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Pfarrei St. Agatha in Epe unterstützt den Förderkreis Alte Synagoge

Verantwortung für die Erinnerung

Epe

Nicht nur zum aktuellen Gedenkjahr „1700 Jahre jüdisches Leben in Deutschland“ unterstützt die katholische Pfarrei St. Agatha Epe den Förderkreis Alte Synagoge. Es geht Pfarrer Thorsten Brüggemann zudem nicht nur um finanzielle und organisatorische Hilfestellung. Er sieht es als Verpflichtung, die Erinnerung an das jüdische Leben vor Ort wachzuhalten.

wn

Der Vorsitzende des Förderkreises Heinz Krabbe (links) und sein Stellvertreter Foto: pbm/Gudrun Niewöhner

Es geht nicht darum, anderen ein schlechtes Gewissen zu machen, betont Pfarrer Thorsten Brüggemann: „Sondern um unsere Verantwortung für die Erinnerung.“ Deshalb unterstützt die katholische Pfarrei St. Agatha den Förderkreis Alte Synagoge in Epe gerne. Besonders im Gedenkjahr „1700 Jahre jüdisches Leben in Deutschland“, das Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier gerade erst eröffnet hat. Über das unkomplizierte Miteinander mit beiden christlichen Kirchengemeinden freuen sich besonders der Vorsitzende des Förderkreises, Heinz Krabbe, und sein Stellvertreter Rudolf Nacke.

Die Alte Synagoge steht für das gesamte jüdische Leben in Epe. „1805 sind die ersten Familien nach Epe gekommen“, weiß Krabbe aus seinen Recherchen. 1907 wurde das Gebets- und Versammlungshaus gebaut. In der Pogromnacht 1938 wurde es von den Nationalsozialisten angezündet, brannte aber nicht komplett ab. „Die Grundmauern blieben stehen“, sagt Nacke. Die Feuerwehr nutzte das Gebäude, später auch das DRK.

Die Fachleute der Denkmalpflege sehen nach ihren gebäudearchäologischen Untersuchungen in der einstigen Synagoge ein im weiten Umkreis einmaliges Beispiel für die deutsche Geschichte. Es belege jüdisches Leben zu Beginn des 20. Jahrhunderts ebenso wie die Gräueltaten des Hitler-Regimes. Einig sind sich Denkmalschützer und Förderkreismitglieder, dass die Synagoge nicht nach dem baulichen Zustand von 1907 rekonstruiert werden soll. Dennoch wünschen sich Krabbe und Nacke, dass das Gebäude von außen und innen wieder als Gotteshaus zu erkennen ist, beispielsweise, indem die charakteristischen Rundbogenfenster freigelegt werden.

Um die Kosten für das Gesamtkonzept zu finanzieren, hilft die Pfarrei St. Agatha – unter anderem durch einen jährlichen festen Geldbetrag und eine Kollekte rund um den 9. November.

In der „Woche der Erinnerung“, die immer im November als Kooperation der Kirchen, Schulen und weiterer Eper Vereine stattfindet, dient die Pfarrkirche als Veranstaltungsort für Konzerte. In diesem besonderen Gedenkjahr wird es noch mehr als die sonst üblichen Veranstaltungen geben – sofern Corona es zulässt.

Brüggemann sieht es als Verpflichtung, die Erinnerung an das jüdische Leben vor Ort wachzuhalten: „Die 26 Familien haben hier mit uns gelebt, sie waren Teil der Gemeinschaft.“ Das, so Pfarrer Brüggemann, dürfe niemals vergessen werden.

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