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Erinnerung an Verfolgte des Naziregimes

Vier neue Stolpersteine

Gronau

42 Stolpersteine sind in Gronau und Epe bereits verlegt. Sie erinnern an die Verfolgten und Opfer der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft und werden vor deren ehemaligen Wohnhäusern in den Bürgersteig eingelassen. Am Samstag wird der Künstler Gunter Demnig vier weitere Steine verlegen, und zwar für Rudolf A. Gemkow an der Poststraße 44, für Friedrich Kunkel an der Bachstraße 5, für Albert Gudzent an der Grünstiege 19 und für Georg Johann Fischer an der Ostbogenstraße 12. Initiatoren sind der Kurdisch-Deutsche Freundschaftskreis Münsterland und der SPD Gronau.

wn

Albert Gudzent mit seiner Familie Foto: privat

► Rudolf Alwin Fritz Gemkow, Jahrgang 1915, wird in Stolp in Pommern geboren. Nach seiner Elektrikerlehre zieht er mit seiner Familie nach Gronau, wo er Mitglied der KPD-Ortsgruppe wird. Wegen „Vorbereitung zum Hochverrat“ verbüßt er zwischen 1936 und 1938 eine Zuchthausstrafe im KZ Gollnow in Pommern. Nach seiner Entlassung wird er als Elektriker im Straflager und ab 1943 als Elektriker in Afrika eingesetzt. Am 25. Februar 1946 wird er entlassen und kehrt zurück nach Gronau, wo er zuletzt mit seiner Mutter in der Poststraße 44 wohnte.

► Georg Johann Fischer wird am 25. Mai 1901 in Gronau geboren. Er ist Bauarbeiter und Mitglied der KJVD und später ebenfalls der KDP. Verurteilt wird er wegen Vorbereitung zum Hochverrat am 28. Oktober 1936. Am 7. Dezember 1936 wird er vom Gefängnis in Hamm ins Zuchthaus in Münster eingeliefert. Er verbüßt gut anderthalb Jahre im Straflager Börgermoor und wird am 22. Juli 1937 entlassen. Seine Ehefrau Anna ist ebenfalls Mitglied der KPD und wird wegen Vorbereitung zum Hochverrat in Hamm verurteilt und zwei Jahre im KZ Papenburg/Börgermoor festgehalten.

► Friedrich Reinhardt Kunkel wird am 10. Juni 1901 in Gembitz/Bromber im heutigen Polen geboren. Durch seine Erfahrungen im Kriegseinsatz 1918 wird er zum Gegner des Militarismus. Seit 1923 arbeitet er als Schlosser in der Textilindustrie, tritt 1924 in den Allgemeinen Deutschen Gewerkschaftsbund ein und wird 1925 Mitglied der SPD. Er wird 1936 am Arbeitsplatz verhaftet und wegen Hochverrat zu drei Jahren und neun Monaten Haft verurteilt. Nach seiner Entlassung 1939 arbeitet er bei VW in Wolfsburg. Als dort bekannt wird, dass es sich bei Friedrich Kunkel um einen Sozialdemokraten handelt, der im Zuchthaus gesessen hat, wird er entlassen und arbeitet ab 1940 wieder in Gronau als Hilfsarbeiter. 1944 wird er erneut verhaftet und zum KZ Buchenwald deportiert. Nach dem Krieg wird er von der englischen Kommandantur als Polizist eingesetzt, wird Ortsvorsitzender der Gewerkschaft und später ebenfalls stellvertretender Kreisvorsitzender des DGB. Er stirbt 1974.

► Albert Gudzent wird am 24. April 1891 in Recklinghausen geboren. Er wird im Ersten Weltkrieg schwer verwundet und flieht aus der französischen Gefangenschaft. Von 1918 bis 1933 ist er mit Unterbrechung Mitglied der SPD. Seit 1927 ist er in der Textilindustrie in Gronau tätig. 1934 beteiligt er sich mit seiner Frau Emma an einer SPD-Widerstandsgruppe, die illegale Schriften aus den Niederlanden ins Ruhrgebiet schmuggelt. Er wird 1936 inhaftiert und schließlich im Herbst 1937 im KZ Buchenwald eingeliefert. Von dort aus wird er zum KZ Sachsenhausen gebracht und von dort aus ins KZ Flossenbürg, wo er 1940 ermordet wird. Seit Mitte der 1970er-Jahre erinnert in Gronau die Gudszent-Straße an ihn.

Am Samstag (14. Dezember) um 15 Uhr findet im SPD-Büro an der Bahnhofstraße eine öffentliche Veranstaltung aus Anlass der Stolpersteinverlegung statt. Sahin Aydin, Vorsitzender des Kurdisch-deutschen Freundschaftskreises Münsterland, und Dr. Chris Breuer, Vorstandsmitglied der SPD Gronau-Epe, werden das Projekt vorstellen. Nach einem Grußwort des Bürgermeisters wird Stadtarchivar Gerhard Lippert einen Kurzvortrag zu den Stolpersteinen halten. Schüler der Realschule werden über ihre Erfahrungen mit der Grabpflege an der Gedenkstätte Esterwege und mit den Stolpersteinen berichten. Danach werden die Teilnehmer sich zum Stolperstein in der Poststraße begeben.

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