1. www.wn.de
  2. >
  3. Muensterland
  4. >
  5. Gronau
  6. >
  7. Historisches Rathaus-Portal Anlass für Diskussionen

  8. >

Heimatverein und Politiker wollen Erhalt

Historisches Rathaus-Portal Anlass für Diskussionen

Gronau

Welchen Denkmalwert haben der Alte Rathausturm und andere Teile des historischen Gebäudes am Theodor-Heuss-Platz? Die Auffassungen darüber gehen auseinander, wie in der letzten Sitzung des Fachausschusses deutlich wurde.

Klaus Wiedau

Aus der Politik kommen deutliche Signale: Nicht nur der Rathausturm, auch das alte Portal sollte in den Neubauplanungen für ein Verwaltungsgebäude an der Bahnhofstraße Berücksichtigung finden. Foto: w

Interessiert verfolgten kürzlich im Bau- und Denkmalausschuss Mitglieder des Heimatvereins Gronau die Diskussion um den Denkmalwert des historischen Rathausturmes und anderer Teile des ehemaligen historischen Gronauer Rathauses an der Bahnhofstraße. Sie nahmen am Ende den Eindruck mit, dass den politisch Verantwortlichen neben dem Erhalt des als Denkmal eingeordneten Rathausturmes offenbar auch der Erhalt des historischen Meldeamt-Portals am Herzen liegt. Der Heimatverein setzt sich – wie berichtet – dafür ein.

Die Denkmalfachleute des Landschaftsverbandes Westfalen Lippe (LWL) hatten kürzlich – wie berichtet – in einem neuen Gutachten nur den Denkmalwert des historischen Rathausturmes festgestellt. Nach ihrer Ansicht sind die weiteren Fragmente des historischen Rathauses am Standort Bahnhofstraße nicht erhaltenswert. Das Rathaus wurde am 20. März 1945 bei einem Bombenangriff fast vollständig zerstört.

Dr. Chris Breuer (SPD) vertrat vor dem Bauausschuss die Ansicht, dass auch die übrigen Fragmente des historischen Verwaltungsbaus (das sogenannte Meldeportal und andere Reste) erhaltenswert und von daher in einen geplanten Neubau am Standort zu integrieren seien. Breuer betonte, dass es keine älteren Zeitzeugen für die Gründung und Entwicklung der Stadt gebe. Vor allem das sogenannte Meldeportal, durch das früher Einwohnermeldeamt und Stadtkasse zu erreichen waren, sei von geschichtlicher Bedeutung: „Das Portal ist ein interessanter Zeitzeuge, der für die Stadtgründung sehr wichtig ist.“

Stadtbaurat Ralf Groß-Holtick verwies indes in der Debatte darauf, dass Alter kein Kriterium im Sinne des Denkmalschutzgesetzes sei. Gleichwohl machte er deutlich, dass mit Blick auf die Reste des historischen Rathauses an der Bahnhofstraße und unter Berücksichtigung der Belange des Gronauer Heimatvereins in der Verwaltung „die nötige Sensibilität“ für den weiteren Umgang mit den Relikten der Vergangenheit vorhanden sei. „Sie werden das in der nächsten Ratssitzung sehen“, so der Stadtbaurat.

„Das Portal hat eine historische Bedeutung für die Stadt. Die UWG erwartet, dass das Portal erhalten wird“, machte UWG-Sprecher Jörg von Borczyskowski deutlich. Für ihn sei unstrittig, dass eine Transformation des Portals auch ohne Denkmalschutz hinzukriegen sei. Bei der Betrachtung, ob die Fragmente des Altbaus zu erhalten und in einen Neubau zu integrieren seien oder ein kompletter Neubau errichtet werde, gelte es aber auch finanzielle Aspekte zu berücksichtigen. Für ihn stehe in jedem Fall fest: „Das Portal muss erhalten bleiben.“

Herbert Krause (Pro Bürgerschaft/Piraten) verwies auf die Zuständigkeit der Stadt als Untere Denkmalbehörde: „Wir sind zuständige Behörde und können unter Schutz stellen.“ Das wiederum ließ Joachim Kraftzik, Leiter des Fachdienstes Stadtplanung und innerhalb der Verwaltung für Fragen des Denkmalschutzes zuständig, so nicht stehen. Die Stadt habe keinen Absolutheitsanspruch in Denkmalangelegenheiten – im Zweifelsfall spreche der zuständige Landesminister das letzte Wort. Für ein Fortbestehen des Portals sprach sich auch Werner Bajorath (SPD) aus: „Ich halte das Portal für erhaltenswert“, so seine Feststellung.

Erste konkrete Pläne für einen Neubau des historischen Rathauses am Standort Bahnhofstraße will die Verwaltung in der Ratssitzung am morgigen Mittwoch vorstellen. Dann wird sich zeigen, ob in diesen Plänen auch das historische Meldeportal und andere Reste des historischen Rathauses auftauchen. Die Sitzung des Rates findet angesichts der Corona Krise in der Bürgerhalle an der Spinnereistraße statt. Der öffentliche Teil beginnt um 18 Uhr.

Startseite