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Einsatz für mehrere Feuerwehr-Einheiten

„Vor fünf Minuten war ich noch drin“

Gronau

Fassungslos schaut die 40-Jährige in den dichten Rauch, der genau dort aufsteigt, wo bis vor kurzem noch ihre Wohnung war. „Fünf Minuten vor dem Brand war ich noch da drin. Dann bin ich mit dem Hund raus“, sagt sie. Jetzt steht sie auf dem Parkplatz des ehemaligen Aldi-Marktes an der Brookstraße – und vor dem Nichts. „Ich hab´ nur noch das, was ich anhabe“, sagt sie und zieht wie zur Bestätigung an der blauen Jacke ihres Trainingsanzuges.

Klaus Wiedau

Dichter Rauch hüllt die Einsatzstelle ein. Lichterloh schlagen später die Flammen aus dem ehemaligen Verkaufsraum. Foto: Klaus Wiedau

Um 16.15 Uhr rückt die Feuerwehr zur Einsatzstelle an. Die Alarmierung lautet: „Feuer, alter Aldi“. Dichter hellbrauner Rauch dringt zu diesem Zeitpunkt aus First und Pfannen über den drei Wohnungen, die oberhalb des ehemaligen Marktes liegen. Unter Atemschutz dringen Feuerwehrleute ins Gebäude, Anlieger berichten von Bewohnern und Tieren, die noch in den drei Wohnungen sein können.

Andere wollen vor dem Brandausbruch einen Knall gehört haben: „Vielleicht die Solaranlage auf dem Dach?“, mutmaßt einer. Gewissheit werden erst die Ermittlungen von Polizei und Sachverständigen bringen.

Doch zuvor müssen die Flammen gelöscht werden. Ein erster Löschangriff von de Drehleiter zeigt anfangs nur wenig Wirkung. Schlimmer noch: Das Feuer sucht sich seinen Weg durchs Gebäude, wie an der Rauchentwicklung unterm Dach nachzuvollziehen ist. Dann der Durchbruch: Mit lautem Klirren zerbersten die Schaufensterscheiben des Marktes, meterhohe Flammen schießen ins Freie. die Rauchsäule, mal schmutzig braun, mal schwarz, ist vor dem blauen Himmel bis in die Nachbarorte zu sehen. Irgendwo gibt es dumpfe Knallgeräusch. Die Ursache? Schulterzucken, weil niemand weiß, was alles im Gebäude gelagert ist.

Unterstützung aus Twente

Wenig später sind Polizei und Feuerwehr zuversichtlich, dass sich keine Menschen mehr im Gebäude befinden. Ein Hund kann aus einer Wohnung gerettet werden, ob ein anderer im Qualm verendet ist bleibt offen.

„Wir sind mit den kompletten Löschzügen Gronau und Epe im Einsatz“, listet Feuerwehr-Chef Marco van Schelve die Einsatzstärke auf. „Daneben sind Kräfte aus Ochtrup da und das Atemschutz-Modul aus Ahaus“, so van Schelve weiter. Der Messzug des Kreises – zusammengestellt aus mehreren Wehren – wird für Schadstoffmessungen der Luft angefordert, später rücken auch noch Löschzüge aus Heek und Nienborg zur Unterstützung an die Einsatzstelle nach.

Und die Brandweer Twente kommt mit ihrem Teleskopmast-Fahrzeug, weil die Gronauer Drehleiter ausfällt. Zudem setzt die Feuerwehr am Abend einen Bagger ein, um tiefer in das brennende Gebäude vordringen zu können.

„Das wird spät heute“

Die Bürger der Stadt werden bereits kurz nach Ausbruch des Brandes informiert. Van Schelve: „Über die Warn-App NINA und über unsere Sirenen haben wir die Bevölkerung aufgefordert, Fenster und Türen wegen der Rauchentwicklung geschlossen zu halten.“

Doch viele Schaulustige kümmern sich nicht darum, drängen sich an die Absperrungen und machen den Einsatzkräften so die Arbeit schwer. „Du musst aufpassen, dass sie dich nicht über den Haufen fahren“, sagt ein Feuerwehrmann.

Eine 40-jährige Bewohnerin verliert durch das Feuer so wie es aussieht ihr gesamtes Hab und Gut.

Rainer Hoff vom Ordnungsamt der Stadt kümmert sich derweil um die Menschen, die vorerst nicht in ihre durch Feuer, Rauch und Wasser zerstörten Wohnungen zurückkehren können. Hoff: „Vier Bewohner im Alter zwischen 33 und 45 Jahren sind betroffen. Drei davon kommen vorläufig bei Bekannten unter.“ Darunter ist auch die 40-Jährige mit der blauen Trainingsjacke. „Um den Vierten kümmere ich mich“, sagt Hoff noch im Gehen und macht sich wieder an die Arbeit.

Auch für die Feuerwehrleute ist noch lange nicht Feierabend. Denn: Drei Stunden nach der ersten Meldung brennt es immer noch an der Einsatzstelle. „Das wird spät heute“, hat einer mit Erfahrung schon Stunden zuvor geunkt. Er wird Recht behalten.

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