Euregio Bigband und Gäste bei „Swingin‘ together"

Klang-Wandlungen

Gronau

Musiker aus zwei Ländern, die auf hohem Niveau Bigband-Literatur einstudieren und präsentieren: Das ist die Euregio Bigband. Am Sonntag gab sie gemeinsam mit Gast-Solisten ein Konzert in der Bürgerhalle.

Martin Borck

Die Euregio Bigband in Aktion. Foto: Martin Borck

Das ist das Schöne am Jazz: die Freiheit zu improvisieren – nicht nur solistisch, sondern auch im Duett. Wenn sich dabei zwei Musiker verstehen, erleben die Zuhörer besondere Höhepunkte der Musik. Am Sonntagabend sorgten Saxofonist Paul Heller und Jan Wessels (Trompete/Flügelhorn) für derartige Momente: Der eine legte improvisatorisch vor, der andere legte noch eine Schippe drauf. Bis die gemeinsame Kreativität im Duett kulminierte. Das Publikum in der Bürgerhalle verfolgte dieses Hochschrauben der musikalischen Komplexität fasziniert – und hatte Spaß daran, wie sich die beiden Musiker verstanden und ergänzten, wie sie sich nach ihren musikalischen Husarenstücken abklatschten und bestätigten.

Die beiden Gastmusiker setzten Glanzlichter bei der Veranstaltung „Swingin‘ together“, zu der die Euregio Bigband eingeladen hatte. Aber sie waren wahrlich nicht die einzigen. Die Bigband selbst zeigte sich von ihrer Sahneseite. Ein Dutzend Titel standen auf dem Programm – aus unterschiedlichen Epochen des Jazz. Wie es den Musikern unter Leitung von Natalie Schiemann gelang, die jeweilige Klang-Charakteristik einzufangen, das hatte schon Klasse. Ob es ein Bebop-Titel wie „Groovin‘ High“ war oder ein Bossa wie „Softly as the Morning Sunlight“ – die Arrangements changierten von knackig bis weich und warm, je nach Erfordernis.

Die Bigband selbst verfügt über überraschend gute Solisten. Herauszuheben – neben vielen weiteren – waren die Saxofonisten Jan Oude grote Beverborg und Alex Cordts, die kraft- und ausdrucksvoll sowie mit überzeugender Tonbildung agierten. Bernd Nawrat ließ seinen Posaunenton phasenweise schön schleifen, was einen reizvollen Kontrast zum knackigen „I got Rhythm“ gab. Großartig auch das lange Piano-Intro von Natia Amiredshibi bei „Young and Foolish“, zu dem sich das sanft mit Besen bearbeitete Schlagzeug und der sanfte Gitarrenklang hinzugesellten – ja: Auch die Rhythmusgruppe zeigte ihre Exzellenz. So intensiv, dass das Publikum die erzeugte Stimmung nicht mal für den eigentlich fälligen Solo-Applaus zu unterbrechen wagte.

Dina Niehaus sang „It had better be tonight“ und „Fever“. In „Misty“ und „Windmills of your Mind“ entfaltete sich der raumgreifende Klang der Bläser langsam – während im legendären „Sing, Sing, Sing“ aus den Glanzzeiten der Swing-Ära die Post abging: Knackig und frisch wie bei seinem Erscheinen vor 80 Jahren wirkte das Stück.

Hatten sich die Gastmusiker Heller und Wessels sowie Keyboarder John Hondorp im ersten Teil des Abends gelegentlich unter die Big band-Musiker gemischt, gehörte ihnen gemeinsame mit Ruud Ouwehand (Bass, der für den verhinderten John Goldsby eingesprungen war) und Niklas Walter (Schlagzeug, der den eigentlich vorgesehenen Bruno Castellucci ersetzte) der zweite Teil. Bei den anspruchsvolle Kompositionen von Heller, den langsamen Standard „You don‘t know what love is“, zwei eingängigen Kompositionen von Ruud­ Ouwehand und einem groovenden Titel von Organist Larry Goldings spielten die Fünf die Sterne vom Himmel.

Martin Borck

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