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Neuer Bundespolizei-Chef

Von Mogadischu nach Gildehaus

Gildehaus/Gronau

Polizeidirektor Ralf Gehling sitzt gut gelaunt im Besprechungsraum der Bundespolizei in Bad Bentheim. Seit gut vier Wochen ist er der neue Leiter der Bundespolizeiinspektion Bad Bentheim. Zuvor hat Gehling schon jede Menge erlebt.

Henrik Hille

Ralf Gehling ist der neue Leiter der Bundespolizeiinspektion Bad Bentheim. Foto: Henrik Hille

Von dem Verwaltungsgebäude aus, das in Gildehaus direkt an der Autobahn 30 und dem Grenzübergang zu den Niederlanden liegt, leitet der 57-Jährige die Inspektion. Und deren Zuständigkeitsgebiet ist weitläufig – es zieht sich von der Nordsee bis nach Nordrhein-Westfalen. Zudem umfasst es zahlreiche Grenzübergänge und auch die großen Bahnhöfe in Oldenburg und Osnabrück.

Den Start hatte Gehling sich anders vorgestellt: „Ich wollte mir einige Orte ansehen und mich auch bei den Bürgermeistern persönlich vorstellen.“ Doch der Ausbruch der Corona-Pandemie macht ihm einen Strich durch die Rechnung. Jetzt lernt er sein neues Team mit rund 250 Beamten in einer Ausnahmesituation kennen, in der die Bundespolizei ihre Grenzüberwachungen massiv verstärkt hat.

Ralf Gehling kennt sich mit Ausnahmesituationen aus

Dennoch bleibt Ralf Gehling ruhig, denn Ausnahmesituationen scheinen ihm zu liegen. Bis vor wenigen Wochen war der Bundespolizist noch in Mogadischu in Somalia im Einsatz. In dem Bürgerkriegsland hilft die Bundespolizei beim Aufbau von Staatsstrukturen. Keine leichte und vor allem eine gefährliche Aufgabe. „Unser Camp wurde mehrfach mit Granaten beschossen“, erinnert sich Ralf Gehling.

Seinen ersten Auslandseinsatz erlebte der Polizist schon 1997, als er für die UN in Bosnien-Herzegowina eingesetzt wurde. Nach dem Krieg war er 1999 und 2000 im Kosovo. Dort ermittelte Ralf Gehling zu Kriegsverbrechen, die in höchsten politischen Kreisen angesiedelt waren. Beim Kriegsverbrechertribunal in Den Haag war er anschließend als Ermittler tätig.

Ralf Gehling, Polizeidirektor

Für das Landeskriminalamt Düsseldorf arbeitete Ralf Gehling, der seit 1978 im Polizeidienst ist, bei einer Ermittlungskommission mit dem Schwerpunkt Kinderpornografie. Nach 30 Jahren bei der Landespolizei NRW wechselte er 2009 zur Bundespolizei. Auch, um an weiteren Auslandseinsätzen teilnehmen zu können. „Und das habe ich nie bereut“, betont er. So verschlug es den Münsteraner unter anderem an das Horn von Afrika. Für die Europäische Union half er darüber hinaus bei der Bekämpfung von Piraterie im Indischen Ozean.

An seiner neuen Arbeitsstätte in Gildehaus gefällt dem Polizeidirektor auch das internationale Flair. Er lobt die Arbeit des Grenzüberschreitenden Polizeiteams (GPT), in dem sich Beamte aus den Niederlanden und Deutschland Büros und Einsatzwagen teilen.

Das Grenzüberschreitende Polizeiteams möglichst weiter ausbauen

Wenn möglich, möchte er das 20-köpfige Team weiter ausbauen. Er denkt über eine internationale Polizeistation nach: „Meine Vision ist, dass es noch europäischer wird.“ Das müsse auch so sein, denn schließlich agieren Kriminelle international. „Die Täter interessieren sich nicht für Grenzen“, stellt Ralf Gehling fest.

Die Fahndungserfolge, die das GPT auch durch den direkten Austausch der Behörden untereinander erzielt, sprechen nach Angaben des Bundespolizisten für sich. Der neue Chef der Inspektion will auch den Kontakt zum Zoll weiter ausbauen und verbessern.

Ralf Gehling, Polizeidirektor

Trotz der aktuellen Ausnahmesituation sei die Stimmung im Team der Bundespolizei gut, betont Ralf Gehling, und daran ist ihm viel gelegen: „Wir haben ein sehr gutes Betriebsklima hier, das ist vor allem meinem Vorgänger Michael Fickers zu verdanken, der die Inspektion weiterhin stellvertretend leitet.“

Der 57-Jährige konnte sich schon ein wenig in Bad Bentheim umsehen, hier hat er ein Apartment bezogen. Denn jeden Tag will er nicht aus Münster bis zur Dienststelle pendeln. „Die Restaurants und Lokale haben ja leider geschlossen, aber es gefällt mir sehr gut in Bentheim.“ Vier Jahre will Ralf Gehling nun in Bad Bentheim bleiben, dann steht seine Pensionierung an. Bis dahin freut er sich noch auf viele interessante Einsätze. Besonders nennt er da die Fußballspiele in Osnabrück und Meppen, bei denen die Bundespolizei mit der Landespolizei für Sicherheit sorgt. Hier will der Polizeidirektor, der die Einsätze leitet, auch selbst in Schutzausrüstung vor Ort sein. Für Ralf Gehling ist die Nähe am Einsatzgeschehen selbstredend, schließlich habe er den Polizeiberuf von der Pike auf gelernt, sagt er.

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