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Sommerkrimi, Folge 9

Kein Alibi für Maritta Radler

Gronau

Die Suche geht weiter: Wer hat Gertrude Kees niedergeschlagen? Martin Burg, Redakteur des Gronauer Anzeigers, weiß, dass Maritta Radler in der Nähe des Tatorts gesehen wurde.

Martin Burg befragt Maritta Radler zu ihrem Verhältnis zu Gertrude Kees. Foto: Heinrich Schwarze-Blanke

Martin Burg tritt in das Fraktionsbüro der Gallinksen. „Tach, Maritta. Was macht die Kunst?“ – „Ach, Martin. Du bisset. Danke der Nachfrage. Es geht so. Das Kulturgeschäft wird immer schwieriger. Geld fehlt an allen Ecken und Enden. Das beschäftigt natürlich auch den Aufsichtsrat des Kulturbüros, wie du dir vorstellen kannst.“ – „Und? Habt ihr Ideen, wie ihr die finanzielle Situation verbessern könnt?“ – „Ja sicher. Ich werde bei der nächsten Sitzung beantragen, Führungen durch das Rathaus anzubieten.“ – „Hä? Welches Rathaus meinst du jetzt? Den Beilmann-Bau, das Alte Rathaus mit dem Turm oder…“ – „Den Beilmann-Bau natürlich“, unterbricht Radler. „Schließlich ist der der einzige, der unter Denkmalschutz steht. Und da könnte ich mir vorstellen, dass wir über Eintrittsgelder Einnahmen generieren könnten. Wenn man das marketingtechnisch richtig angeht, könnte das ein Renner werden. Die Stadtführer könnten den Gästen der Stadt einen Besuch im Beilmann-Gebäude schmackhaft machen. Der Wiesel könnte dort doch sogar noch ein paar Discos abhalten, bis die Sanierung beginnt.“ – „Meinst du wirklich?“ Burg ist skeptisch. – „Ja, sicher. Man muss nur die richtigen Leute ansprechen.“ – „Und die stehen in dem Ordner, in dem du gelesen hast?“ – Radler fühlt sich offensichtlich ertappt: „Ach was, das ist nur…“ – „Ein Ordner aus dem Archiv von Herbert Brause von der Anti-Adelpartei. Ich erkenne doch seine Handschrift. Ich meine mich zu erinnern, dass er vor ein paar Jahren schon mal so einen Vorschlag mit Eintritt fürs Rathaus gemacht hat. Willst du ihm etwa die Idee klauen?“ – „Nein“, widerspricht Radler heftig, merkt aber, dass sie aus der Nummer nicht mehr herauskommt. Sie gibt zu: „Ja, du hast recht. Brause hat mir den Ordner mal vor Jahren wegen eines anderen Vorgangs ausgeliehen und ich hab‘ ihn ihm nicht zurückgegeben. Und hier steht was über die Idee mit Eintritt fürs Rathaus…“ – „Ach, Maritta, das ist mir eigentlich egal. Was ich aber wissen möchte: Was hast du mit dem Überfall auf Gertrude Kees zu tun?“ – „Was für ein Überfall?“ – „Sie ist vorhin auf dem Laga-Gelände offenbar angegriffen und schwer verletzt worden“, sagt Burg. – „Und du meinst, ich hätte damit zu tun?“ – „Du bist zumindest zur Tatzeit in der Nähe gesehen worden.“ – „Stimmt, ich war da mit dem Fahrrad unterwegs. Aber mit dem Überfall habe ich nichts zu tun! Ich wusste gar nichts davon.“ – „Gertrude und du – ihr seid aber doch nicht die besten Freundinnen, oder?“ – „Das stimmt. Sie ist politisch viel zu weich. Ihre Kompromissbereitschaft führt doch zu nichts. Man muss konsequent zu seinen Überzeugungen stehen und entsprechend handeln.“ – „Wie weit würdest du denn für deine Überzeugungen gehen?“ – „Wie meinst du das? Ob ich jemand körperlich verletzen würde? Niemals! Zu meinen Überzeugungen gehört schließlich der Pazifismus!“ – „Wer könnte denn noch was gegen Gertrude Kees gehabt haben?“ – „Ich weiß nur, dass sie schon seit Monaten mit dem von Borschtsch über Kreuz liegt. Der torpediert wirklich alles, was von den Lindgrünen und vom ,Umweg‘ kommt, ganz egal was es ist.“ – „Ich weiß, seit den Querelen mit der Beschäftigungsgesellschaft Schangse sind die Lindgrünen und die vom ,Umweg‘ ein tiefrotes Tuch für ihn.“ – „Vielleicht kommst du ja da weiter. Ich habe jedenfalls nichts mit dem Überfall zu tun.“ – Aber ein Alibi hast du nicht?“ – „Verdammt, hör auf. Ich habe mit der Sache nichts zu tun!“

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