich weggebrochen war. Studierende, die aufgrund der Pandemiebekämpfung ihren Job verloren haben und sich erstmal um ihre wirtschaftliche Existenz kümmern mussten. Menschen aus dem europäischen Ausland, die sich in Deutschland eine neue Existenz aufbauen wollten, wegen der unsicheren Lage aber lieber in ihre Heimat zurückgekehrt seien. Und wer ohnehin erst noch dabei war, Deutsch zu lernen, für den war die hauruckartige Digitalisierung des Unterrichts eine zusätzliche Belastungsprobe. „Das war für die Erwachsenenbildung die größte Katastrophe“, sagt Keesen und betont: „Das betrifft vor allem auch die Bildungschancen derer, die sich integrieren und weiterkommen wollten.“

Inzwischen hätten die Erfahrungen mit der Digitalisierung außerdem bestätigt, was das Kollegium ohnehin schon als sicher angenommen hatte: Ein Großteil der Arbeit am Kolleg ist Beziehungsarbeit. Die Studierenden – auch wenn sie schon erwachsen sind – ziehen viel Motivation aus dem unmittelbaren Kontakt zu den Lehrenden. Ausschließlich Unterricht aus der Ferne funktioniert nicht.

Doppelbelastung durch Präsenz- und Distanzunterricht

Stichwort Kollegium: Auch für die Lehrenden sei die Pandemie-Zeit belastend, nicht zuletzt durch die Doppelbelastung durch Präsenz- und Distanzunterricht.

Für das kommende Semester würde Oliver Keesen sich vom Land NRW personelle Verstärkung für das Driland-Kolleg wünschen. Um zum Beispiel in Kleingruppen den Stoff nachzuarbeiten, der in der aktuellen Situation auf der Strecke geblieben ist.

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