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Sommerkrimi, Folge acht

Hautfetzen auf dem Pflaster

Pfarrer Brückenmann von der Agnes-Gemeinde ist verschwunden. Die Kommissare Fuhrkemper und Jörgens nehmen Ermittlungen in der Kirche auf, wo ein blutbefleckter Kerzenständer gefunden wurde. Durch einen Brief an der Martersäule erfahren sie, dass Brückenmann entführt wurde. Auch die Redaktion des Gronauer Anzeigers beschließt, sich auf die Suche zu begeben. Die Spur führt zu den Gegnern der Eper Ortsumgehung.

Von Martin Borck

Die Kommissare wollen eine DNA-Probe von Herrn Tollmann nehmen. Das ist für den Eperaner Motivation genug, seine angeklebten Hände vom Pflaster zu reißen und Fersengeld zu geben. Foto: Heinrich Schwarze-Blanke

„Hat doch noch jemand Anzeige erstattet wegen Behinderung?“, fragt Bültenmann die Kommissare. „Der Bürgermeister hat doch davon abgesehen . . .“ – „Nein, wir kommen nicht wegen der Protestaktion, sondern wegen einer anderen Sache“, antwortet Fuhrkemper und wendet sich an den Mann auf der Auffahrt. „Herr Tollmann, wie stehen Sie zu Pfarrer Brückenmann?“ – „Brückenmann?“, Tollmann scheint erstaunt. „Nun, er ist Pastor von St. Agnes. Wir gehören zur Pfarrgemeinde. Insofern kenne ich ihn, aber sonst haben wir kaum was miteinander zu tun. Wieso fragen Sie?“ – „Weil Brückenmann heute Nacht entführt worden ist“, sagt Jörgens. – „Und jetzt denken Sie, ich hätte damit was zu tun?“ – „Haben wir etwas derartiges behauptet, Herr Tollmann? Ich glaube nicht. Haben Sie denn tatsächlich etwas mit dem Verschwinden zu tun?“ – „Nein, natürlich nicht! Sie versuchen, mir etwas in den Mund zu legen, was ich nicht gesagt habe“, ruft Tollmann und versucht vergeblich, sich aus seiner misslichen Lage zu befreien. „Nun sagen Sie schon, was los ist!“ – „Können Sie sich vorstellen, warum die Entführer verlangen, die Pläne für die Ortsumgehung Epes sofort einzustellen?“, fragt Fuhrkemper. – „Was? Nein, ich verstehe das nicht“, ruft Tollmann, gerade als Martin Burg mit hochrotem Kopf den Ort des Geschehens erreicht. Tollmann fährt fort: „Ich bin ein erbitterter Gegner der neuen Straße, ja. Ich bin bereit, persönliche Opfer zu bringen und Protestaktionen durchzuführen, ja. Aber warum um alles in der Welt sollten ich oder meine Freunde einen Pfarrer entführen?“ – „Vielleicht, um Ihrer Sache mehr Öffentlichkeit zu verschaffen? Oder um tatsächlich die Politik unter Druck zu setzen?“ – „Als ob eine Entführung was bringen würde . . .“ – „Aber Sie haben schon mal daran gedacht?,“ bohrt Jörgens weiter. – „Nein!“, widerspricht Tollmann mit Nachdruck. „Niemals! Fragen Sie doch Herrn Burg, der kennt mich, er hat mehrfach über unsere Bedenken gegen die Umgehung geschrieben.“ – „Das können wir machen“, sagt nun Fuhrkemper, „doch zuerst möchte ich wissen, was Sie gestern Abend und heute Nacht so getrieben haben?“ Tollmann wird blass: „Ich habe die heutige Aktion vorbereitet. Allein. Und um meine schlafende Frau nicht zu stören, habe auf der Couch im Wohnzimmer geschlafen…“ – „Also kein Alibi“, schlussfolgert Jörgens. „Nun, Herr Tollmann, das sieht nicht besonders gut aus für Sie. Dürfen wir Sie um eine DNA-Probe bitten“, hat Jörgens das Wattestäbchen schon in der Hand.“ – „Nein“, schreit Tollmann. Er versucht erneut, sich von den Steinplatten loszureißen – und diesmal klappt es. Das Lösungsmittel hat gewirkt. Ehe sich die Kommissare, die Feuerwehrleute oder auch Burg versehen, hat Tollmann seine Rennfiets gepackt und sich in den Sattel geschwungen. „Hinterher!“, ruft Jörgens, doch Fuhrkemper winkt ab. „Den kriegen wir schon noch. Wo soll er denn hin? Und außerdem“ – er zeigt auf ein paar kleine Hautfetzen, die Tollmann beim Losreißen auf dem Pflaster hinterlassen hat, „haben wir ja eine DNA-Spur. Sammel sie mal ein, dann bringen wir sie zu Dr. Ashram. Der soll die Ergebnisse mit den Spuren auf dem Kerzenständer aus St. Agnes abgleichen.“

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