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Middewinterhorn-Wanderung am 18. Dezember rund um Twente

Tradition wird gepflegt

Gronau/Enschede

Zum 37. Mal wird am Sonntag (18. Dezember) die „Twentse Middewintehorn-Wanderung“ durchgeführt. Diese wird schon seit fast vier Jahrzehnten durch die Dorfgemeinschaften in Twente und der Grafschaft Bentheim organisiert.

Wer eine besondere Wanderung mit einem ungewöhnlichen Horn erleben möchte, sollte am nächsten Sonntag (18. Dezember) nach Enschede kommen. Foto: Martin Borck

Jedes Jahr ist eine andere Dorfgemeinschaft an der Reihe, die Veranstaltung zu organisieren. Während der Wanderung können die Teilnehmenden die Winterlandschaft in Kombination mit der besonderen Tradition der Middewinterhornbläser bestaunen.

Insgesamt beteiligen sich 27 Middewinterhornbläsergruppen. Sie erzählen den Teilnehmern auch Wissenswertes über die Instrumente. Unterwegs gibt es etwas zum Essen und Trinken zu kaufen. In Enschede zeigt ein Mittwinterhornbauer, wie dieses besondere Instrument entsteht, heißt es in einer Presseinfo der Veranstalter.

Der Startpunkt der Wanderung befindet sich auf dem Gelände der Universität Twente, Hogekampplein. Gestartet werden kann zwischen 10 und 14 Uhr. Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer können zwischen zwei Routen – entweder zwölf oder fünf Kilometer – auswählen. Die kürzere Route ist auch für Rollstuhlfahrer geeignet, die Wege sind befestigt und haben – wo nötig – Rampen für Rollstuhlfahrer. Diese sind auch sehr praktisch für (Groß-)Eltern mit Kinderwagen. Ziel der Tour ist das Gebiet rund um den „Hof Espelo“ und den Ledeboer-Park.

Zwei Strecken

Die Kosten für die Teilnahme betragen zwei Euro für Erwachsene und einen Euro für Kinder und Jugendliche bis 17 Jahre. Jede Gruppe, jede Familie oder jedes Pärchen erhält unter anderem Informationsmaterial über die Wanderung, eine Wegbeschreibung und die Standorte der Bläsergruppen.

Die Enscheder Middewinterhornbläser ist eine Gruppe begeisterter Musiker, die mit großer Freude die Tradition des „Oale Roop“ (des Alten Rufs) in Ehren halten wollen. Während der Adventszeit sind die Bläser an verschiedenen Orten zu sehen und zu hören. Sie begleiten beispielsweise Weihnachtsmärkte, Gottesdienste, Wanderungen und andere Feste, die während der Adventszeit organisiert werden. Das „Lammerikswönner“ im Abraham-Ledeboer-Park ist die Heimatbasis der Middewinterhornbläser: Dort sind sie in der Adventszeit jeden Sonntag zwischen 14 und 16 Uhr zu sehen und zu hören.

In der Zeit vom 1. Advent bis zum 6. Januar (Dreikönigsfest) werden traditionell die Middewinterhörner geblasen. Das Middewinterhornblasen ist ein jahrhundertealter Brauch im deutsch-niederländischen Grenzgebiet, der von mehreren Bläsergruppen um die Jahreswende aufrechterhalten wird.

Die Middewinterhörner dienten früher in vor- und frühchristlicher Zeit als „Nothörner“. Im Notfall konnte mit dem Blasen des Nothorns Hilfe herbeigerufen oder ihre weit entfernt wohnenden Nachbarn auf Gefahren, zum Beispiel auf Hochwasser und Räuberhorden, aufmerksam gemacht werden.

Tradition reicht in vorchristliche Zeit zurück

Sie ließen ihre Hörner auch zur Wintersonnenwende ertönen, um böse Geister zu vertreiben und um gute Ernten sowie um Schutz vor Not und Feuer zu bitten. Schon längst erschallen sie nicht mehr als Alarm- oder Notsignal, sondern als Botschaft der Freude auf das bevorstehende Weihnachtsfest.

Das Middewinterhorn ist ein einfaches Holzblasins­trument von etwa 1,50 Meter Länge. Für die Anfertigung des Horns wird Birken-, Erlen- oder Eschenholz verwendet. Die Äste werden in der Mitte durchgesägt, getrocknet, dünnwandig ausgehöhlt. Anschließend werden sie zusammengeleimt oder es werden Astwände in schmale Leisten zerlegt und dann in der Hornform mit Leim zusammengefügt.

Weil die Middewinterhörner frei von Hand und aus verschiedenen Holzarten angefertigt werden, hat jedes Horn seine eigene Stimmlage. Es erklingen nur Naturtöne als Ruftöne. Um das schönste Klangerlebnis des Middewinterhorns wahrzunehmen, muss das Umfeld still und der Hörer etwa 100 Meter entfernt sein. Die Hörweite reicht bei frostigem Wetter auf freiem Feld bis zu zehn Kilometer. Da das Middewinterhorn kein Musikinstrument, sondern ein Signal- beziehungsweise Rufinstrument ist, erklingt in einer Gruppe immer nur ein Horn.

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