1. www.wn.de
  2. >
  3. Muensterland
  4. >
  5. Gronau
  6. >
  7. Vom „Liliom“ zum „Pablo“

  8. >

Nanni Burba hat ein Buch über ihre Erlebnisse geschrieben

Vom „Liliom“ zum „Pablo“

Gronau

Das Liliom war eine angesagte Gaststätte in Gronau. 30 Jahre lang wurde es von Harald und Nanni Burba geführt. Dann machten sie einen Riesenschritt. Weg von Gronau. Hin nach Mallorca. Darüber hat Nanni Burba ein Buch geschrieben.

Nanni und Harald Burba vor ihrem Restaurant „Pablo“. Das Bild bildet das Buchcover. Foto: Eden-Verlag

30 Jahre lang betrieben Harald und Nanni Burba an der Gildehauser Straße in Gronau das „Liliom“, eine angesagte Kneipe und Gaststätte. 1976 hatten sie zuerst die Kneipe und ein Café eröffnet. Die Kneipe wurde später in ein Restaurant umgebaut. Doch 2006 war Schluss. Die beiden ließen Gronau hinter sich und siedelten nach Mallorca um, wo sie mittlerweile in Santanyí ebenfalls ein Restaurant eröffnet haben: das „Pablo“. Jetzt hat Nanni Burba ein Buch veröffentlicht, in dem sie ihre Erfahrungen und Erlebnisse verarbeitet hat: „Eine Prise Meersalz. Mein Traum vom Restaurant auf Mallorca“ lautet der Titel.

Der Lebenseinschnitt war nicht ohne: Harald und Nanni Burba brachen die Zelte in Deutschland ab und fingen ohne Rücklagen auf Mallorca neu an. Mit viel Arbeit, Einfallsreichtum und einem Koffer voll Optimismus bauten die beiden eine Existenz auf der Lieblingsinsel der Deutschen auf, inklusive Rückschlägen und Enttäuschungen.

Seit 15 Jahren leben und arbeiten sie nun dort, wo andere Urlaub machen. In Santanyí hat sich Nanni Burba eine Existenz „erkocht“. Doch was bleibt einem vom Sehnsuchtsort Mallorca, wenn man den ganzen Tag in der Küche steht?

Knochenjob

Ein Job in der Gastronomie ist auch auf der Baleareninsel vor allem eines: ein Knochenjob. Im Frühjahr 2020 schien endlich alles perfekt zu laufen. Doch dann kam die Corona-Pandemie, die noch einmal alles komplett auf den Kopf stellte.

Nanni Burba erzählt von der einzigartigen mallorquinischen Mentalität, von prekären Jobs, komplizierten Vermietern und genialen Geschäftsideen. Auch verrückte Millionäre, verlassene Hunde und verpeilte Gäste spielen in dem Buch eine Rolle.

Nanni Burba

Warum sie Gronau verlassen haben, macht sie in einem Gespräch mit ihrem Buchverlag deutlich: „Die Luft war einfach raus . . . Es lief nicht mehr so gut wie am Anfang und wir hatten von der Gastronomie die Nase voll. Unsere Heimatstadt hatte sich verändert, das Wetter machte uns mürbe und wir wollten noch mal etwas ganz anderes machen.“ Mallorca erschien ihnen als einziges attraktives Ziel – die wunderbare Natur und das stabile gute Wetter überzeugten sie.

Nanni Burba fand dort schnell eine Anstellung als Kellnerin. „Im ersten Winter habe ich zudem als Putzkraft und in einer Boutique gearbeitet. Harald fand anfangs einen Job in einem Immobilienbüro. Später bekamen wir beide eine Stelle als Hausverwalter bei sehr reichen Leuten.“ Letztendlich landeten beide wieder in der Gastronomie und eröffneten 2009 das „Pablo“ (in dem 2011 Teile der TV-Serie „Verbotene Liebe“ gedreht wurden). „Es stellte sich heraus, dass wir einfach leidenschaftliche Gastronomen sind und sehr gerne selbstständig arbeiten. Frei nach dem Motto: Schuster, bleib bei deinen Leisten!“ Es mache ihr wahnsinnig viel Spaß, für Menschen zu kochen und zu sehen, dass es ihnen schmeckt. „Dazu kommt dieses Gefühl, wenn alles in der Küche gut läuft. Wir sind ein ganz starkes Frauenpower-Team und haben viel Spaß bei der Arbeit. Ich liebe es! Da ich in einer offenen Küche arbeite, habe ich auch viel Kontakt zu den Gästen. Allerdings es ist harte Knochenarbeit, den ganzen Tag am heißen Herd zu stehen. Vor allem im Sommer bei bis zu 40 Grad und an Markttagen, an denen in Santanyí besonders viel los ist, koche ich mitunter zwölf Stunden durchgängig.“ Das Pablo lebt zu 90 Prozent von deutschen Gästen.

Das Pablo lebt zu 90 Prozent von deutschen Gästen

Santanyí ist nur wenige Kilometer vom Meer entfernt. „An unserem heiligen Ruhetag sind wir fast immer an einem der Strände zu finden.“

Das letzte Jahr während der Pandemie war hart. „Immerhin konnten wir das Restaurant von Juli bis Oktober öffnen – allerdings mit viel weniger Umsatz als sonst.“ Vom Staat gab es nur geringe Unterstützung. Existenzängste hat sie trotzdem nicht. „Was ich hier auf Mallorca gelernt habe, ist, dass es immer irgendwie weitergeht. Eine Tür geht zu, zwei weitere öffnen sich. Das war in Deutschland nicht so. Existenzängste habe ich schon lange nicht mehr, nicht einmal durch die Pandemie. Wir sind sehr optimistische Menschen.“

Humor sei sehr wichtig, viele stressige Momente könne man durch einen Scherz aufheben. „Wir sehen es auch als unsere Aufgabe, unsere Gäste zum Lachen zu bringen. Gerade durch Haralds Zauberkünste haben die Menschen viel Spaß. Über dem Restaurant hat er sogar seine eigene Zauberkunstbühne – er liebt es zu unterhalten.“

Nanni Burba: Eine Prise Meersalz 272 Seiten, 16,95 Euro, ISBN 978-3-95910-296-4

Startseite