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Trotz der Absage von Gottesdiensten

Kirche zieht sich nicht zurück

Gronau

Mit den Vorbereitungen und Planungen der Weihnachtsgottesdienste war die Ev. Kirchengemeinde auf der Zielgeraden. Doch der harte Lockdown und das Infektionsgeschehen haben diese Pläne durchkreuzt. Alle Gottesdienste bis zum 10. Januar sind abgesagt.

Martin Borck

Pfarrer Uwe Riese, Kantor Tamás Szöcs, Pfarrerin Sabine Kuklinski und Pfarrer Willy Bartkowski Foto: Martin Borck

Die evangelische Kirchengemeinde Gronau hat alle Gottesdienste während des Lockdowns bis zum 10. Januar abgesagt. Mit dem Beschluss folgte das Presbyterium einer dringenden Empfehlung der Landeskirche, der sich auch der Kirchenkreis angeschlossen hatte. Auch andere kirchengemeindliche Veranstaltungen wie die für Sonntag vorgesehene Andacht in der Stadtkirche wurden abgesagt, wie die Pfarrer Uwe Riese und Willy Bartkowski sowie Pfarrerin Sabine Kuklinski am Freitag in einem Gespräch mit den WN erläuterten. Der Beschluss im Presbyterium sei einstimmig erfolgt.

Die Entscheidung sei schwer gefallen, gab Riese zu. Zumal das kirchengemeindliche Schutzkonzept bislang gegriffen habe. Durch die deutlich reduzierte Anzahl zugelassener Gläubigen seien Abstandsgebote problemlos eingehalten worden. „Es hat keine Ansteckungen gegeben, bis auf eine Mitarbeiterin, die sich aber andernorts infiziert hat“, so Riese.

Doch die Gemeinde sehe sich in der christlich-ethischen Verantwortung, ihren Beitrag zur Eindämmung der Pandemie zu leisten. „Die Religionsfreiheit ist ein Privileg – doch Freiheit entbindet nicht von Verantwortung“, so Willy Bartkowski. Die Entscheidung sei auch als Zeichen der Solidarität mit denen zu verstehen, die durch den Lockdown in der Ausübung ihrer Tätigkeiten eingeschränkt sind, etwa Freiberufler und andere Berufsgruppen.

„Dabei waren wir auf der Zielgeraden“, sagt Bartkowski. „Aber das Pandemiegeschehen ist dynamisch, und dagegen ist Kontaktreduzierung das probateste Mittel.“

Die Absage der Gottesdienste bedeutet aber nicht, dass sich die Kirchengemeinde zurückzieht. Kuklinsiki: „Uns ist wichtig zu betonen, dass wir ansprechbar sind.“ Seelsorgliche Angebote zu Heiligabend und Weihnachten werden vorgehalten. Das gilt nicht nur für die telefonische Erreichbarkeit; es sind Video- und Telefonandachten in Vorbereitung.

Außerdem sind die Ev. Stadtkirche und die Ev. Kirche in Epe zeitweise geöffnet – unter Einhaltung der Hygienemaßnahmen können sie als Orte der Besinnung und Ruhe aufgesucht werden. Es werden Seelsorger und Mitglieder des Presbyteriums anwesend sein zu Gesprächen und zum Gebet. Die Kirchenräume sind weihnachtlich geschmückt und werden besonders illuminiert. Am zweiten Weihnachtstag wird es von 18 bis 18.30 Uhr ein „offenes Singen“ via Livestream geben. Ein gottesdienstlicher Live­stream ist Heiligabend ab 21 Uhr aus der Stadtkirche geplant. Es wird derzeit noch an der technischen Umsetzung gearbeitet. Ein halbstündiger Weihnachtsgottesdienst ist bereits aufgezeichnet. Er findet sich ab Heiligabend auf der Homepage (ev-kirchengemeinde-gronau.de). Unter  02562 7123-17, -18 und -19 sind ab Heiligabend Telefonandachten via Anrufbeantworter abzuhören. Kuklinski weist auch auf die Nummer der Telefonseelsorge hin, die rund um die Uhr unter 0800 1110111 erreichbar ist.

„Kirche lebt von Nähe, Begegnung, Kontakt und Mitwirkung“, sagt Riese. Und genau diese wesentlichen Faktoren sind eingeschränkt – eine in dieser Art noch nie dagewesene Situation.

Dass andere Kirchengemeinden anders entschieden haben – Riese denkt da an die katholischen Gemeinden in Gronau und Epe – respektieren die drei Seelsorger. „Was die bessere Lösung ist, wissen wir letztendlich auch nicht.“

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