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Klaus Fischer engagiert sich fürs Ahrtal

Schrott-Sammelaktion in der ersten Maiwoche

Gronau/Ahrtal

Über den Krieg in der Ukraine wird die Not im Ahrtal mittlerweile fast vergessen. In dem von Hochwasser betroffenen Gebieten gibt es allerdings nach wie vor jede Menge zu tun. Einer, der seit neun Monaten immer wieder anpackt, kommt aus Gronau. Und er will ein weiteres Projekt anstoßen.

-fz-

Klaus Fischer war seit der Flutkatastrophe schon viele Male im Ahrtal und organisiert auch weiterhin von Gronau aus Hilfsaktionen für die Betroffenen. Außerdem packt er immer wieder vor Ort tatkräftig mit an. Foto: Frank Zimmermann

Drei Tage nach der Flutkatastrophe war der Gronauer Klaus Fischer das erste Mal zum Helfen im Ahrtal – und seitdem immer wieder. Zunächst waren es die Fotos und Filme aus den Medien, die ihn bewogen, vor Ort seine Hilfe anzubieten. Als er dann von seinem ersten Einsatz zurück war, war es der Kontrast zwischen der Not dort und der vergleichsweise heilen Welt in Gronau, der dafür sorgte, das Fischer das Helfen für sich zum Langzeitprojekt machte.

Sein jüngstes Projekt: Gemeinsam mit den Firmen Mußmann (Abbrucharbeiten) und Geveler (Baustoffhandel) organisiert er eine Schrott-Sammelaktion. „In der ersten Maiwoche können die Leute von Montag bis einschließlich Samstag (2. bis 7. Mai, montags bis freitags von 8 bis 16.30 Uhr, Samstag bis 12 Uhr) beim Baustoff-Handel Geveler an der Ochtruper Straße in Gronau ihren Metall- und Elektro-Schrott abgeben“, erklärt Klaus Fischer das einfache Grundprinzip. Willkommen sei „alles, was einen Stecker hat“ – ausgenommen sind Kühlschränke und Fernseher. Auch sämtlichen Metallschrott nehmen die Sammler gerne entgegen. Hier gilt die Ausnahme allerdings für Autofelgen, auf denen noch die Reifen sitzen. Diese abzuziehen und zu entsorgen wäre zu aufwendig und teuer.

Geld für Fliesenkleber

Mit dem Geld, das Fischer und seine Mitstreiter für den Schrott bekommen, soll vor allem Fliesenkleber gekauft werden. „Allein im vergangenen Monat haben wir im Ahrtal rund 350 Tonnen Fliesen von den Wänden geholt“, erzählt der Abbruch-Fachmann. Um Wände und Böden nun zu zu fliesen, fehle es vor allem am Kleber, weiß Fischer. Überhaupt, sagt er, sei „alles schwieriger geworden“. Einerseits nehme die Spendenbereitschaft für die Flutopfer ab, weil die Menschen jetzt eher für die Ukraine spenden würden. Andererseits mache sich die Kostensteigerung und der Mangel bei den Baustoffen deutlich bemerkbar.

Klaus Fischer

Auch gut neun Monate nach der Katastrophe könne aber noch lange nicht die Rede davon sein, dass im Ahrtal wieder alles okay sei. Im Gegenteil: „Das Ahrtal wird nie wieder so sein wie vor der Katastrophe“, ist sich Klaus Fischer sicher. Viele Menschen könnten oder wollten ihre Häuser nicht wieder aufbauen. Firmen würden geschlossen, Arbeitsplätze gingen damit verloren, nennt er einige Gründe für seine Einschätzung.

Frappierend sei auch, dass bis heute kaum etwas von den angeblich schnellen und unkomplizierten staatlichen Hilfen bei den Menschen angekommen sei. „Ohne die freiwilligen Helfer wäre das Ahrtal heute tot“, ist Fischer überzeugt. Für sein ausdauerndes Engagement wurde Fischer jüngst mit dem Ehrenpreis der SPD ausgezeichnet. Und, so lässt er im Gespräch mit den WN durchblicken, die nächsten Aktionen hat er auch schon in der Mache.

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