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„Insel“ und Dinkelwerkstatt wollen die Lebenssituation psychisch Kanker verbessern

Struktur im Alltag und soziale Kontakte

Gronau

Die Dinkelwerkstatt stellt einen wichtigen Bestandteil der psychosozialen Versorgung dar. Für Unterstützung sind Trägerverein Horizont und die „Insel“ als Kooperationspartner daher immer dankbar. Sponsoren machten nun eine nicht alltägliche Anschaffung möglich.

Von Martin Borck

Mitarbeitende, Förderer und Sponsoren der Dinkelwerkstatt vor dem Lastwagen, der ab sofort Dienst für die Dinkelwerkstatt tut. Links der neue Geschäftsführer der „Insel“ gGmbH, Hendrik Vestert. Foto: Martin Borck

Der alte Lkw kriegte keine Tüv-Plakette mehr. Der neue ist auch ein alter – aber gut in Schuss. Mit dem Fahrzeug wird das Team der Dinkelwerkstatt das Material von den Auftraggebern abholen und nach der Bearbeitung wieder abliefern.

Die Dinkelwerkstatt ist ein Ort, an dem psychisch Erkrankte wieder Struktur in ihren Alltag bekommen. Sie verrichten einfache Tätigkeiten, je nach Leistungsfähigkeit ein paar Stunden pro Woche, ganz flexibel. Die Zuverdienstwerkstatt bietet derzeit gut 30 Menschen die Gelegenheit der Eingliederung. Sie sammeln Arbeitserfahrung und bauen soziale Beziehungen wieder auf. Auch wenn derzeit wegen Corona die Kapazitäten heruntergeschraubt worden sind, wie die Leiterin der Werkstatt, Leonie Dues, bedauert. Aber so langsam zeigt sich Licht am Horizont.

Hendrik Vestert neuer Geschäftsführer

Hendrik Vestert ist seit August neuer Geschäftsführer der gemeinnützigen Gesellschaft „Integration und Selbstständigkeit (Insel)“, die in enger Kooperation mit der Dinkelwerkstatt arbeitet. Nach einer Ausbildung bei der Sparkasse wechselte Vestert als Leiter zum Betriebshilfsdiensts im südlichen Borkener Kreisgebiet. „Und dann stieß ich auf die Stellenanzeige für die Geschäftsführung der Insel“, sagt er. Sein Interesse war geweckt. Beim Bewerbungsgespräch waren sich beide Seiten einig, dass er der Richtige für die Aufgabe sein könnte.

„So weit weg von meiner früheren Arbeit beim Betriebshilfsdienst ist die Aufgabe ja nicht“, erklärt Vestert. „Auch dort ging es darum zu helfen – nur in der Landwirtschaft.“ Empathie bringt er mit.

Jetzt ist seine Klientel eine andere. Zum Angebot der „Insel“ gehören das ambulant betreute Wohnen für psychisch erkrankte Menschen, eine Wohngruppe und die Kooperation mit der Dinkelwerkstatt. Die wird vom Verein „Horizont“ getragen, ebenso wie das Psychosoziale Zentrum in Gronau am Eschweg.

Warum sind diese Angebote so wichtig? Helmut Leuders vom Kreis Borken sagte aus Anlass des 20-jährigen Bestehens der Dinkelwerkstatt den schönen Satz: „Der Seele Heimat ist der Sinn.“ Das sieht auch Rolf Berghorn so: „Die Arbeit in der Dinkelwerkstatt gibt den Betroffenen das Selbstwertgefühl zurück“, sagt der mittlerweile pensionierte Berghorn. Er gilt als unermüdlicher Motor im Bereich der psychosozialen Dienste im Westmünsterland und ist nach wie vor ehrenamtlich tätig.

Arbeit in der Werkstatt ermöglicht den wichtigen gegenseitigen Austausch

Die Arbeit in der Werkstatt ermöglicht den wichtigen gegenseitigen Austausch. „Gerade in der Pandemiezeit“, spricht Leonie Dues aus Erfahrung. Soziale Kontakte, Struktur im Alltag, und, wie Vestert ergänzt, „einfach am Abend zu sehen, was man tagsüber geleistet hat“, helfen, die Lebenssituation der Betroffenen deutlich zu verbessern.

Die Niedrigschwelligkeit macht den Schritt in die Dinkelwerkstatt einfach. „Jeder, der möchte, kann kommen“, sagt Rolf Berghorn. Meist werden die Klienten von ihren Betreuern oder vom sozialpsychologischen Dienst vermittelt.

Die verschiedenen Wohnformen ermöglichen es den Betroffenen, ihre gesundheitliche Verfassung in einem akzeptierten Umfeld zu stabilieren. Professionelle Unterstützung ist dabei vorhanden – und das gibt Sicherheit.

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