Sprengung vor 50 Jahren

„Kamelbrücke“ überspannte Dinkel

Gronau

Am Ende des zweiten Weltkriegs sprengten die Nazis die Kamelbrücke. Auf ihrem Fundament wurde eine neue Brücke errichtet, die Ende der 60er-Jahre der Stadtsanierung weichen musste. Dabei sollten dann auch die Reste der ursprünglichen Brücke beseitigt werden. Doch das war schwieriger als erwartet.

Eckhard W. Bohn

Markantes Merkmal der unweit des alten Hallenbades gelegenen „Kamelbrücke“ (Bild oben) war der gebogene Durchlass. Die Ansichtskarte zeigt die Brücke um 1920. Foto: Sammlung Eckhard Bohn

Die Anbindung der ehemaligen Baustraße – später Windmühlenstraße – an die Altstadt machte um 1900 den Bau einer weiteren massiven Dinkelbrücke notwendig. Die neue Straßenführung sollte damals insbesondere die stellenweise sehr beengte Neustraße entlasten. Das Brückenbauwerk wurde als steinerne Bogenbrücke in formschöner Architektur konzipiert. Der Vorteil dieser Bauart ist, dass der Gewölbebogen einen sehr stabilisierenden Einfluss ausübt und die Lastverteilung auf die einzelnen Widerlager gleichmäßig erfolgt.

Dinkel kanalartig ausgebaut

Da die Dinkel an dieser Stelle kanalartig ausgebaut und von nur geringer Breite war, genügte ein einziger Bogen als Überführung der Dinkel. Das zuständige Wasserbauamt in Münster wollte zudem mit dieser Bauart trotz geringer Flussbreite einen hohen Wasserdurchlauf erreichen. Zudem sollte die Aufstauung von Treibeis im Winter vermieden werden. Wegen der markanten Wölbung erhielt das Bauwerk im Volksmund sehr schnell den Scherznamen „Kamelbrücke“.

Das Ansichtskartenmotiv (Fotostandort Kamelbrücke) zeigt den kanalartigen Ausbau des Dinkelflussbettes am Rande der Gronauer Altstadt. Diese Ansichtskarte stammt aus der Zeit um 1930. Foto:

Kurz vor der Besetzung Gronaus durch alliierte Truppen sprengten die abziehende deutsche Wehrmacht Anfang April 1945 die vier Dinkel- bzw. Umflutbrücken im Stadtgebiet. Dieser Sprengung fiel auch die Kamelbrücke zum Opfer. Erhalten blieb lediglich die Dinkelbrücke an der damaligen Bentheimer Straße. Nach einer behelfsmäßigen Reparatur entschied man sich nach der Hochwasserkatastrophe 1946, das alte Brückenbauwerk durch einen zweckmäßigen Neubau in Betonbauweise mit Stahlgeländer zu ersetzen. Im Volksmund blieb für die neue Überführung der alte Beiname Kamelbrücke jedoch weiter erhalten.

Abriss mittels Sprengungen

Gut 20 Jahre später hatte aber auch diese Brücke endgültig ausgedient. Im Rahmen der Innenstadtsanierung und Neugestaltung der Straßenführungen begann ab Herbst 1968 der Abriss mittels Sprengungen. Die Sprengarbeiten erwiesen sich als zeitraubend und erfolgten wegen der minimalen Sprengladung fast „tropfenweise“, wie die Gronauer Nachrichten schrieben. Zur Absicherung der Umgebung bediente man sich ausgedienter Autoreifen des benachbarten Reifenhandels Fauth. Die letzten Spuren der Kamelbrücke wurden schließlich vor fast genau 50 Jahren beseitigt. Damals sprengte man im Juli 1969 das übrig gebliebene Brückenfundament. Es sollte aber, so lehrt die spätere Geschichte, nicht der letzte Abriss einer „Kamelbrücke“ in Gronau gewesen sein.

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