Überbauung der Dinkel

Kampf gegen Rost und Bröckelbeton

Gronau

In der Gronauer Unterwelt grummelt es. Die Ursache dafür: Handwerker schauen sich die Dinkelüberbauung an und stoßen dabei auf einige Herausforderungen. Wie wichtig die Sanierung ist wird dadurch deutlich, dass einige Häuser auf den über 100 Jahre alten Fundamenten errichtet wurden.

Klaus Wiedau

Mitarbeiter einer Fachfirma sind derzeit in der Dinkelüberbauung zwischen Neusstraße und „Klein Venedig“ bei der Arbeit. Sie legen an beschädigten Stellen von Decke und Seiten Stahlträger frei, um neuen Korrosionsschutz aufzubringen. Foto: Frank Kuhls, Stadt Gronau

Das Rattern des Presslufthammers dringt bis zu den Passanten und den Kunden in den Geschäften oben in der Neustraße hinauf. Woher das Geräusch genau kommt, ist schwer zu orten. Aber: Eingeweihte wissen, dass es aus der Gronauer Unterwelt kommt. Die ist an dieser Stelle rund 30 Meter lang, knapp sechs Meter breit und vor allem eines: Sanierungsbedürftig. Noch bis Ende August, so die Planung, „kämpfen“ in der Dinkelüberbauung zwischen Neustraße und „Klein Venedig“ Bauarbeiter gegen abplatzenden Beton, rostenden Stahl und Schlamm unter den Stiefeln.

In Teilbereichen besteht diese Dinkelüberbauung, auf der immerhin mehrstöckige Häuser stehen, seit mehr als 100 Jahren. Im ältesten Teil ist die Überbauung als eine leicht gewölbte Massivdecke ausgeformt, die nach vorliegenden Angaben in der Zeit vor 1900 erstellt worden sein soll. Immer wieder wurden Abschnitte ergänzt, angebaut, verstärkt und/oder mit neuen Stahlträgern versehen – so datieren Fachleute andere Deckenfelder der Überbauung aufgrund ihrer jeweiligen Konstruktion auf die Zeit um 1911 oder 1957.

Dringende Notwendigkeit zur Untersuchung

Der Gedanke, sich diesen „Flusstunnel“ genauer anzusehen, kam 2012 auf, als mit dem Umbau des Geschäfts „Wolbers City“ auch eine Umnutzung der Dinkelüberbauung erfolgte. In Gesprächen zwischen Stadt und drei weiteren privaten Eigentümern wurde „die dringende Notwendigkeit von Bauwerksuntersuchungen und Materialprüfungen festgestellt“, wie Frank Kuhls im Gespräch mit den WN betont. Kuhls ist Diplom-Ingenieur und im Fachdienst Tiefbau der Stadt für Brücken- und Wasserbau zuständig. Dass das Projekt mit mehrheitlich privaten Eigentümern jetzt auf seinem Schreibtisch liegt, liegt daran dass die Stadt die komplexe Sanierungsmaßnahme koordiniert, obwohl der Kommune nur ein vergleichsweise kleiner Teil der Dinkelüberbauungsfläche gehört. Eine größere öffentliche Fläche – der eigentliche Brückenbereich Neustraße – wurde bereits 2013 in einer separaten Maßnahme saniert. Im Zuge des geplanten Umbaus der Neustraße soll später auch der kleine Brückenweg zum Eberle-Platz hin saniert werden müssen.

Zum Abschluss der Sanierung wird mit Spritzbeton wieder eine geschlossene Fläche hergestellt. Foto: Frank Kuhls, Stadt Gronau

Für das aktuelle Projekt galt es – gemeinsam mit den anderen Eigentümern – viele Fragen zu klären. Neben einem konkreten Konzept für die Sanierung ging es dabei beispielsweise auch um vertragliche Vereinbarungen der Beteiligten untereinander. So reichen etwa die Flächen der jeweiligen Eigentümer nur bis zur Flussmitte, wo sie an Nachbarflächen angrenzen.

Geld wurde in gemeinsam Topf eingezahlt

„Zu regeln waren in diesem Zusammenhang vor allem auch die Verteilung der entstehenden Kosten und die Bereitstellung der Mittel“, erklärt Kuhls. Immerhin kostet die Sanierung eine Summe im unteren sechsstelligen Bereich. Dieses Geld wurde vor Beginn von den Beteiligten in einen gemeinsamen „Topf“ eingezahlt. „Aber auch viele weitere Details waren und sind zu beachten – von der Ausschreibung der Arbeiten über die Vergabe des Auftrags bis hin zum Aufstauen der Dinkel für die Zeit der Arbeiten“, macht Kuhls deutlich.

Arbeiten in der Unterwelt

Vor wenigen Wochen dann war es soweit: Die Arbeiter eines Unternehmens aus Quakenbrück konnten sich in der Unterwelt an die Arbeit machen. Mit Hammer und Bohrhammer werden – nach definierten Vorgaben einer speziellen Instandsetzungsrichtlinie – beschädigte Betonteile entfernt, Stahlträger oder die schadhafte Bewehrung von Betonflächen freigelegt.

Mit einem Hochdruckstrahlverfahren reinigen die Fachleute die Stahlbereiche danach mit einem Wasser-Sand-Gemisch, um sie anschließend mit Korrosionsschutz versehen.

Frank Kuhls

„In zwei Bereichen, das haben die bisherigen Arbeiten ergeben, werden wir Stahlträger auch verstärken müssen“, beschreibt Frank Kuhls, dass es da unten nicht nur um Kosmetik geht, sondern auch Fragen der Statik eine Rolle spielen. Nach der Behandlung der Stahlträger und des Bewehrungsmaterials wird dann – mit Spritzbeton – wieder eine geschlossene Oberfläche hergestellt. Und auch da gilt es Feinheiten zu beachten: Der Beton muss, entsprechend geltender Brandschutzanforderungen – so ausgelegt sein, das dem Feuer einer bestimmten Zeit widersteht.

Die Rillen zeigen, an welchen Stellen Bewehrungsstahl freigelegt wurde, um dort Korrosionsschutz aufzutragen. Foto:

Bis Ende August, so sieht es der aktuelle Zeitplan vor, sollen all diese Arbeiten erledigt sein. „Noch sind wir zeitlich im Plan“, sagt Kuhls, der – Stand heute – davon ausgeht, dass es keine Überraschungen gibt, die das Projekt „Unterwelt“ noch verzögern könnten.

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