Alfons Wissing im Alter von 88 Jahren gestorben

Unermüdlicher Einsatz für die Belange von Behinderten

Epe

Die Belange von Menschen mit geistiger Behinderung war ihm ein Anliegen. Jahrzehntelang setzte er sich für sie ein, engagierte sich in der Lebenshilfe. Jetzt ist Alfons Wissing im Alter von 88 Jahren gestorben. Eine seiner Ideen wird auch künftig bei Schützenfesten der Umgebung durch die Reihen der Feiernden flattern.

Klaus Wiedau

Alfons Wissing †: Sein Wirken für die Lebenshilfe ist untrennbar mit dem „Wandervogel“ verbunden. Foto: privat

Sein Leben war geprägt vom Einsatz für Menschen mit geistigen Behinderungen. In der breiten Öffentlichkeit ein Bewusstsein für ihre Belange und ihr Recht auf ein selbstbestimmtes Leben zu schaffen, war ihm Herzensangelegenheit und Aufgabe, die ihn Zeit seines Lebens beschäftigte.

Jetzt hat dieses Leben ein Ende gefunden: Im Alter von 88 Jahren ist am Sonntag der Ehrenvorsitzende der Lebenshilfe Gronau und Umgebung, Alfons Wissing, gestorben.

Wissing, Jahrgang 1931, absolvierte nach der Schule eine Ausbildung als Volontär beim Eper Textilunternehmen Engels. Mit dem Fahrrad legte er den Weg von seinem Heimatort Alstätte zur Arbeitsstätte in Epe zurück – auch an Sonntagen, an denen in früheren Jahren die Geschäfte zum Verkauf stundenweise geöffnet wurden. Mehr als 25 intensive Arbeitsjahre im Gronauer Unternehmen Engbers folgten. Wissing begleitete hier die Expansion und den Aufbau der ersten 100 Filialen. Im Jahr 1985 schließlich wagte Alfons Wissing, damals bereits 54 Jahre alt, gemeinsam mit seinen Söhnen Gregor und Ulrich den Sprung in die Selbstständigkeit und gründete das Unternehmen Herren-Mode Wis­sing mit Geschäften in Epe, Vreden und Soest.

Neben den geschäftlichen Herausforderungen engagierte sich Alfons Wissing auch im Vereinsleben, so etwa bei der Schützengilde St. Georgi Epe oder auch beim Schwimmverein Epe, dessen Vorsitzender er in den 1970er-Jahren war.

Mehr als fünf Jahrzehnte lang wirkte Wissing in besonderer Weise für die Belange von Menschen mit geistiger Behinderung. Über Jahrzehnte war er im Vorstand und in verschiedenen Gremien der Lebenshilfe für Gronau und Umgebung aktiv. Für seine Verdienste wurde er zum Ehrenvorsitzenden ernannt, erhielt zudem die Silberne Bundesnadel der Lebenshilfe und wurde mit dem Bischof-Ketteler-Preis ausgezeichnet. Die Stadt verlieh Wissing für seinen Einsatz die Stadtplakette, außerdem nahm er im Jahr 2015 auf Vorschlag der Stadt am Bürgerfest des damaligen Bundespräsidenten Joachim Gauck teil – eine weitere Auszeichnung für sein unermüdliches Wirken.

Alfons Wissing war aber viel mehr als nur Funktionär der Lebenshilfe. Er lebte den Wahlspruch „Es ist normal, verschieden zu sein“. Unermüdlich setzte er sich für die Rechte von Menschen mit Behinderungen, vertrat ihre Interessen und hatte bei allem Einsatz immer auch ein offenes Ohr für die Menschen mit Handicap, von denen viele ihn persönlich kannten und ihn wegen seiner menschlichen Art schätzten.

In ganz besonderer Weise war und bleibt der Name Alfons Wissing mit dem „Wandervogel“ der Lebenshilfe verbunden. 45 Jahre sorgte er dafür, dass der „Wandervogel“, eine Spardose in Form eines Schützenvogels, auf den Schützenfesten in Gronau, Epe und Alstätte kreiste und Geld für die Arbeit der Lebenshilfe sammelte. Mehr als 750 000 Euro kamen auf diese Weise zusammen.

Alfons Wissing koordinierte in all den Jahrzehnten mit den Schützenvereinen diese Sammlung. Erst vor zwei Jahren legte er die Verantwortung dafür in die Hände seiner Söhne. Wissings damals geäußerter Wunsch „Ich wünsche mir, dass der Wandervogel noch viele Jahre fliegt“, wird auf diese Weise seinen Tod überdauern.

Die Beerdigung von Alfons Wissing findet am Freitag (6. März) statt und beginnt mit dem Seelenamt um 14.30 Uhr in der St.-Agatha-Kirche. Anschließend erfolgt die Beisetzung auf dem Eper Friedhof.

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