Neun Tage Musik

Endlich ein fester Spielort

Gronau

Nach zahlreichen Provisorien bekam das Jazzfest für seine Hauptkonzerte im Jahr 2003 seine feste Bleibe: die Bürgerhalle, die im Zuge der Landesgartenschau errichtet wurde.

Martin Borck

Maceo Parker präsentierte sich als elegante Rampensau. Foto: Kulturbüro

In einer Serie blicken wir auf das Gronauer Jazzfest zurück. Heute geht es um die 15. Auflage vom 26. April bis 4. Mai 2003.

2003 war das Jahr der Landesgartenschau in Gronau. Im Zuge der florealen Großveranstaltung mit einer Million Besuchern gönnte sich die Stadt Gronau eine neue Veranstaltungshalle: die Bürgerhalle als Mehrzweckveranstaltungsort.

Endlich hatte das Jazzfest einen zentralen Konzertsaal, der die ständigen Umzüge der Technik vom Zelt zur Aula des Gymnasiums überflüssig machte.

Elmar Hoff

„Die Bürgerhalle wurde in weniger als vier Monaten Bauzeit verwirklicht“, erinnert sich Elmar Hoff. Er wurde erster Geschäftsführer der neuen Kulturbüro GmbH. In diese Gesellschaft in Trägerschaft der Stadt ging 2003 die GbR über, die bislang Veranstalter des Fests war.

Elmar Hoff war und ist maßgeblich dafür verantwortlich, dass das Raumprogramm und die technische Ausstattung der Bürgerhalle auf die Erfordernisse abgestimmt waren. So gab es nun endlich einen professionell eingerichteten Backstagebereich mit Garderoben für die Musikerinnen und Musiker. Hoffs Idee war auch die Empore, die der Halle wiederum erst einen Empfangsbereich ermöglichte. „Mit Hilfe der Sponsoren und der Eigenleistung des früheren Arbeitskreises Jazzfest wurde der Feinschliff der Bürgerhalle für den täglichen Gebrauch unter dem Gesichtspunkt der Vielseitigkeit erreicht“, so Elmar Hoff.

Von diesen Ereignissen im Hintergrund bekam das Publikum nichts mit – die Jazzfans freuten sich vielmehr, dass das Programm auf neun Tage ausgedehnt wurde und ein breiteres Musikspektrum abbildete als je zuvor.

Neun Tage Programm

Mit dem neuen Domizil fremdelte das Publikum zunächst noch etwas. Die noch kahlen Wände ließen eine heimelige Atmosphäre vermissen. Aber dem Musikgenuss tat das keinen Abbruch.

Das erste Konzert in der Bürgerhalle gestaltete Uwe Ochsenknecht mit seiner Band. Er ist eigentlich eher als Schauspieler („Männer“, „Schtonk“) bekannt, wusste aber durchaus, wie man ein Rockkonzert hinlegt, wie er in Gronau zeigte.

Sascha Klaar zog am Tag darauf eine unglaubliche, schweißtreibende Show ab – er gibt bei jedem seiner Auftritte alles.

Jazzig wurde es mit der Pianistin Aki Takase, die in ihrem Solo-Vortrag Romantik und Neutönerisches, Ragtime und Swing vereinte. Das Trio Jacky Terrasson (Klavier), Sean Smith (Bass) und Gerald Cleaver (Schlagzeug) nahm die Zuhörerschaft anschließend auf eine wunderbar swingende Reise mit vielen Zitaten aus der Musikgeschichte mit.

Auch das Roy Hargrove Quintett und Trompeter Till Brönner gastierten in der Halle.

Inga Rumpf und Jocelyn B. Smith ließen bei den Konzerten mit ihren Gruppen die Halle Kopf stehen. Die beiden Sängerinnen verstanden sich prima und kamen zu Duetten auf die Bühne.

Zwei Prozent Jazz – 98 Prozent Funk: Maceo Parker

Zwei Prozent Jazz – 98 Prozent Funk – das war das Erfolgsrezept von Maceo Parker, der ein dreistündiges Feuerwerk abbrannte. Gleichzeitig elegant und als Rampensau – so präsentierte sich der Saxofonist. Ein Höhepunkt: die Version des Beatles-Klassikers von „Hey Jude“, bei der das Publikum minutenlang mitsang. Am Feiertag 1. Mai gingen Jazzfest und Landesgartenschau eine Symbiose ein: Jazz im Garten hieß es.

Swing im Dreierpack gab es am zweiten Jazzfest-Samstag: Das Rosenberg-Trio präsentiere Gitarrenjazz im Stile Django Reinhards. Schlagzeuger Charly Antolini hatte einige Spitzenmusiker mitgebracht, allen voran Saxofonist Steve Hooks. „Les Gigolos de Paris“ begannen ihr witziges Konzert mit weiche Knie erzeugender Leichtigkeit. Viel Klamauk – Klavier im Klump – und ein Nachtlied auf Deutsch, in dem sie unverhohlen ihre neueste CD anpriesen, rundeten das Programm ab.

Der Frühschoppen wartete mit einer besonderen lokalen Note auf: „Captain Jazz“ Theo Eimann holte etliche Gronauer Musiker auf die Bühne, darunter den „alten Kämpen des Jazz“, Jochem Vorstheim am Klavier.

Weiterer Star des Vormittags: Bill Ramsey, der viele Standards im Repertoire hatte. Am Schluss sorgten „Les Haricots Rouges“ erneut für musikalischen Spaß auf hohem Niveau. Den Abschluss des Jazzfest-Marathons gestalteten Alvin Johnsons Gospel Memorial Singers, die in der Stadtkirche ihr Gospelkonzert gaben.

Startseite