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Hiphop-Ausstellung

Schaufenster zu einer Jugendkultur

Gronau

30 Jahren deutschem Hiphop in einer einzigen Ausstellung gerecht zu werden, ist eigentlich unmöglich. Das schließen die vielfältigen Strömungen und Ausdrucksmöglichkeiten innerhalb der Szene aus. Diese reichen von Sprechgesang über Breakdance, Malerei und DJing bis Graffiti-Kunst.

Mirko Heuping

Das Kuratorenteam um Dr. Oliver Kautny (l.), Pyranja (2. v. l.), Prof. Dr. Michael Rappe (3. v. l.) und Dr. Thomas Mania (5. v. l.) sowie Gäste aus 30 Jahren deutschem Hiphop und der Stadt eröffneten die Ausstellung. Foto: Mirko Heuping

Dennoch hat das Rock‘n‘Popmuseum um das Kuratorenteam Dr. Thomas Mania (Rock‘n‘Popmuseum), Dr. Oliver Kautny (Universität Wuppertal), Prof. Dr. Michael Rappe (Universität Köln) sowie Rapperin Pyranja mit der Sonderausstellung „Styles – Hiphop in Deutschland“ einen Versuch gewagt, den deutschen Hiphop in ein Schaufenster zu hieven.

Aufgeteilt ist die Ausstellung in vier Themenbereiche. Diese befassen sich chronologisch mit den Wurzeln, „Old School“-Hiphop, der Entwicklung in den 1990er-Jahren bis zu aktuellen Strömungen. „Uns war es wichtig, die Vielfalt der Kultur zu zeigen oder zumindest anzudeuten“, erklärt Michael Rappe das Ziel der Ausstellung.

Die Schwierigkeit für das Kuratorenteam bestand vor allem in der Auswahl der Künstler und Stilrichtungen, die in der Ausstellung zu sehen sind. „Uns ist klar, dass wir viele vergessen haben, doch wir mussten exemplarisch und auf dem Stand 2015 arbeiten“, sagt Dr. Oliver Kautny. Dabei habe der Austausch unter den Kuratoren sehr geholfen. Durch die unterschiedlichen Vorlieben und Ansichten habe man ein breiteres Bild zeichnen können.

In der Ausstellung findet sich dank guter Kontakte in die Szene eine Originalmaske von Sido genauso wieder wie Skizzenbücher von Sammy Deluxe oder selbst gestaltete Flyer der Hiphop-Jams aus den 1980er-Jahren. Letztere hat „Rap-Opa“ Torch für die Ausstellung bereit gestellt. „Am Anfang dachte ich, Hiphop im Museum – das war‘s“, gab der Rapper der ersten Stunde bei der Eröffnung zu Protokoll. Schließlich sei Hiphop eine progressive Jugendkultur, die sich nicht in Schubladen stecken lasse. „Aber mittlerweile finde ich es gut“, so Torch. Jeder habe heutzutage ein Bild vom Hiphop, dass er hier komplettieren oder sogar revidieren könne.

Eine besondere Rolle spielt das Thema Sprache. Vor allem im Gangster-Rap ist diese oft derb, frauenverachtend oder gewaltverherrlichend. „Natürlich haben wir auch das thematisiert, wir wollten uns nicht komplett zensieren“, sagt Oliver Kautny. In der Auswahl der zahlreichen Audio-Tracks und Musikvideos, die sich die Besucher in den kommenden Monaten anhören und anschauen können, habe man allerdings bewusst auf die ganz harten Songs verzichtet.

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